Bertelsmann als Medienkonzern in 15 Jahren nur noch Geschichte?

Von Ralf Keuper

Es klingt für viele Ohren in der Region absurd – Bertelsmann in 15 Jahren von der Bildfläche verschwunden? In einem Interview mit dem Deutschland Funk sagte kürzlich der renommierte Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister (gebürtig aus Minden):

“Meine These ist ja: wenn sich nichts ändert, wird die deutsche Medienindustrie vollkommen verschwinden.” Unternehmen wie Bertelsmann, Springer, Burda könnten in 15 Jahren in ihrer jetzigen Form nicht mehr existieren.

Das ist alles andere als abwegig. Gegen die großen digitalen Plattformen, wie Google, Amazon, Apple, Alibaba, facebook und Tencent sehen die hiesigen Medienkonzerne alt aus. Noch vor zwanzig Jahren war Bertelsmann einer der größten Medienkonzerne weltweit, Google gerade erst und facebook noch nicht gestartet, Amazon noch ein unbedeutender Online-Händler.

Heute haben sich die Rollen umgekehrt: Amazon ist in nur zwanzig Jahren an Bertelsmann vorbei gezogen; man kann auch von Deklassierung sprechen. Bertelsmann bewegt sich beim Umsatz seit 15 Jahren kaum noch vom Fleck. Der Pro-Kopf-Umsatz ist ausgesprochen gering: Bertelsmann erzielt mit 120.000 Mitarbeitern einen Umsatz von ca. 17 Mrd. Euro – Google erwirtschaftet mit 80.000 Mitarbeitern 90 Mrd. Dollar Umsatz, facebook macht mit 17.000 Mitarbeitern 27 Mrd. Dollar Umsatz,  Amazon erreicht mit 541.000 Mitarbeitern einen Umsatz von ca. 136 Mrd. Dollar. Inzwischen rückt Amazon auch räumlich näher an Bertelsmann heran. Derzeit sucht Amazon 2.000 neue Mitarbeiter für ihre Niederlassung in Oelde, nur wenige Kilometer Luftlinie von dem Bertelsmann-Hochregallager entfernt (Vgl. dazu: Amazon in Westfalen).

Im Musikgeschäft geben Streamingdienste wie Spotify den Ton an, im Filmgeschäft sind es Netflix, Youtube, Apple, Tencent und Amazon. Facebook erreicht inzwischen 2 Mrd. Nutzer und kann es sich leisten, die Verlage und Zeitungen auf den Rang geduldeter Lieferanten zu reduzieren, Google beherrscht den Markt für Suchmaschinen. Bertelsmann dagegen kann mit dem Ramsch-Sender RTL und dem Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr weder quantitativ noch qualitativ mithalten. Das ist nicht mehr zu heilen. Bleibt nur noch das Service-Geschäft mit arvato. Die Medien verlieren bei Bertelsmann an Bedeutung. Anschluss verpasst.

Insofern wird Bertelsmann als Medienkonzern noch weiter an Bedeutung verlieren und bestenfalls noch in Deutschland eine halbwegs relevante Rolle spielen. In fünfzehn Jahren könnte der Medienkonzern Bertelsmann daher durchaus Geschichte sein.

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