Der bemerkenswert moderne Staatsgedanke der Westfalen

Von Ralf Keuper

In diesem Jahr wird der Geburt Westfalens als politischer Einheit im Jahr 1815 gedacht. Ein fürwahr historisches Ereignis. Bis dahin war Westfalen ein loser Verbund aus verschiedenen Regionen – betont dezentral – wie man heute dazu sagen würde. Das Herzogtum Westfalen etwa war nur ein Bruchstück dessen, was wir heute unter Westfalen verstehen.

Über die Gründe dafür, weshalb Westfalen erst relativ spät zu einem einheitlichen Gebilde wurde, ist viel spekuliert worden. Gustav Engel beschrieb den Staatsgedanken der Westfalen mit den Worten:

Die Länder Westfalens haben in ihrer Gesamtheit keinen Staat gebildet. Einen Herzog, der über alle gebieten könnte, haben sie abgelehnt, und allen Versuchen der Kölner Erzbischöfe nach dieser Richtung hin sind sie mit der Waffe entgegengetreten. Was sich hier in seiner klaren politischen Ausprägung manifestiert, ist der Staatsgedanke der Westfalen.

Dieser Staat der Westfalen ist weder sichtbar noch greifbar, kein Gebilde, von dem bestimmte und zwingende Machtäußerungen ausgehen können. In seiner Umgreifung “regiert” er, dem einzelnen soll er vom Leibe bleiben. Er soll wenig verwalten und so wenig herrschen wie möglich, mit einem Wort: Er soll nicht Selbstzweck werden. Die Freiheit des einzelnen soll von ihm unangetastet bleiben. (in: Die West…

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