Konzentrationsprozess auf dem westfälischen Zeitungsmarkt setzt sich fort

Von Ralf Keuper

Die Meinungsvielfalt auf dem westfälischen Zeitungsmarkt war schon mal größer. In den letzten Jahren sind zahlreiche, einstmals renommierte Zeitungen entweder komplett verschwunden oder mit anderen zusammengelegt worden. Besonders eindrücklich wird das am Schicksal der Münsterschen Zeitung sichtbar (Vgl. dazu: Münstersche Zeitung: Das traurige Ende). Immer häufiger werden Lokalredaktionen zu sog. Redaktions-Pools oder Redaktions-Netzwerken zusammengelegt. Die Regionalzeitung mit eigenem Mantel ist ein Auslaufmodell (Vgl. dazu: Die Regionalzeitung mit eigenem Mantel – ein Auslaufmodell). Hart traf es die Westfälische Rundschau.

Am 15. Januar 2013 gab die Geschäftsführung der WAZ Mediengruppe bekannt, die Zentralredaktion und die Lokalredaktionen der WR zu schließen, die 120 Redaktionsmitarbeiter zu entlassen und einen Sozialplan aufzustellen. Der Titel der Zeitung solle erhalten bleiben, teilte die Mehrheitsgesellschafterin mit. Der Mantelteil der WR wird seit dem 2. Februar 2013 komplett im „Content Desk“ der WAZ-Mediengruppe erstellt (Quelle: Wikipedia).

Ein weiterer Schritt wird nun mit der Zusammenlegung der Westfälischen Nachrichten (Münster) und des Westfalen Blatts (Bielefeld) vollzogen, worüber in Westfälische Verleger schließen sich zusammen berichtet wird. Es wird eine punktuelle Zusammenarbeit der Redaktionen angestrebt. Die neue Holding sei für weitere Partner offen.

Damit geraten die noch verbliebenen Regionalzeitungen wie Die Glocke (Holterdorf) oder das Mindener Tageblatt (J.C.C. Bruns) noch mehr unter Druck.

Neben Aschendorff wird der westfälische Zeitungsmarkt von der Funke-Gruppe und der Ippen-Gruppe dominiert. In Ostwestfalen-Lippe ist die Neue Westfälische die auflagenstärkste Regionalzeitung. Die Neue Westfälischen gehört zu 100 Prozent der SPD-Medienholding (DDVG).

Was die politische Ausrichtung betrifft, werden bis auf die Neue Westfälische alle anderen eher dem konservativen Lager zugerechnet, sofern diese Einteilung in dieser Form noch möglich und sinnvoll ist.

Auf Bundesebene wird die Konzentration von den großen Medienhäusern, wie die Funke-Gruppe oder die Südwestdeutsche Medienholding vorangetrieben (Vgl. dazu: Medienkonzentration.Wenn kleine Verlage nach und nach geschluckt werden). Letztere, zu der u.a. die Süddeutsche Zeitung gehört, ist jedoch alles andere als hoch profitabel (Vgl. dazu: Südwestdeutsche Medienholding – ein Dauersanierungsfall?).

Ob die Meinungsvielfalt durch die Konzentrationsprozesse tatsächlich beeinträchtigt wird, darf mit Blick auf die kontinuierlich sinkenden Auflagenzahlen und das veränderte Mediennutzungsverhalten der Leser zumindest bezweifelt werden. Heutzutage stehen den Lesern im Internet zahlreiche, hin und wieder auch qualitativ hochwertige, Alternativen zur Verfügung. Überdies sollte der Einfluss der neuen Medienkonzerne, wie Facebook oder Google, auf die Meinungsbildung nicht unterschätzt werden. Im Vergleich dazu sind die Funke-Gruppe, Springer, und selbst Bertelsmann, Fliegengewichte.

Weitere Informationen:

Westfälische Drucker, Verleger und Verlage

Zeitungsfusion: Wie billig wird jetzt Bielefeld?

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