Frühgeschichte des Kirchspiels Steinhagen

Die Gründung der ravensbergischen Pfarrei Steinhagen (1334) ist ungewöhnlich durchsichtig  und bezeugt daher ein kirchengeschichtlich sehr bemerkenswertes Specimen. Hier läßt sich nämlich genau und eindeutig erkennen, wie die kirchliche Lage vorher war, aus welchen Ursachen und Beweggründen ein Neues erwogen und geplant wurde, welche Schwierigkeiten bestanden und welche Hilfe sich anbot, mit welcher Behutsamkeit man verfuhr, um etwas Ganzes und Bleibendes zuwege zu bringen. Insofern nimmt sich die Gründungsurkunde aus als erhebendes Zeugnis mittelalterlicher Nüchternheit, überdies eines aus Scholastik und Kirchenrecht gewährten logischen Denkens und lückenlosen Vortrags, zugleich eines hervorragend geschulten Stilgefühls. Mit ihr hat das junge Kirchspiel so kulturgünstig sich eingeführt, wie ihm später sein berühmter gotischer Flügelaltar ein empfehlendes Geleite vom Mittelalter zur Neuzeit und zur Gegenwart geboten hat. …

Quelle: Frühgeschichte des Kirchspiels Steinhagen

Veröffentlicht unter Geschichte, Regionen und Städte | Hinterlasse einen Kommentar

Moderne Großstadt Dortmund – Marketingfilm von 1964

Veröffentlicht unter Regionen und Städte | Hinterlasse einen Kommentar

Westfälische Provence und andere Geschichten

“Westfälische Provence und andere Geschichten” handelt von Menschen, die man anfängt zu schätzen und zu lieben, obwohl sie so ganz anders sind als man selbst. Natür­lich wird es um die Weite und die Farben des Himmels gehen, aber auch um den ohrenbetäu­benden Lärm, den Trecker, Aufsitzrasenmäher und Kettensägen produzieren. Und darüber, wie man angesichts der vom Wind bewegten Gerstenähren schon mal eine Ehekrise über­windet. Man erfährt auch, dass man auf dem Dorf nie heimlich im engsten Kreis seinen Ge­burtstag feiern kann, Bier im Prinzip kein Alko­hol ist und Löwenzahn manchmal über Nacht einen halben Meter zu wachsen scheint (Westfälische Provence und andere Geschichten).

Weitere Informationen:

Lesenswert: “Westfälische Provence und andere Geschichten” von Adele Stein

„Westfälische Provence“

Veröffentlicht unter Kultur | Hinterlasse einen Kommentar

Jörg Timmermann (Vorstandssprecher Weidmüller) auf die Frage: Was ist Industrie 4.0 – was ist eine Smart Factory?

Die Grenzen sind hier in der Tat etwas fließend und die Begriffe werden oft nicht richtig voneinander abgegrenzt. Aus unserer Sicht beschreibt der Begriff Industrie 4.0 das Gesamtkonzept inklusive der Technologien für intelligente Produktion und die Vision der vernetzten Fertigung. Eine Smart Factory steht für eine konkrete vernetzte und digitalisierte Produktionsstätte, in der Maschinen miteinander kommunizieren und den Produktionsfluss steuern. Im Kern geht es bei der Smart Factory darum, Maschinen und Anlagen mit Hilfe von Software so zu vernetzten, dass sie den Produktionsplan, ihren eigenen Zustand und den der angrenzenden Betriebsmittel kennen und ihre ihre Arbeitsschritte aufeinander abstimmen. Diese Vernetzung erfolgt sowohl innerhalb einer Fabrik, aber vor allem innerhalb von Wertschöpfungsnetzwerken. Diese Netzwerke bestehen aus mehreren Werken eines Unternehmens sowie den Produktionstätten seiner Zulieferer und seiner Kunden. Die Smart Factory ist somit die konkrete Ausprägung des Konzepts Industrie 4.0.

Quelle: “Eigene Ökosysteme aufbauen”. FAZ vom 24.04.18

Veröffentlicht unter Technologie, Wirtschaft | Hinterlasse einen Kommentar

“Mein Recht auf informationelle Selbstbestimmung steht nicht zum Verkauf und zur Verhandlung” – Interview mit Friedemann Ebelt (Digitalcourage e.V.)

Friedemann Ebelt

Mit dem facebook-Skandal ist das Thema Datenschutz wieder in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt. Die Schattenseiten der Datenökonomie treten immer deutlicher hervor. Bei der Nutzung der kostenlosen Angebote, wie bei Suchmaschinen oder auf facebook, bezahlen wir nicht nur mit unseren Daten, sondern auch mit einem Stück Privatheit. Seit 1987 setzt sich Digitalcourage e.V. in Bielefeld für die Wahrung der Informationellen Selbstbestimmung der Bürger ein – mit großem Erfolg. Für ihr Engagement für den Datenschutz und die Stadt erhielt Rena Tangens, Mit-Gründerin von Digitalcourage, im Jahr 2016 den Bielefelder Frauenpreis. Bundesweites Aufsehen erregt die jährliche Verleihung des Big Brother Awards. In diesem Jahr wurde u.a. das Konzept der Smart City ausgezeichnet. So viel ist sicher: Die Arbeit geht Digitalcourage auch nach 30 Jahren nicht aus. Im Gespräch mit Westfalenlob erläutert Friedemann Ebelt (Foto), Campaigner und Redakteur bei Digitalcourage, warum Informationelle Selbstbestimmung und Privatheit hohe Güter sind, weshalb er die Bezeichnung von Daten als dem neuen Öl für problematisch hält, welche Werkzeuge zum Schutz der Privatheit im Internet er sich wünscht und wieso facebook schon lange nicht mehr innovativ ist. 

  • Herr Ebelt, was genau macht Digitalcourage?

Wir wollen dafür sorgen, dass eine lebenswerte Welt im digitalen Zeitalter entsteht. Also wehren wir uns gegen ausufernde Überwachung, ungerechte Kommerzialisierung und nutzlose Datensammelei. Unsere Werkzeuge sind Grundrechte und Datenschutz und die setzten wir bereits seit 1987 ein.

  • Was ist Ihre Rolle?

Ich bin Campaigner und Redakteur – stets an Tastatur und Telefon. Meine Aufgabe ist es, unsere Kampagnen weiter zu entwickeln und nicht locker zu lassen.

  • Unter den “Preisträgern” des Big Brother Awards, der vergangene Woche in Bielefeld verliehen wurde, war auch das Konzept der Smart CityWarum ist das aus Ihrer Sicht “preiswürdig”?

„Smart City“ ist ein Werbebegriff der immer häufiger verwendet wird, um Überwachungs- und Kontrolltechnik im öffentlichen Raum zu installieren. Rena Tangens führt das in ihrer Laudatio sehr präzise aus: „Smart“ klingt gut. Das nutzen Firmen, um unter dem Deckmantel der Innovation Überwachungsprodukte an Kommunen zu verkaufen. Bürgerinnen und Bürger werden dabei zu datenliefernden Objekten gemacht. Rena Tangens hat das Konzept der „Smart City“ ausgezeichnet, damit Kommunen in Zukunft nicht einfach alles machen, nur weil jemand „smart“ drangeschrieben hat.

  • In der Diskussion um den facebook-Skandal vertreten einige Kommentatoren die Ansicht, dass das Problem der Zweckentfremdung der personenbezogenen Daten mit Datenschutz alleine nicht in den Griff zu bekommen ist. Nötig seien neue Geschäftsmodelle/Technische Lösungen auf Blockchain-Basis, die den Nutzern die Möglichkeit geben, selbst zu bestimmen, wer was mit ihren Daten machen darf. Ein realistischer Ansatz?

Aus meiner Sicht muss das Ziel informationelle Selbstbestimmung sein. Wenn wir das nicht erreichen, wird sich die Digitalisierung gegen unsere Freiheit und Selbstbestimmung wenden. Hilfreiche Ansätze gibt es in Datenschutzgesetzen, neuen Geschäftsmodellen, neuen Technologien und politischer Arbeit – den großen Hebel, der alles repariert, gibt es nicht, weil alle Ansätze auch Grenzen haben. Ein riesiges Problem sind datengetriebene Geschäftsmodelle. Die Bundesregierung und Unternehmen sehen in Daten das „neue Öl“. Sie wollen mit Daten genau das tun, was sie mit Öl gemacht haben: Tief in die Privatsphäre bohren, absaugen, aufbereiten und verkaufen. Solange darin die politische und unternehmerische Motivation liegt, ist es egal, ob es „Recht auf Dateneigentum“ genannt wird oder auf Blockchains basiert.

  • In den letzten Monaten sind einige Datenallianzen an den Start gegangen bzw. haben ihren Start angekündigt, wie Verimi und netID. Ziel ist es, den Nutzern die Hoheit über ihre Daten zurückzugeben. Eine sinnvolle Alternative zu Google & Co. oder eher neuer Wein in alte Schläuche?

Mit diesen Initiativen wollen deutsche Unternehmen etwas vom großen Datenkuchen abhaben, den derzeitig die großen US-Konzerne in den Händen halten. Um die Hoheit der Nutzer.innen über ihre Daten geht es im Grunde nicht. Die Unternehmen versuchen nachzuholen, was sie vor vielen Jahren verschlafen haben. Es ist gut möglich, dass sie damit scheitern werden, weil sie nur versuchen die Konzepte von Google und Co. zu kopieren. An einigen Punkten sind die Identifikationsverfahren tatsächlich besser. Aber das wird nicht reichen, um Google und Co. einzuholen. Wenn die Datenallianzen erfolgreich sind, haben Nutzer.innen die Wahl, ob sie sich an Google oder eine Datenallianz zum Nullpreis verkaufen wollen.

Die Datenschutzgrundverordnung wird das Geschäftsmodell der großen Datenkonzerne nicht unmöglich machen. Aber, was den Silicon Valley-Konzernen weh tun wird, sind die deutlichen erhöhten Bußgelder bei Verstößen gegen die Datenschutzgrundverordnung. Hinzu kommen einige Rechte für Betroffene, die den Nutzer.innen EU-weit mehr Macht geben. Diese Macht müssen sie aber auch nutzen. Die ePrivacy-Verordnung wird derzeit verhandelt. Hier zeichnet sich eine der größten Lobbyschlachten in der EU ab, die wir jemals gesehen haben. Die Datenlobby setzt alles daran, die ePrivacy-Verordnung abzuschwächen und hält sie für überflüssig. Der bereits verabschiedete Entwurf des EU-Parlaments ist allerdings sehr stark, worüber wir uns gefreut haben. Jetzt kommt es auf die Verhandlungen mit EU-Rat und EU-Kommission an. Eine sehr wichtige Rolle spielt die deutsche Bundesregierung. 2015 haben wir an die Ex-Innenminister Thomas de Maizière und Hans-Peter Friedrich einen BigBrotherAward verliehen für die systematische und grundlegende Sabotage der geplanten Europäischen Datenschutzgrundverordnung. Es wäre fatal, wenn Deutschland in der EU auch die ePrivacy-Verordnung sabotieren würde.

  • Brauchen wir ein Eigentumsrecht für Daten?

Nein, ich denke nicht. Gesetzgeberisch ist ein Recht auf Dateneigentum nicht ohne weiteres erschaffbar. Ich verstehe den Reiz an dem Gedanken. Wenn mir meine Daten gehören, wie mir meine Brille gehört, kann ich darüber bestimmen, was mit meinen Daten passiert. Aber wir müssen die Machtverhältnisse mitdenken. Eigentum ist zum Verkaufen gemacht. Mein Datenteigentum könnte verhandelt, verkauft und versteigert werden – auch Börsenspekulation wären denkbar. Mein Recht auf informationelle Selbstbestimmung steht nicht zum Verkauf und zur Verhandlung. Ich denke
als Grundrecht ist meine Privatsphäre im Digitalen am besten aufgehoben.

  • Datenschutz und Innovation bzw. Nutzerkomfort werden häufig noch als Gegensätze betrachtet. Was entgegnen Sie darauf?

Der größte Komfort, den ich habe, ist ein Privatleben, in dem ich in Ruhe gelassen werden von Leuten, die mir etwas verkaufen wollen, die mich vermessen und bewerten wollen. Um diesen Komfort zu haben, bin ich zum Beispiel gern bereit eine Software zu benutzen, die etwas mehr Mitdenken erfordert, mich aber nicht bei jedem Klick und Tastenanschlag verrät.
Was richtig ist, ist nicht immer bequem. Gleichzeitig sollte niemand an den Mythos glauben, dass alles was digital ist, Innovation bedeutet. Echte Innovation nutzt neue Technologien, um uns zu bereichern, nicht um uns zu Datensätzen zu degradieren.

  • Derzeit werden verschiedene Modelle diskutiert, wie die Datenökonomie
    gerechter gestaltet werden könnte. Eines davon ist die
    Datengenossenschaft, d.h. die Nutzer haben gleiche (Stimm-)Rechte. Haben wir künftig die Wahl zwischen Raiffeisen oder Zuckerberg?

Facebook ist schon länger keine Wahl mehr. Denn Facebook wird in Zukunft keine Rolle mehr spielen. Immer weniger Menschen haben Lust sich von einer nervigen Werbeplattform durchleuchten zu lassen. Außerdem liefert Facebook keine Innovationen mehr. Es entsteht Raum für neue Konzepte.
Wichtig dabei ist, dass nicht überall Solidarität und Fairness drin ist, wo Genossenschaft drauf steht. Eine Datengenossenschaft könnte meine Daten für mich aufbewahren, vor unberechtigtem Zugriff schützen und verwalten, wobei ich mitgestalten kann. Noch lieber wäre es mir, wenn ich das mit dezentral arbeitenden Werkzeugen selbst tun könnte, die volle Kontrolle hätte und auch nicht überstimmt werden könnte. Denn jede Anhäufung von Daten ist Macht, die früher oder später gebraucht oder missbraucht wird.

  • Herr Ebelt, besten Dank für das Gespräch!
Veröffentlicht unter Interviews, Persönlichkeiten aus Westfalen, Regionen und Städte, Technologie | Hinterlasse einen Kommentar

BigBrotherAwards 2018

Veröffentlicht unter Technologie, Verkehr, Infrastruktur und Logistik | Hinterlasse einen Kommentar

PHOENIX See Dortmund: Beste Adresse in der Metropole Ruhr

Veröffentlicht unter Regionen und Städte, Verkehr, Infrastruktur und Logistik | Hinterlasse einen Kommentar

Dortmund: Zentrum der Stahlarchitektur (Tagungsbericht)

Zentrum der Stahlarchitektur in Deutschland ist das Ruhrgebiet. Kohle und Stahl haben es groß gemacht; dass auch Häuser aus diesem Werkstoff gebaut wurden, haben die Fördergerüste, Zechenanlagen und Hochbehälter in den Hintergrund gedrängt. Eben hier setzte die Tagung an, die in dem Pavillon vis-à-vis des ehemaligen Restaurants „Buschmühle“ stattfand, eines Stahlbaus, den Otto-Heinz Groth, Werner Lehmann und Wolfram Schlote zur Bundesgartenschau 1959 im Westfalenpark geplant haben. Silke Haps (Dortmund) erklärte den Hoesch-Bungalow des Dortmunder Unternehmens, neben Thyssen und Krupp der dritte große Stahlerzeuger im Revier, zum Musterbeispiel dieser regionalen Verbundenheit: Anders als die Haustypen „55“ und „109“, von denen 1961 fünftausend Stück im Jahr angekündigt, doch dann weniger als zweihundert gefertigt wurden, ist der Typ „L 141“, der auf 146 Quadratmeter weiterentwickelt wurde, nicht mehr in Serie gegangen. Als letzter von sieben Stahl-Fertig-Bungalows wurde er in der Hoesch-Siedlung in Dortmund-Kleinholthausen aufgestellt, wo er weitgehend bauzeitlich erhalten ist – ein Haus von hohem Zeugniswert, da im selben Jahr die Produktion mangels Absatz eingestellt wurde.

Quelle: Baukasten statt Kastenbau

Weitere Informationen:

Stahlbaugeschichte in Dortmund (Ausstellung im Hoesch-Museum)

Von “Stahlschachteln” und Bausystemen. Zum Umgang mit Stahlbauten in der Nachkriegszeit 

Veröffentlicht unter Geschichte, Technologie, Verkehr, Infrastruktur und Logistik, Wirtschaft | Hinterlasse einen Kommentar

Aktiengesellschaft für Bergbau und Hüttenbetrieb Porta Westphalica

In der ersten Hälfte der 1850er Jahre haben Schürfarbeiten im Wiehen- und im Wesergebirge umfangreiche Eisensteinvorkommen nachgewiesen, die nach Einschätzung der preußischen Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung in den Kreisen Minden und Lübbecke eine ansehnliche Eisenproduktion erwarten ließen. Am 27. Februar 1856 berichtete die in Berlin erscheinende Zeitung “Provinzial-Correspondenz”, dass “im Wiehengebirge und zwar in der Nähe der Porta .. vor Kurzem ein Thon-Eisensteinflötz gemuthet worden” sei, … Man beabsichtigt, den Grubenbetrieb unverzüglich einzurichten und in der Porta einen Hohofen anzulegen. …

Die Gründerversammlung der “Aktiengesellschaft für Bergbau- und Hüttenbetrieb Porta Westphalica” fand am 28. Juni 1856 in Barkhausen statt. Im Statut der Gesellschaft ist das Grundkapital auf eine Million Taler festgesetzt, repräsentiert durch 2.000 Aktien zum Nominalwert von 500 Talern. König Friedrich Wilhelm IV. bestätigte das Statut am 20. Juli 1857. Namhafte Bergbautreibende, Industrielle, Hüttenfachleute und Kaufleute aus dem Ruhrgebiet und dem Rheinland waren zusammen mit gut situierten Bürgern aus Minden maßgeblich an dem Unternehmen beteiligt (in: Die Kettenbrücke und das Hüttenwerk in der Porta Westphalica. Bemerkungen zur Bau – im Kontext der Wirtschaftsgeschichte, Westfalen 92. Band 2014)

Weitere Informationen:

Die Geschichte des Bergbaus an der Porta Westfalica

Weserbrücke (Porta Westfalica)

Veröffentlicht unter Geschichte, Wirtschaft | Hinterlasse einen Kommentar

DB Schenker Enterprise Lab für Logistik und Digitalisierung in Dortmund

Veröffentlicht unter Technologie, Verkehr, Infrastruktur und Logistik, Wirtschaft, Wissenschaft | Hinterlasse einen Kommentar