Dortmund – Alter Markt im Jahre 1909

Ein Fall für die Kritische Rekonstruktion: “Kritische Rekonstruktion” der Innenstadt: Lübeck trifft Münster

Weitere Informationen:

Virtueller Rundgang. Spazieren Sie über den Alten Markt des Jahres 1909

Altes Rathaus Dortmund

 

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Am Borsigplatz geboren – Franz Jacobi und die Wiege des BVB (Dokumentationsfilm)

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Die Delbrücker Fehde von 1410 – Mutige Bauern bezwingen hochgerüstete Ritter

In der Nacht vom 18. auf den 19. Dezember 1410 stand Delbrück in Flammen. Eigenhändig hatten mutige Delbrücker Frauen Feuer gelegt, um zu verhindern, dass der eingedrungene Feind in ihren Häusern übernachten konnte. Der Sieg der Delbrücker Bauern über den Kölner Erzbischof, den Grafen von Kleve-Mark sowie Soester Bürger gehört zweifelsohne zu den außerordentlichen Ereignissen der spätmittelalterlichen Geschichte Westfalens. Im Folgenden werden die Hintergründe, der Verlauf und die Folgen des Kampfes im Delbrücker Land beleuchtet. …

Quelle: Die Delbrücker Fehde von 1410 – Mutige Bauern bezwingen hochgerüstete Ritter

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WDR Heimatabend Siegen

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Die Geschichte des Westfälischen Landesmuseums für Naturkunde

Die Gründung des Westfälischen Landesmuseums für Naturkunde geht auf die Bestrebungen einiger Zoologen zurück, die in der Mitte des vorigen Jahrhunderts ein Zentrum für ihre Beobachtungs- und Sammeltätigkeit schaffen wollten. Die führenden Köpfe waren Bernard Altum, Ferdinand Freiherr von Droste- Hülshoff und Hermann Landois.

Eine Übersicht über diese Entwicklung entnehmen wir dem Bericht des ersten Direktors der Zoologischen Sektion Freiherr Ferdinand von Droste-Hülshoff vom 22. 12. 1873. Er erwähnt, wie im Jahre 1852 eine erste Vereinigung hiesiger Freunde der Naturwissenschaften entstand: „Diese Versammlung hatte indeß lediglich den Zweck der gemüthlichen Unterhaltung und wissenschaftlichen Anregung, nicht den der Aufspeicherung wissenschaftlichen Materials, welches sonst würde in Vergessenheit geraten. Zudem prävalierte in diesem Klübbchen das botanische Element weitaus.” (Sitz.her. Zool. Sekt. I, S. 82, 1873 ).

In den sechziger Jahren versuchte Altum, einen zoologischen Verein zu gründen, und auch andere Fachgenossen strebten eine solche Vereinigung an. Es ist wohl Landois’ Weitsicht zu verdanken, daß einige Versuche zur, wie es damals hieß, „Constituierung eines zoologischen Localvereins” unterblieben, um alle westfälischen Zoologen in einer speziellen Sektion des vorgesehenen großen Westfälischen Provinzialvereins für Wissenschaft und Kunst zusammenzuführen. Infolgedessen traten auch alle naturwissenschaftlich Interessierten bei der feierlichen Gründung am 28. 1. 1872 im großen Rathaussaal zu Münster diesem größeren Verein bei. Mit seinen verschiedenen Sektionen (Geschichte und Altertum, Gewerbe und Industrie, Zoologie, Botanik, Vogelschutz usw.) umfaßte der Provinzialverein für Wissenschaft und Kunst im Gründungsjahr bereits 2147 Mitglieder (Namenverzeichnis im ersten Jahresbericht, Münster 1872). Die Zoologische Sektion zählte 1872 58 Mitglieder, die Botanische 55. Man darf wohl den Provinzialverein als ersten Träger einer westfälischen Kulturpflege bezeichnen. …

Quelle: Ludwig Franzisket: Die Geschichte des Westfälischen Landesmuseums für Naturkunde

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Geheimnis Teutoburger Wald

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Spitzenforschung in OWL – Zu Besuch bei Prof. Dr. Helge Ritter im CITEC – Exzellenzcluster an der Universität Bielefeld

Von Ralf Keuper

An der Robotik scheiden sich nicht nur in Westfalen häufig die Geister. Für einige ist sie eine ernsthafte Bedrohung für die Arbeitsplätze, die sich längst nicht mehr auf die Industrie beschränkt, für andere dagegen ist sie ein Segen, der uns ein Zeitalter frei von Arbeit und anderer “Plage” bescheren wird.

Vergleichsweise sicher ist, dass die Robotik noch längst nicht am Ende ihrer Entwicklung angelangt ist. Unklar sind dagegen, wie schon erwähnt, die Auswirkungen für Wirtschaft und Gesellschaft.

Ein Ort in Deutschland, an dem auf dem Gebiet der Robotik seit Jahren auf höchstem Niveau geforscht wird, ist der Exzellenzcluster Cognitive Interaction Technology (CITEC) an der Universität Bielefeld.

Koordinator des Exzellenzclusters ist Prof. Dr. Helge Ritter, der für seine Forschungen u.a. mit dem Leibnizpreis der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet wurde. Aus der Würdigung:

…Seine interdisziplinär ausgerichteten Arbeiten zeigen, welchen Anteil prärationale Prozesse an natürlichem intelligenten Verhalten besitzen, in welcher Weise diese bereits in einfach gebauten Nervensystemen zu finden sind und wie sie durch neuronale Netze modelliert werden können. Damit übernimmt Ritter eine herausragende Rolle bei der Erforschung sogenannter intelligenter Leistungen.

Daneben ist Prof. Dr. Ritter Gründungsdirektor des Forschungsinstituts für Kognition und Robotik (CoR-Lab), das ebenfalls an der Universität Bielfeld angesiedelt ist. Seit 2007 werden dort neue Technologien und Verfahren für intelligente Maschinen entwickelt. Das Institut testet und optimiert seine Entwicklungen in Transferprojekten mit Industriepartnern.

Manuelle Intelligenz für Roboter 

Häufig beschränkt sich die Diskussion über die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz darauf, die Funktionen des menschlichen Gehirns zu simulieren. Dabei geht die Bedeutung der Hand als Werkzeug des Geistes unter. In ihrer Forschung beschäftigen sich die Bielefelder Wissenschaftler u.a. mit der Frage, inwieweit Roboter in der Lage sind, die manuellen Fähigkeiten der Menschen nachzubilden, Roboter gefühlvoll zu machen. Ritter spricht in dem Zusammenhang von Manueller Intelligenz. In dem Vortrag  Von Bewegung zu Begreifen – Manuelle Intelligenz für Roboter (Audio-Aufzeichnung: http://www.awhamburg.de/fileadmin/redakteure/Podcasts/2013-04-11_Ritter.mp3) erläutert Prof. Dr. Ritter die Herausforderungen, mit denen die Robotik bei dem Versuch konfrontiert ist, die komplexen Koordinationsvorgänge der menschlichen Hand auf Roboter zu übertragen. Was für uns mehr oder weniger selbstverständliche Handlungen des Alltags sind, wie das Drehen eines Türknaufs, das Falten von Papier oder das Öffnen einer Flasche mit Drehverschluss, ist für einen Roboter eine enorme Herausforderung. Wie bekommen wir die Greifmannigfaltigkeit des Menschen in den Roboter? Wie kann ein Roboter die bimanuale Koordination anthropomorpher Hände simulieren?

Ein Weg führt über die Mustererkennung und die Bildung von Kategorien. Dabei werden u.a. Computersehsysteme, Tastsensoren (Taktile Erkennung von Objekten) und Bewegungstracking eingesetzt. Mit der Zeit, in fortlaufenden Tests, verfeinert der Roboter seine Fähigkeiten. Selbst der Mensch kann in seinem Leben die Greifmannigfaltigkeit, die ihm biologisch mitgegeben ist, nicht ausschöpfen, d.h. die Kombinationsmöglichkeiten, die mit den 20 Bewegungsfreiheitsgraden und drei möglichen Stellungen (Gelenkwinkeln) der Hand gegeben sind, können wir während unseres Lebens nicht ausprobieren. Wir realisieren nur eine geringe Teilmenge der Möglichkeiten. So auch der Roboter, wenngleich – derzeit jedenfalls – in deutlichem geringerem Umfang als der Mensch. Erleichtert wird die Forschung dadurch, dass für Handlungen immer nur ein Teil der Gelenke benötigt wird, der Roboter – prinzipiell – also nicht über alle Kombinationsmöglichkeiten der menschlichen Hand verfügen muss.

Einen weiteren Überblick gibt der Vortrag Cognitive Interaction Technology. Darin wird Manuelle Intelligenz ab Min. 12 behandelt.

Sprache als Greifprozess

Als Werkzeug des Geistes hat die Hand auch einen Einfluss auf unsere Sprache bzw. unseren Sprachgebrauch. Ausdrücke wie “begreifen” oder Redewendungen wie “Er bekommt die Sache in den Griff” oder “Es ist zum Greifen nah”, “Es liegt auf der Hand” oder “es ist mit Händen zu greifen” weisen darauf hin. Laut Ritter bekommen wir über Worte Zugriff auf gedankliche Objekte im Gegenüber, die dort Veränderungen, z.B. im Verstehen oder Verhalten, bewirken können. Auf diese Weise leistet die Manuelle Intelligenz, das tiefere Verstehen von Händen, einen Beitrag zum Verständnis von Kognition und Lernen. Begriffe und Verstehen sind in unserem physikalischen Handeln verankert. Hände sind eine Brücke zur Welt. Nicht das Aussehen der Objekte ist entscheidend, sondern das, was man mit ihnen machen kann. Roboter mit manueller Intelligenz ausgestattet können daher auch wichtige Hinweise darauf liefern, wie wir selbst Kategorien während unseres Handelns bilden und wie Kognition und Lernen zusammenhängen. Damit lässt sich die Mensch-Maschine-Interaktion immer weiter verbessern.

KogniHome – die mitdenkende Wohnung

Zusammen mit den von Bodelschwinghschen Anstalten und weiteren Partnern entwickelt das Exzellenzcluster für Kognitive Interaktionstechnologie die mitdenkende Wohnung KogniHome.

Zum Ziel:

Eine Wohnung, die die Menschen in ihrem Alltag unterstützt – ausgestattet mit intelligenter, lernender Technik, die einfach durch Sprache oder Gestik bedient werden kann. Gerade die intuitive Steuerung bietet für Senioren und Menschen mit Behinderung eine Chance, länger in den eigenen vier Wänden zu wohnen

Achse Bielefeld – Lemgo 

Im September letzten Jahres gaben das Fraunhofer IOSB-INA Lemgo und die Technische Fakultät der Universität Bielefeld bekannt, gemeinsam eine Professur für Kognitive Automatisierung ins Leben zu rufen. In der Pressemitteilung heisst es dazu:

Die Professorin oder der Professor forscht und lehrt künftig an der Technischen Fakultät der Universität Bielefeld und leitet gleichzeitig die neu einzurichtende Abteilung für Kognitive Automatisierungstechnologien im Fraunhofer-Zentrum in Lemgo.

Von der Kooperation erhoffen sich die Beteiligten einen Schub für die Entwicklung mitdenkender Maschinen in der industriellen Produktion.

Fazit: 

Mit dem CoR-Lab und CITEC ist die Region Ostwestfalen-Lippe prominent in einer der zukunftsträchtigsten Wissenschaftsdisziplinen vertreten. Die Ergebnisse der Forschung haben direkt oder indirekt großen Einfluss auf unseren Alltag. Die Wirtschaft profitiert im Idealfall dadurch, dass ihre Maschinen intelligenter werden, ohne die Menschen dabei zu Statisten zu degradieren. Im Vordergrund steht die Interaktion. Menschen und Roboter nähern sich an und lernen voneinander. Es versteht sich von selbst, dass ethische Fragen sowie das Thema Datenschutz dabei berücksichtigt werden müssen.

Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle bei Prof. Dr. Ritter, der sich die Zeit genommen hat, mir die Forschung im CITEC zu erläutern und bei einem Rundgang zu zeigen, sowie bei Frau Strunk für die Terminkoordination.

Weitere Informationen:

Denken mit dem Körper

Im Interview: Helge Ritter: „Roboter wissen noch zu wenig von der Welt“

KI-FORSCHUNG:Was hat uns die Zukunft gebracht?

Werkzeug – Denkzeug Manuelle Intelligenz und Transmedialität kreativer Prozesse

Hände: Womit der Mensch die Welt begreift

Intelligente Objekte zum Greifen mit anthropomorphen Roboterhänden

Greifen bei Servicerobotern: Lernen und Selbstorganisation mit Hilfe von Tastsinn und Bildverarbeitung

Wie der Körper Sprache und Vorstellungsvermögen im Gehirn formt

Durch Greifen begreifen Kinder die Welt

Heute schon mit der Hand geschrieben?

Zeichnen: Eine Kulturtechnik wird neu entdeckt

Der Tastsinn. Drei Bücher

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Realer Irrsinn: Springbrunnen in Gütersloh

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Das Kanonissenstift und Benediktinerinnenkloster Herzebrock

Das Kloster Herzebrock ist die älteste geistliche Stiftung für Frauen im Bistum Osnabrück. Nachdem es im 9. Jahrhundert als Kanonissenstift gegründet worden war, folgte man seit 1208 in Herzebrock bis zur Aufhebung des Klosters ununterbrochen der Benediktsregel, eine in der Germania Sacra relativ selten zu beobachtende Tatsache, denn viele ehemalige Kanonissenkongregationen wurden zwar in Augustinerinnen- oder Benediktinerinnenklöster umgewandelt, fanden jedoch meist rasch wieder zu den stiftischen Lebensformen zurück. Andere früh gegründete Kanonissenstifte blieben dem kanonischen Leben treu, während viele alte Benediktinerinnenkonvenre dem monastischen Ideal entsagten und sich spätestens in der Reformationszeit in freiweltliche Damenstifte umwandelten. Im Gegensatz dazu entfaltete der Herzebrocker Konvent gerade in der Zeit des Verfalls der monastischen Ideale eine reformerische Kraft, die im 15. Jahrhundert auf die wenigen verbliebenen Ordenshäuser in Nordwestdeutschland ausstrahlte. Das beharrliche Festhalten an der monastischen Lebensform wird neben religiösen Gründen eine weitere Ursache in den politischen und konfessionellen Gegensätzen zwischen dem landständischen Kloster und seinem zunächst lutherischen, später reformierten Landesherrn haben.

Quelle / Link: Das Kanonissenstift und Benediktinerkloster Herzebrock

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Der Niedergang der Nixdorf Computer AG

Von Ralf Keuper

Als die Nixdorf Computer AG im Jahr 1990 von Siemens übernommen wurde und fortan als Siemens Nixdorf AG firmierte, war Insidern klar, dass Nixdorf seine Eigenständigkeit überwiegend wegen hausgemachter Fehler verloren hatte. Die wohl schwerwiegendste Fehlentscheidung traf Unternehmensgründer Heinz Nixdorf, als er den Trend zum Personal Computer bewusst ignorierte und stattdessen an seiner Mittleren Datentechnik festhielt. Spätestens auf der CeBit im Jahr 1986 muss ihm klar geworden sein, dass er auf das falsche Pferd gesetzt hatte, wie die Filmdokumentation Heinz Nixdorf: Der Computerkönig aus Paderborn zeigt.

Sein Nachfolger und in gewisser Weise Ziehsohn, Klaus Luft , konnte das Unternehmen nur noch etwas über drei Jahre eigenständig fortführen, bis Nixdorf sprichwörtlich die Luft ausging. Noch im Jahr 1984, in einem Interview mit dem Manager Magazin (8/1984), gab Nixdorf sich äußerst zuversichtlich, dass sein Unternehmen auch ohne ihn noch lange fortbestehen würde. Auch sonst war er sich seiner Sache, was die strategische Ausrichtung seines Unternehmens betraf, sehr sicher. Im Januar 1985 legte er in einem Interview mit dem Industriemagazin, anlässlich seiner Wahl zum Manager des Jahres, noch einmal nach. Von Selbstzweifeln bzw. Selbstkritik keine Spur. Der Spiegel fasste diese Haltung einmal in die Worte:

Heinz Nixdorf hat in seinem Leben zu oft Recht gehabt, als daß ihn ernsthafte Zweifel überkommen könnten.

Im Vergleich dazu sind Bill Gates und Andy Grove geradezu von German Angst beherrscht. Bill Gates sagte einmal “Wir sind immer 18 Monate vom Untergang entfernt” und Andy Grove, ehemaliger CEO von Intel, verfasste ein Buch mit dem vielsagenden Titel Nur die Paranoiden überleben.

Bei Nixdorf ging das mit dem Glauben an die eigene Überlegenheit so lange gut, wie der Markt sich in der Weise entwickelte, wie sich die Unternehmensführung das vorstellte. Als aber neue Technologien und damit neue Mitbewerber am Markt erschienen, wie Apple und IBM mit ihren PCs und Microsoft mit seinem Betriebssystem MS DOS, tat sich Nixdorf ebenso wie Digital Equipment Corporation und Wang ausgesprochen schwer zu erkennen, dass ihre Zeit sich dem Ende neigte und ein Kurwechsel dringend nötig war. Der Siegeszug des PC hielt nicht ewig, IBM stieg aus dem Geschäft wieder aus, Apple konnte sich behaupten, andere wie Compaq, das zuvor DEC übernommen hatte, wurden aufgekauft. Bereits damals, 1984, gab es kritische Berichte, die nicht so recht in den allgemeinen Jubelgesang einstimmen wollten wie Nixdorf braucht Fortune.

IBM schwenkte erst Jahre später in eine Richtung, in der Nixdorf schon unterwegs war. Nixdorf sei, so Firmengründer Heinz Nixdorf und später Klaus Luft, ein Dienstleistungsunternehmen, das nicht nur Hardware, sondern auch die dazugehörige Software, wie das Warenwirtschaftssystem COMET, liefere, mit der Geräte untereinander kommunizieren konnten. In den 1980er Jahren bekam Nixdorf häufig zu hören, eigentlich nur die Komponenten auf dem Weltmarkt zusammenzukaufen und in seine Geräte einzubauen. Von wirklicher Innovation könne daher kaum die Rede sein. Dem entgegnete man bei Nixdorf, dass die Entwicklung auf dem Markt für Hardware viel zu dynamisch und zyklisch sei, um als Hersteller selber an allen Fronten vertreten zu sein. Eine durchaus nachvollziehbare und insgesamt auch richtige Haltung.

In den Jahren ab 1987 wurden jedoch gravierende Fehlentwicklungen bei Nixdorf überdeutlich. So berichteten das manager magazin (Krach, Kabbale und krumme Touren) und der Spiegel, dass z.T. hochrangige Mitarbeiter von Nixdorf über Jahre Schmiergelder eingesteckt hatten. Auf dem wichtigen amerikanischen Markt konnte Nixdorf nie wirklich Fuss fassen. Eigentlich war das Unternehmen fast vollständig vom deutschen Markt abhängig.

Im März 1989, einige Monate bevor die Nixdorf Computer AG in eine existenzbedrohende Lage geriet, aus der sie letztendlich von Siemens “befreit” wurde, widmete das Industriemagazin Nixdorf einen kritischen Bericht (Wie der erschütterte Computerbauer an frühere Erfolge anknüpfen will. Nixdorf lernt rechnen). Damals machte dem Unternehmen u.a. die Aufstockung des Personalbestands um 1.800 Mitarbeiter im Jahr 1988 zu schaffen. Für das laufende Jahr 1989 plante Nixdorf den Abbau von ebenfalls 1.800 Arbeitsplätzen. Über die Jahre hatte sich bei Nixdorf eine gefährliche Selbstüberschätzung breit gemacht im Sinne von “Wir sind die Besten”.

Finanzchef Sven Kado kommentierte das mit den Worten:

Wenn zu viele unserer 30.000 Kollegen dies glauben, dann gibt es keine positive Perspektive mehr. Arroganz führt zu Ignoranz, und danach kommt nur wenig. In keinem Fall kommt dann noch unternehmerischer Erfolg.

Wohl wahr. Leider nur vergaß Kado zu erwähnen, dass diese Haltung über Jahre von der Unternehmensleitung gefördert, ja geradezu befeuert wurde.

In einem Interview sagte Deutschland-Chefin von Microsoft, Sabine Bendiek, vor einiger Zeit:

Wir in der IT-Industrie sind in Sachen Wandel ziemlich gestählt. Die Liste von Wettbewerbern, die Technologiewellen zum Opfer gefallen sind, ist lang. DEC, Nixdorf, Wang – das waren alles großartige Unternehmen, die gewaltig unter Druck geraten oder gar gescheitert sind, weil sie es nicht schnell genug geschafft haben, auf ein neues Pferd umzusatteln.

Weitere Informationen:

Western von Gestern: Der Nixdorf-Absturz

Nixdorf: Ohne Partner chancenlos

Vor 30 Jahren: Zum Tode von Heinz Nixdorf auf der CeBIT

Heinz Nixdorf. Eine Biographie

Die Geschichte der Softwarebranche in Deutschland

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