Zur Geschichte von Burg und Burggrafschaft Stromberg

Von Ralf Keuper

Das Dorf Stromberg, heute ein Teil der Stadt Oelde im Kreis Warendorf, war im Mittelalter eine einflussreiche Burgstadt und Burggrafstadt. Die Burggrafen von Stromberg, 1177 erstmals urkundlich erwähnt, gehörten im Mittelalter und der frühen Neuzeit neben Nürnberg, Magdeburg und Reineck zu den vier Reichsburggrafen des Deutschen Reiches.

Sichtbarer Ausdruck dessen ist der Quaternionenadler, der doppelköpfige Reichsadler des Heiligen Römischen Reiches, in dem das Reich durch die Wappen der Glieder (Stände) allegorisch dargestellt wird.

Das Wappen des Stromberger Burggrafen (drei Raben) im Quaternionenadler. Dort im linken Flügel in der vierten Feder von links, ganz unten

Paul Leidinger schreibt in Zur Geschichte von Burg und Burggrafschaft Stromberg. Eine um 1082 im salischen Reichsinteresse erbaute Landesfeste ? Zu Aspekten des Investiturstreits und der Sachsenkriege in Westfalen (ca. 1070-1122):

Nach der im 15. Jahrhundert entstandenen verfassungsgeschichtlichen Quaternionentheorie, nach der im Reich eine rangmäßig gestufte Folge von jeweils vier Ämtern (vier Herzöge, vier Markgrafen, vier Burggrafen, vier Semperfreie etc.) angenommen wurde, stellt Stromberg nach Nürnberg, Magdeburg und Reineck die vierte der Reichs burggrafschaften des Alten Reiches dar, für die die Fürstbischöfe von Münster – allerdings vergeblich – eine Virilstimme im Reichstag beantragten. Die für Westfalen einzigartige Sonderheit einer “Reichsburggrafschaft” würde Stromberg wenigstens zeitweise eine Reichsbedeutung zuerkennen, ..

So ist die Burggrafschaft Stromberg ein Beleg dafür, dass Westfalen im Mittelalter nicht nur von äußeren Faktoren abhängig war, sondern die Geschicke des Heiligen Römischen Reiches mitbestimmte.

Noch mal Paul Leidinger:

Aber wenigstens eine kurze Zeit im 11. und 12. Jahrhundert, und zwar im Zeitalter des Investiturstreits, gab es auch den Versuch des einheimischen Adels, der Grafen von Werl und von Werl-Arnberg, in Verbindung mit den beiden letzten verwandten salischen Königen die politischen Geschicke Westfalens stärker selbst zu bestimmen. In dieser Zeit war Westfalen nicht nur Durchzugsgebiet, sondern eine königsnahe Landschaft mit Basischarakter für die salische Herrschaft, die gerade aus dieser Eigenart ihre Prägung als politische Landschaft erhielt. Auch wenn die Zeugnisse im einzelnen dafür nur spärlich und bruchstückhaft sind, so ergeben sie doch in Ihrer Gesamtheit ein deutliches Bild von der Politik und überwiegenden Königsnähe der westfälischen Landschaft in der ausgehenden Salierzeit und auch schon früher,86 das eine gewissenhafte historische Forschung nicht übersehen kann.

Weitere Informationen:

Burganlage Stromberg, Oelde-Stromberg

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