Das (freiweltliche) Damenstift Freckenhorst

Freckenhorst ist die einzige geistliche Stiftung für adlige Frauen im östlichen Teil des Münsterlandes, die bis in das 9. Jahrhundert zurückreicht und bis zur Säkularisierung zu Anfang des 19. Jahrhunderts bestehen blieb. Es ist fast eine Schwester des kürzlich in dieser Reihe von Hans Goetting behandelten Stifts Gandersheim (Das reichsunmittelbare Kanonissenstift Gandersheim. Germania Sacra N. F. 7. Die Kirchenprovinz Mainz. Das Bistum Hildesheim 1. 1973) zu nennen. Die Anfänge ähneln sich überaus. Wenn nicht alles täuscht, sind auch gewisse familiäre Beziehungen der Stifterfamilien anzunehmen. Gandersheim wurde 852 ins Leben gerufen, Freckenhorst 856 (?). Allerdings nahmen beide Institutionen später einen verschiedenen Weg. Gandersheim stieg unter dem Schutz der sächsischen Kaiser zum bedeutenden Reichsstift auf, während Freckenhorst niemals zu einer so großen Bedeutung kam, wenn es auch ein hohes Ansehen genoß. Seine Stifterfamilie war ausgestorben und konnte nicht mehr fördernd eingreifen. …

Trotzdem haben sich zahlreiche neue Gesichtspunkte ergeben, die die frühe Geschichte Freckenhorsts in mancher Hinsicht in einem anderen Lichte als bisher erscheinen lassen. Schon die Reliquientranslation von 860 eröffnet den Blick auf westfranzische Verbindungen. Die Evangelienperikopen verstärken diesen Eindruck. Diese Bezüge liegen wahrscheinlich bereits in der Stifterfamilie begründet, zu der ebenfalls neue Ansichten vorgetragen werden. Sie sollten allerdings als Vermutungen gewertet werden, solange es nicht gelungen ist, mit Hilfe etwa der im Institut für Frühmittelalterforschung in Münster laufenden Untersuchungen genauere Aussagen über die großen Geschlechter der karolingischen Zeit in Sachsen zu machen. Ob es überhaupt einmal gelingt, in dieser Hinsicht völlige Klarheit zu schaffen, ist allerdings zweifelhaft. Was bisher über die Geschlechter dieser Epoche, in der sich die Stiftung von Freckenhorst abspielte, geschrieben worden ist, kann nur als ein tastender Versuch bezeichnet werden und fördert gerade für dieses Stift die Kenntnisse gar nicht.

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