Firma Berghoff (WDR Lokalzeit Südwestfalen)

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Paderborn kaum innovativ? Über journalistische Wissenslücken

Von Ralf Keuper

Dass es um den Ausbildungs- und Wissensstand der Journalisten nicht mehr allzu gut bestellt ist, gehört wohl zum Allgemeingut; sinkende Auflagenzahlen und ein anhaltender Vertrauensverlust sind dafür Indizien. Jedoch gibt es noch immer Beiträge, die diesbezüglich herausragen, wie Paderborner Ingenieur hat einen der saubersten Dieselbusse entwickelt – der Bund will die Technologie nicht fördern. Die Autorin beginnt ihren Beitrag mit den Worten:

Billiges Bier, mittelmäßiger Fußball und der kleinste Flughafen Nordrhein-Westfalens – eigentlich ist Paderborn nicht gerade bekannt dafür, Quelle weltverändernder Innovationen zu sein.

Hier ist einiges an Aufklärungsarbeit nötig.

Im 11. Jahrhundert verfasste Reinher von Paderborn als Lehrer an der Domschule den Computus Emendatus, ein, wenn man so will, Frühwerk der Computerwissenschaften.

Im Jahr 2002 gelang dem rumänischen Mathematiker Preda Mihaliescu während seiner Tätigkeit als Forscher an der Universität Paderborn der Beweis der Catalanschen Vermutung, womit er für weltweites Aufsehen sorgte.

Die Autorin scheint nicht zu wissen oder zu vergessen, dass Paderborn Ausgangspunkt einer Innovation in der IT war, die von der ehemaligen Nixdorf Computer AG initiiert wurde. Und zwar gelang es dem Unternehmen unter seinem Gründer, dem Computerpionier und Paradebeispiel des innovativen, Schumpeterschen Unternehmers, Heinz Nixdorf, die dezentrale Datenverarbeitung oder auch mittlere Datentechnik am Markt durchzusetzen. Ein weiterer Meilenstein war der Einstieg Nixdorfs in den Bau von Telefonanlagen.

1981 kam dann mit dem DVS 8818 ein digitales Telefonvermittlungssystem auf den Markt. Es gestattete die Vermittlung von Sprach- und Datenleitungen und erfüllte die neue ISDN-Norm (Quelle: Die Produkte der Nixdorf Computer AG)

Darüber hinaus war das Unternehmen einer der Vorreiter der Btx-Technologie. Eine weitere Innovation war das Warenwirtschaftssystem COMET.

Unter anderem mit dem COMET-Software-Paket entwickelte Nixdorf sich auch zu einem der größten Softwarehäuser Deutschlands. COMET-Komponenten mit Anpassungen an über 180 Branchen wurden mehr als 100.000 mal verkauft (Quelle: Die Produkte der Nixdorf Computer AG)

Das RailCab – Neue Bahntechnik Paderborn hatte sich zum Ziel gesetzt, den Bahnverkehr zu revolutionieren. Daneben arbeien an der Uni Paderborn im Software Innovation Campus, in der garage33 sowie im Technologiepark Jung-Unternehmer und Forscher an Ideen, Produkten und Dienstleistungen für die Zukunft.

Und da wäre noch it’s OWL, der Spitzencluster für die Industrie 4.0.

Mit innovativen Produkten rund um das Thema Smart Card machte Orga Card auf sich aufmerksam.

Im Jahr 2014 wurde Comprion mit der besten Innovation in der Kategorie  „Manufacturing and Test“ at CARTES 2014 ausgezeichnet.

Das war noch nicht alles, wie das Beispiel Peter Bronnenberg zeigt.

Ganz generell stellt sich die Frage, was billiges Bier, mittelmäßiger Fussball und der kleinste Flughafen Nordrhein-Westfalens mit Innovation zu tun haben? Das wirkt sehr konstruiert und nicht sonderlich originell, geschweige denn innovativ 😉

Übrigens: Der kleinste (Regional-)Flughafen in NRW ist nicht Paderborn/Lippstadt, sondern Siegerland.

Insofern würde man sich wünschen, dass auch eher mittelmäßig begabte Journalisten, die auf Billigpublikationen ihre Beiträge veröffentlichen, etwas mehr Zeit in die Recherche investieren.

 

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Neues aus der westfälischen Startup-Szene #10

Von Ralf Keuper

Es hat sich in den letzten Wochen erneut einiges getan in der westfälischen Startup-Szene.

Die Seite deutsche-startups.de hat mit Startup Lotse Ruhrgebiet eine Übersicht des Startup Ökosystems im Ruhrgebiet erstellt, mit Hinweisen zu Netzwerktreffen, Events, Business Angels, Acceleratoren / Inkubatoren, Förderprogrammen etc. .

Der Kölner Stadt-Anzeiger widmete sich in Eine „Garage“ für Start-ups in Ostwestfalen der Garage33 in Paderborn. Die Garage33 war auch Gegenstand eines Filmbeitrags der WDR Lokalzeit Bielefeld.

Wie dynamisch sich die Startup-Szene in Münster entwickelt, geht aus dem Beitrag Startups in Münster. Regionale Gründer-Szene nimmt Fahrt auf hervor.

Westfalens Startup-Hochburg ist jedoch Dortmund. Nicht zu unterschätzen ist übrigens Witten mit seinem Entrepreneurship Zentrum Witten.

Dr. Oetker testet in Bielefeld seinen Kuchenlieferdienst. Verantwortlich dafür ist die Digitaltochter Kuchenfreunde.

Während seiner Besuchstour durch Ostwestfalen-Lippe lobte Landeswirtschaftsminister Andreas Pinkwart die Region OWL für ihre zahlreichen Startup- und Gründungsinitiativen, wie die Founders Foundation und die bereits erwähnte garage33 (Vgl. dazu:„OWL ist beispielhaft für ganz NRW“). Das erfreut um so mehr, als dass der Minister in seinen ersten Interviews den Eindruck erweckte, als sei das Rheinland die bevorzugte Region in Sachen Digitalisierung und Startups. Ein Punkt, der auf diesem Blog in Neue Landesregierung – dieselbe Blickverengung thematisiert wurde.

Erwähnenswert ist noch der WDR-Beitrag Von Machern und Tüftlern: Start-ups in NRW. 

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Innovation Campus Lemgo – Leuchtturm für die Technologieregion Ostwestfalen-Lippe

Von Ralf Keuper

In der alten Hansestadt Lemgo soll in den nächsten Jahren ein Innovation Campus entstehen, mit einer Strahlkraft, die deutlich über die Region Ostwestfalen-Lippe hinaus reicht.

Auf der Homepage steht:

Die aufstrebende Technologieregion Ostwestfalen-Lippe (OWL) will sich sowohl national als auch international im Bereich der Spitzentechnologien profilieren. Dauerhafte Arbeitsplätze entstehen dort, wo Wissen und Technologie effizient und schnell in vermarktbare Produkte und Dienstleistungen umgesetzt werden können.

Daher vernetzt der Innovation Campus Lemgo vorhandene und neue Akteure durchgängig entlang der Innovationskette »Bildung-Forschung-Wirtschaft» und schafft so ein Ökosystem für Innovationen im Bereich der digitalen Wirtschaft.

Im vergangenen Jahr wurden die ersten Baupläne für den neuen Campus der Hochschule Lemgo vorgestellt.

Wichtig ist den Initiatoren, dass der Campus kein isolierter Teil der Stadt Lemgo wird, sondern sowohl Studierende wie auch Quartiersbewohner zusammenführen soll. Im Februar diesen Jahres wurden die Pläne konkretisiert, wie u.a. in Das Konzept für Innovation Campus steht fest berichtet wurde.

Die Ambitionen sind groß: Das Silicon Valley könnte durch den Innovation Campus Konkurrenz bekommen 😉

Damit wollen Lemgo und OWL bei der nächsten industriellen Revolution, die häufig verkürzt als Industrie 4.0 bezeichnet wird, ganz vorne mitspielen. Die Voraussetzungen dafür sind günstig, ist die Region Ostwestfalen-Lippe doch als „Klemmen-Valley“ weltweit führend in der elektrischen Verbindungstechnik. Ausdruck desssen ist auch der Spitzencluster IT’s OWL.

Dass Ostwestfalen-Lippe eine Technologieregion von internationalem Rang ist, hat man inzwischen auch in Düsseldorf zur Kenntnis genommen. Erst gestern weilte die Landesministerin für Kommunales, Bauen, Heimat und Gleichstellung, Ina Scharrenbach, in Lemgo, um sich über den Innovation Campus zu informieren. Einige Tage zuvor stattete der neue-alte Landeswirtschaftsminister, Andreas Pinkwart, der Smart Factory in Lemgo einen Besuch ab.

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August Krönig – Pionier der Thermodynamik

Von Ralf Keuper

Mit seinem Aufsatz Grundzüge einer Theorie der Gase verfasste August Krönig, der im Jahr 1822 in Schildesche, heute Stadtteil von Bielefeld, geboren wurde, eines der einflussreichsten Werke der Thermodynamik. Im Jahr 1856 entwickelte Krönig eine kinetische Theorie der Gase, weshalb er neben Rudolf Clausius, James Clark Maxwell und Ludwig Boltzmann als einer Pioniere der statistischen Mechanik und Thermodynamik gilt (Wikipedia).

In der Enzyklopädie Homopedia heisst es:

In any event, Kronig’s paper spurred German physicist Rudolf Clausius into the writing of his 1857 famous paper “On the Kind of Motion which we call Heat”, which launched the kinetic theory of gases and statistical mechanics.

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Barre – Älteste Pilsbrauerei Norddeutschlands

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Blockchain für Westfalen

Von Ralf Keuper 

Dass die Blockchain-Technologie großes Potenzial hat, war auf diesem Blog erst kürzlich in Zu Besuch beim #OWL Meetup Blockchain im Denkwerk (Herford) ein Thema. Jedoch eignet sich die Blockchain nicht für jeden Anwendungsfall (Vgl. dazu: Blockchain vs. relational database: Which is right for your application?).

Wo könnte die Blockchain in Westfalen sinnvoll eingesetzt werden?

Energie: WestfalenStrom 

Hier lohnt sich der Blick in das Rheinland. Dort ging bereits das Pilotprojekt RheinlandStrom an den Start (Vgl. dazu: Blockchain im Energiesektor – Pilotprojekt RheinlandStrom).

Zur Zielsetzung:

RheinlandStrom ist eine Plattform zur regionalen Vermarktung von Grünstrom

Mit dem Projekt soll der politische Wille nach einer Stärkung der Region Rheinland unterstützt werden.

Teilnehmer, Akteure sind:

  • Anlagenbetreiber, die einen Zusatzverdienst realisieren können.
  • Verbraucher, die ihren Stromverbrauch regionalisieren

In dem Vortrag Blockchain im Energiesektor Wegbereiter für eine echte dezentrale Energiewelt wird als weiteres Beispiel u.a. das Brooklyn Microgrid Projekt vorgestellt bzw. erwähnt.

Insofern wäre es eine Überlegung wert, für Westfalen das Pilotprojekt WestfalenStrom in Angriff zu nehmen. Die Windenergie könnte hier ein Vorreiterrolle übernehmen.

Eines sollte man allerdings beim Einsatz der Blockchain im Energiesektor beachten: Die Blockchain ist ein Energiefresser. Wir haben es hier also mit einer leicht paradoxen Situation zu tun.

Industrie 

Westfalen ist eine der am meisten industrialisierten Regionen Deutschlands. Südwestfalen gilt als drittgrößte Industrieregion Deutschland, Ostwestfalen-Lippe ist nach Stuttgart Hochburg des Maschinenbaus und auch sonst, man denke an die Elektrische Verbindungstechnik und den Spitzencluster it’s owl, führend im Bereich Industrie 4.0. Auch das Münsterland verfügt über einen hohen Anteil produzierenden Gewerbes.

In Darum sollten sich Industrieunternehmen mit Blockchain beschäftigen benennen Wolfgang Pilz und Thomas Rose vom Fraunhofer FIT möglich Einsatzszenarien der Blockchain in der Industrie.

Die Blockchain-Technologie bietet der Industrie eine Plattform, in der man Daten, Werte oder Eigenschaften von Dingen irreversibel in einem Netzwerk abspeichern kann. Registriert werden können zum Beispiel Produktionsdaten oder wichtige Messwerte, aber auch Verträge oder Abkommen, auf die man sich geeinigt hat. So schafft man innerhalb eines Produktions- oder Supply-Chain-Netzwerks eine für alle Teilnehmer vertrauenswürdige Plattform. Mit der Blockchain lässt sich somit Vertrauen schaffen zwischen Partnern, die sich noch nicht aus bestehenden Prozessen kennen.

Diese Idee aufgenommen hat, so weit ich das beurteilen kann, das Projekt Smart Objects und Smart Finance Ansätze (SOFiA), das unter der wissenschaftlichen Leitung des Fraunhofer Instituts für Materialfluss und Logistik in Dortmund und unter Beteiligung von Claas und Diebold Nixdorf betrieben wird.

Verwaltung und Kommunen

Wie aus dem Vortrag Blockchain – Ausblick auf Bedeutung und weitere Anwendungsmöglichkeiten hervorgeht, könnten die Kommunen auf Basis einer Private Blockchain die Elektronische Beglaubigung durchführen. Vorstellbar wäre auch, dass die Kommunen zu einem Treuhänder der Digitalen Identitäten der Bürger avancieren; quasi eine Westfalen-ID, analog zur e-Residency in Estland. Ohnehin bestehen ja enge historische Verbindungen zwischen dem Baltikum und Westfalen.

Smart City 

Von großer Bedeutung ist die Verwendung der Blockchain-Technologie im Zusammenhang mit der Smart City. Dabei stellt sich die Frage nach dem Eigentum an den Daten, die von öffentlichen Betrieben und den Verwaltungen erzeugt werden. Wie macht man die Daten handelbar, wie lassen sich die Daten so aufbereiten, dass sich von anderen für ihre Zweck und nach Möglichkeit zum Wohle aller verwendet werden können? Wie kann eine Kommune, wie kann ein Nutzer ihre bzw. seine Datensouveränität behaupten; inwieweit kann eine Kommune oder ein öffentlicher Dienstleister dabei unterstützend wirken? Vorstellbar wäre ein Verbraucherzentriertes Datenportal, wie es der Sachverständigenrat für Verbraucherfragen empfiehlt.

Darüber hinaus gibt es sicherlich noch weitere Einsatzszenarien.

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BUSCH-JAEGER – „Industrielle Revolution 4.0“ | WDR Lokalzeit Südwestfalen

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Neue Landesregierung – dieselbe Blickverengung

Von Ralf Keuper

Trotz gegenteiliger Beteuerung, den Landesteil Westfalen stärker zu berücksichtigen, setzt die neue Landesregierung den Kurs ihrer Vorgänger fort: Die Regierung unter der ehemaligen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft war von einer fast schon chronischen Blickverengung geplagt, wenn es um den Landesteil Westfalen ging. Das überrascht um so mehr, da Westfalen 45 Prozent der Bevölkerung und gut 66 Prozent der Fläche von NRW repräsentiert. Dass eine Landesregierung überhaupt mit der Botschaft antreten muss, einen Landesteil von dieser Bedeutung stärker berücksichtigen zu wollen, ist schon erstaunlich.

Wie dem auch sei. In einem Interview mit der Welt ließ der neue Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart erkennen, dass er unter NRW in erster Linie den Raum Aachen/Köln/Bonn/Düsseldorf und das Ruhrgebiet versteht. Obwohl er für alle Regionen große Potenziale sieht, scheint er einigen von ihnen den Vorzug zu geben:

Das Ruhrgebiet wollen wir in Schlüsselbereichen wie Internet der Dinge, neue Logistik sowie intelligente Energie- und Umweltsysteme zu einer der modernsten Industrieregionen weiterentwickeln. Das Rheinland als eine der dichtesten Wissenschafts- und Forschungslandschaften bietet herausragende Chancen für Hightech-Start-ups. Ostwestfalen-Lippe hat sich beim Thema E-Government ebenso profiliert wie als Heimat innovativer Mittelständler, der Hidden Champions.

Kein Wort von Südwestfalen, immerhin die drittgrößte Industrieregion Deutschlands, auch kein Wort vom Münsterland, die, was die Arbeitslosigkeit betrifft, mit Abstand solideste Region in NRW. Warum nur das Rheinland beste Voraussetzungen für die Ansiedlung von High-Tech-Startups bietet, erschließt sich mir nicht. Jedenfalls verfügt Westfalen mit der Ruhr-Uni Bochum, der TU Dortmund, den Universitäten Bielefeld, Münster, Paderborn und Siegen, sowie der Privat-Uni Witten/Herdecke und der – gemessen an den Studentenzahlen – größten Uni Deutschlands, der FernUni Hagen, sowie weiteren Hochschulen, wie der Hochschule Ostwestfalen-Lippe, ebenfalls über ein dichtes Netz an Hochschulen.

Als Startup-Region kommt für den Minister eigentlich nur das Rheinland in Frage. Schon 2020, so die optimistische Prognose, werde sich das Rheinland mit Berlin auf Augenhöhe befinden, so der Minister in Digitalminister Pinkwart im Interview „Rheinland bis 2020 auf Augenhöhe mit Berlin“. Geplant ist ein Rheinland-Valley. Wenn er sich da mal nicht täuscht. Startup-Ökosysteme lassen sich nicht planen; dazu gehören mehrere Ingredienzen.

Kurzum: Es sieht so aus, dass wir in Westfalen auch von der neuen Landesregierung nicht allzu viel erwarten können. Woher diese Lernresistenz herrührt, ist schwer zu sagen. Sie ist jedenfalls erstaunlich hartnäckig. Allerdings ist Westfalen nicht allzu schlecht damit gefahren, dass es von der Wirtschaftspolitik der Landesregierung nicht sonderlich bedacht wurde. Es scheint fast so, als sei das der Grund dafür, dass die Regionen Ostwestfalen, Südwestfalen und Münsterland von den meisten Kennzahlen her besser da stehen als das Rheinland 😉

Weitere Informationen / Update

Digitalisierungs-Hubs in NRW: Kaum mehr als Symbolpolitik

Einige Anmerkungen zum Metropolen-Ansatz der NRW-Landesregierung

„OWL ist beispielhaft für ganz NRW“

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Zu Besuch beim #OWL Meetup Blockchain im Denkwerk (Herford)

Von Ralf Keuper

Am vergangenen Dienstag fand im Denkwerk Herford das dritte OWL Meetup statt. Diesmal ging es um das Thema Blockhain.

Die Blockchain sorgt seit ca. zwei Jahren für Furore. An ihren Einsatz sind große Erwartungen geknüpft. Ihre Einsatzmöglichkeiten erscheinen fast unbegrenzt – vom Banking über die Industrie und Handel bis zur Verwaltung – kein Bereich bleibt davon unberührt. Selbst der Staat kann dadurch, wenn es nach den Vorstellungen einiger Vertreter der Blockchain-Szene geht, ersetzt werden. Die bekannteste Anwendung der Blockchain-Technologie ist die digitale Währung oder Krpytowährung Bitcoin.

Herford und insbesondere das Denkwerk eignen sich insofern in besonderer Weise als Veranstaltungsort, da hier die Bitcoin Deutschland AG und die Bitcoin Group SE ihren Sitz haben. Deren Gründer, Oliver Flaskämper, war einer der Referenten an diesem Abend.

Weiterer Referent war Dieter Rehfeld, Vorsitzender der Geschäftsführung der regioIT mit Hauptsitz in Aachen und weiteren Unternehmenssitz in Gütersloh.

In seinem Vortrag, der inhaltlich im wesentlichen mit dem Vortrag Blockchain – Ausblick auf Bedeutung und weitere Anwendungsmöglichkeiten übereinstimmt, gab Dieter Rehfeld zunächst einen allgemeinen Einstieg in das Thema Blockchain. Darin hob er hervor, dass es sich bei der Blockchain seiner Ansicht nach um eine revolutionäre Technologie handelt, die bereits bestehende Verfahren, wie Kryptografie und das Verteilte Rechnen, in einzigartiger Weise kombiniere. Mit der Blockhain ist es prinzipiell möglich, sog. Intermediäre wie Banken, Börse, (Gross-) Händler oder Energieversorger überflüssig zu machen, d.h. die Blockchain ist dezentral organisiert; es gibt keine zentrale Instanz, die in der Lage wäre, einen dominierenden Einfluss auf die Teilnehmer und Verfahren auszuüben. Ebenso wenig besteht Bedarf an einem Vermittler, der das Vertrauen zwischen den Beteiligten herstellt. Dies übernimmt die Blockchain. Im Idealfall entsteht daraus ein neues Internet, ein Internet of Value oder auch Internet of Trust. Anders jedoch als viele Vertreter einer mehr oder weniger harten Linie, ist Rehberg der Ansicht, dass die Blockchain-Technologie kein Allheilmittel ist. Es handelt sich dabei um eine Infrastruktur, die sich für bestimmte Anwendungsfälle sinnvoll nutzen lässt, wie beispielsweise im Bereich der elektronischen Beglaubigung (Folie 8). Weiteres Beispiel ist die Energieversorgung (Vgl. dazu: Blockchain im Energiesektor – Pilotprojekt RheinlandStrom). Von großer Bedeutung ist die Verwendung der Blockchain-Technologie im Zusammenhang mit der Smart City. Dabei stellt sich die Frage nach dem Eigentum an den Daten, die von öffentlichen Betrieben und den Verwaltungen erzeugt werden. Wie macht man die Daten handelbar, wie lassen sich die Daten so aufbereiten, dass sich von anderen für ihre Zweck und nach Möglichkeit zum Wohle aller verwendet werden können? Wie kann eine Kommune, wie kann ein Nutzer ihre bzw. seine Datensouveränität behaupten; inwieweit kann eine Kommune oder ein öffentlicher Dienstleister dabei unterstützend wirken? Vorstellbar wäre ein Verbraucherzentriertes Datenportal, wie es der Sachverständigenrat für Verbraucherfragen empfiehlt.

Bei der regioIT bevorzugt man im Gegensatz zu einer öffentlichen die Private Blockchain (Folien 7 und 8).

Der Blockchain bescheinigt Rehfeld großes Zukunftspotenzial, wenn sie mit Augenmaß eingesetzt wird.

Wer sich in das Thema Blockchain einlesen will, dem empfiehlt Dieter Rehberg die Bücher The Science of Blockchain und Blockchain für Dummies.

Oliver Flaskämper stellte die Kryptowährung Bitcoin vor, die immer noch, u.a. wegen ihrer Kurschwankungen, umstritten ist. Flaskämper kann man mit guten Grund als den Bitcoin-Pionier in Deutschland bezeichnen. Als einer der Ersten erkannte er das Potenzial dieser digitalen Währung. Mit seiner Bitcoin Deutschland AG betreibt er den in Deutschland führenden Marktplatz  für den Handel im dieser Währung. Die Abwicklung übernimmt im Hintergrund die Fidor Bank aus München.

Bei Bitcoin handelt es sich laut Flaskämper um ein freies Marktgeld, wie es der Nationalökonom Friedrich August von Hayek konzipierte. Im Idealzustand würde das bedeuten, dass alle Marktteilnehmer frei entscheiden können, in welcher Währung sie wirtschaften wollen. Bitcoin ist die erste Währung, die das ermöglicht.

Wichtige Bestandteile von Bitcoin sind die Public und der Private Key.  Wer den Private Key hat, bekommt den Zugriff auf die Bitcoins, ähnlich einem Schweizer Nummernkonto. Daher sollte man gut auf seinen Private Key achten. Als Anlageform sei Bitcoin, so Flaskämper, nichts für schwache Nerven, wenngleich sich der Kurs über die Jahre insgesamt nach oben entwickelt habe.

Bitcoin ist, anders als das Bargeld, kein anonymes Zahlungsmittel. Es ist pseudo-anonym, .d.h. die Identität des jeweiligen Marktteilnehmer lässt sich – mit einigem Aufwand zwar – feststellen.

Da die Entwicklung auf dem Gebiet der digitalen Währungen rasant verläuft, ist es nicht auszuschließen, dass Bitcoin eines Tages durch eine andere (digitale) Währung ersetzt wird.

Schlussbetrachtung:

Die Blockchain ist eine der interessantesten technologischen Entwicklungen der letzten Jahre. Ihr Potenzial sollte nich unterschätzt, aber auch nicht überschätzt werden. Gleiches gilt für Bitcoin.

Die Blockchain stösst in der Praxis an mehrere fundamentale Grenzen: Zum einen wäre da der enorme Energieverbrauch (Vgl. dazu: Bitcoin Energy Consumption Index und Energiefresser Blockchain). Sollten sich die Blockchain und digitale Währungen durchsetzen, hätte das gravierende Auswirkungen auf die CO2 – Emissionen. Auch bessere Rechenleistungen oder die Verwendung regenerativer Energien werden daran – genannt sei der Rebound – Effekt – wenig bis gar nichts ändern.

Eine weitere Begrenzung kommt dadurch, dass es mit den sog. Mining-Pools schon heute Konzentrationsformen in der Blockchain gibt, die der eigentlichen Philosophie widersprechen (Vgl. dazu: Bitcoin: Die stille Macht der Minengesellschaften). Schon heute sollen chinesische Mining-Pools nahe an die 51 Prozent der Rechenleistung für die Bitcoin-Blockchain heran kommen. Einige gehen sogar davon aus, dass dies bereits der Fall ist. Sollte dem so sein, dann besteht hier ein weiteres Problem, da es durchaus vorstellbar ist, dass die chinesische Regierung die Miner unter ihre Fittiche nimmt und somit großen Einfluss auf die Blockchain und Bitcoin bekommt. Der Hinweis darauf, dass kein Akteur ein Interesse daran haben könnte, Bitcoin zu manipulieren, da damit die eigenen Investitionen, die mehrere Milliarden Euro betragen, vernichtet würden, ist nicht überzeugend, da ein großer Staat den Verlust einiger, auch zig Milliarden verschmerzen kann, wenn er damit seine übergeordneten geopolitischen Interessen stärken kann. Ebenso wenig überzeugend ist der Einwand, dass in einem solchen Fall, ein andere Kryptowährung an die Stelle von Bitcoin tritt. Ist das Vertrauen in eine, noch dazu in die mit Abstand führende Währung erst einmal erschüttert, sind alle andere Kryptowährungen mit verbrannt; von der Panik in der Bevölkerung ganz zu schweigen. Dagegen ist jeder Börsencrash, jede Finanzkrise nur ein laues Lüftchen – es wäre eine Kernschmelze.

Weiterer Schwachpunkt ist die Tatsache, dass die Blockchain, dadurch, dass sie nicht anonym ist, große Überwachungsmöglichkeiten für staatliche und andere Stellen bietet, wie selbst einer der größten Bitcoin-Enthusiasten, Marc Andreessen, zu bedenken gibt.

Wenn jemand glaubt, dass Bitcoin Transaktionen einfacher macht, die nicht von der Regierung überwacht werden können, liegt er hundertprozentig daneben. Alle Transaktionen finden in der Öffentlichkeit statt. Jeder kann sich das gesamte Hauptbuch ansehen und verifizieren, wem das gehört. Wenn Sie also eine Polizeibehörde sind oder ein Nachrichtendienst, können Sie auf diesem Weg viel einfacher den Geldfluss nachvollziehen als beim Bargeld. Insofern erwarte ich, dass die Polizei und die Nachrichtendienste letztlich für Bitcoin sein werden und die Libertären letztlich gegen Bitcoin. (in: Wirtschaftswelt der Zukunft).

Das sollte man im Hinterkopf behalten.

Wie bereits erwähnt, hat die Blockchain großes Potenzial. Damit sie aber ihre Wirkung bestmöglich entfalten kann, muss sie erst noch entmystifiziert und von ihrem ideologischen Ballast befreit werden. Die Blockchain braucht ein kontrolliertes Umfeld, wie eine Private Blockchain. Sie ist kein Zweck in sich, d.h. man kann sie nicht sich selbst oder Algorithmen überlassen.

Besten Dank an die Veranstalter und Referenten, dass sie dieses überaus wichtige Thema nach Ostwestfalen gebracht haben!

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