Absetzbare Wirtschafter: Die Schulten im alten Westfalen

Schulte gehört neben Meier, Richter, Müller, Schmidt, Fischer, Weber, Schneider, Schröder zu den häufigsten Familiennamen in Westfalen. Sie alle kennzeichnen entweder den Beruf oder die Funktion der Person, die als jeweils erste einer Familie den Namen führte bzw. von den Nachbarn so benannt wurde. Funktionsnamen sind die ersten drei, Schulte, Meier und Richter. Von ihnen bezeichnet Richter – wie die Berufsnamen – eine Tätigkeit. Im Unterschied zu den Trägern der Berufsnamen zielt seine Tätigkeit jedoch nicht auf die Herstellung von materiellen, physisch greifbaren Gegenständen. Er produziert Urteile’, Sentenzen, sprachliche Sätze, solche Sätze allerdings, deren Inhalt tief greifende Auswirkungen auf Entstehungsweise, Gestalt und Funktion von materiellen Gegenständen und von vielem anderen haben können. Nicht so der Meier. Das Wort Meier bezeichnet keine Tätigkeit: Er “meiert” nicht, er ist Meier, hat den Charakter, die Funktion eines Meiers.

Wohin gehört in diesem Zusammenhang der Schulte? Er ist dem Meier eng verwandt. Beide, Schulte und Meier, können, wenn sie Familiennamen sind, mit Zusätzen versehen sein, meist Namen von Siedlungen unterschiedlichen Ranges, darunter solche, die sich im Laufe der Geschichte als Kirchdörfer, ja, als Städte darstellen. Das weist auf eine besondere Bedeutung der Schulten- oder Meierhöfe hin und zwingt zu der Frage, ob die Höfe den Namen nach dem Dorf oder aber das Dorf den Namen des Hofes trägt. Wir finden z. B. den Namen Schulze- Rhynern, verkürzt und verhochdeutscht aus Schulte to Rineren in einem Kirchdorf bei Hamm, oder den Namen Meier zu Sieker in einem Kirchdorf bei Bielefeld, aber auch Meier zu Siederdissen ohne Kirche. ….

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Hermann Wätjen (1876- 1944) – ein Reederssohn als Handels- und Überseehistoriker in der Weltkriegsepoche

Der Historiker Hermann Wätjen zählt nicht zu den Großen seines Faches. Gleichwohl nimmt er sowohl in der deutschen Geschichtswissenschaft während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als auch in der Geschichte der historischen Disziplin an der damals stark expandierenden Universität Münster eine seltene Sonderstellung ein. Wätjen – Sprössling einer Reedersfamilie aus Bremen pflegte auch während seiner beiden Jahrzehnte in Münster den Lebensstil des hanseatischen Großbürgers. Seine Arbeiten zur weltweiten Seehandelsgeschichte der Niederländer im 17. und der Hansestädte Bremen und Hamburg im 19. Jahrhundert zwischen napoleonischer Kontinentalsperre und Bismarckscher Reichsgründung erschlossen Neuland wirtschaftsgeschichtlicher Archivforschung. Seine heute immer noch gut lesbaren Veröffentlichungen spiegeln seine Darstellungsgabe, während sich Fragestellungen und Methoden wirtschaftsgeschichtlicher Forschung zwischenzeitlich erheblich gewandelt haben. …

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Melitta Bentz – Erfinderin des Kaffeefilters

Weitere Informationen:

„Hattinger Schätze: Private Sammler stellen aus“ im Museum im Bügeleisenhaus (MiBEH) vor. Heute: Kaffeefilter aus der Sammlung Hagel.

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Die Geschichte der Accumulatoren Fabrik Aktiengesellschaft Berlin-Hagen (AFA) – später VARTA

Von Ralf Keuper

Im Jahr 1888 nahm in Hagen die erste industrielle Akkumulatorenfertigung in Deutschland ihre Arbeit auf. Bereits ein Jahr zuvor hatte Adolph Müller zu diesem Zweck die Firma Büsche & Müller gegründet.

Bestärkt durch den Fabrikanten Wilhelm Post und unterstützt durch Geldgeber im engsten Freundeskreis, gründete Müller im Dezember 1887 in Hagen die Firma Büsche & Müller. Dazu erwarb er von dem Hagener Textilfabrikanten Hermann Harkort ein altes Hammerwerk in Hagen-Wehringhausen und ließ es umrüsten. Im Januar 1888 begann er dort als erster in Deutschland mit der industriellen Fertigung von Bleiakkumulatoren, mit neun Monteuren, 40 Arbeitern und Angestellten (Quelle: Wikipedia).

Bereits zwei Jahre später, nachdem das Unternehmen in Accumulatoren-Fabrik Tudorschen Systems Müller & Einbeck umbenannt wurdebegann mit der Firmierung als Accumulatoren Fabrik Aktiengesellschaft Berlin-Hagen (AFA) eine neue Phase.

1890 wurde Müller & Einbeck durch maßgebliche Beteiligung der beiden Berliner Elektrokonzerne Siemens & Halske und AEG (Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft) sowie vor allem der Deutschen Bank in die Accumulatoren Fabrik Aktiengesellschaft Berlin-Hagen (AFA) umgewandelt, die im 20. Jahrhundert in der BRD unter dem Namen VARTA und in der DDR unter dem Namen BAE bekannt wurde (Quelle: ebd.).

Über die Entstehung der Marke VARTA:

Die AFA kreiert die Marke VARTA®, ursprünglich um ihre kleinen tragbaren Akkumulatoren zu vermarkten, die bei Verbrennungsmotoren zum Einsatz kommen und die das Ankurbeln der Motoren überflüssig machen. Der Name VARTA®setzt sich aus den Anfangsbuchstaben von Vertrieb, Aufladung, Reparatur Transportabler Akkumulatoren zusammen (Quelle: Geschichte der Marke VARTA® (1887-1909)).

Nicht weit von Hagen entfernt, in Köln, produzierte zur gleichen Zeit die Firma Gottfried Hagen AG ebenfalls Akkumulatoren im größeren Stil, worüber Norbert Bangert in Elektromobilitäts-Geschichte(n) – Ausgabe Januar 2019 – Spannendes aus der Familiengeschichte um 1900: Mein Ur-Großvater als Wegbereiter der Elektromobilität berichtet.

Weitere Informationen:

Die Hagener Akkumulatoren-Fabrik (AFA) – nach Kriegszerstörungen im Zweiten Weltkrieg

Varta formiert sich neu und gründet Holding

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Einstieg in die Unterwelt – Mittelalterlicher Bergbau bei Brilon

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Konzentrationsprozess auf dem westfälischen Zeitungsmarkt setzt sich fort

Von Ralf Keuper

Die Meinungsvielfalt auf dem westfälischen Zeitungsmarkt war schon mal größer. In den letzten Jahren sind zahlreiche, einstmals renommierte Zeitungen entweder komplett verschwunden oder mit anderen zusammengelegt worden. Besonders eindrücklich wird das am Schicksal der Münsterschen Zeitung sichtbar (Vgl. dazu: Münstersche Zeitung: Das traurige Ende). Immer häufiger werden Lokalredaktionen zu sog. Redaktions-Pools oder Redaktions-Netzwerken zusammengelegt. Die Regionalzeitung mit eigenem Mantel ist ein Auslaufmodell (Vgl. dazu: Die Regionalzeitung mit eigenem Mantel – ein Auslaufmodell). Hart traf es die Westfälische Rundschau.

Am 15. Januar 2013 gab die Geschäftsführung der WAZ Mediengruppe bekannt, die Zentralredaktion und die Lokalredaktionen der WR zu schließen, die 120 Redaktionsmitarbeiter zu entlassen und einen Sozialplan aufzustellen. Der Titel der Zeitung solle erhalten bleiben, teilte die Mehrheitsgesellschafterin mit. Der Mantelteil der WR wird seit dem 2. Februar 2013 komplett im „Content Desk“ der WAZ-Mediengruppe erstellt (Quelle: Wikipedia).

Ein weiterer Schritt wird nun mit der Zusammenlegung der Westfälischen Nachrichten (Münster) und des Westfalen Blatts (Bielefeld) vollzogen, worüber in Westfälische Verleger schließen sich zusammen berichtet wird. Es wird eine punktuelle Zusammenarbeit der Redaktionen angestrebt. Die neue Holding sei für weitere Partner offen.

Damit geraten die noch verbliebenen Regionalzeitungen wie Die Glocke (Holterdorf) oder das Mindener Tageblatt (J.C.C. Bruns) noch mehr unter Druck.

Neben Aschendorff wird der westfälische Zeitungsmarkt von der Funke-Gruppe und der Ippen-Gruppe dominiert. In Ostwestfalen-Lippe ist die Neue Westfälische die auflagenstärkste Regionalzeitung. Die Neue Westfälischen gehört zu 100 Prozent der SPD-Medienholding (DDVG).

Was die politische Ausrichtung betrifft, werden bis auf die Neue Westfälische alle anderen eher dem konservativen Lager zugerechnet, sofern diese Einteilung in dieser Form noch möglich und sinnvoll ist.

Auf Bundesebene wird die Konzentration von den großen Medienhäusern, wie die Funke-Gruppe oder die Südwestdeutsche Medienholding vorangetrieben (Vgl. dazu: Medienkonzentration.Wenn kleine Verlage nach und nach geschluckt werden). Letztere, zu der u.a. die Süddeutsche Zeitung gehört, ist jedoch alles andere als hoch profitabel (Vgl. dazu: Südwestdeutsche Medienholding – ein Dauersanierungsfall?).

Ob die Meinungsvielfalt durch die Konzentrationsprozesse tatsächlich beeinträchtigt wird, darf mit Blick auf die kontinuierlich sinkenden Auflagenzahlen und das veränderte Mediennutzungsverhalten der Leser zumindest bezweifelt werden. Heutzutage stehen den Lesern im Internet zahlreiche, hin und wieder auch qualitativ hochwertige, Alternativen zur Verfügung. Überdies sollte der Einfluss der neuen Medienkonzerne, wie Facebook oder Google, auf die Meinungsbildung nicht unterschätzt werden. Im Vergleich dazu sind die Funke-Gruppe, Springer, und selbst Bertelsmann, Fliegengewichte.

Weitere Informationen:

Westfälische Drucker, Verleger und Verlage

Zeitungsfusion: Wie billig wird jetzt Bielefeld?

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Die Buddenbrooks aus dem Sauerland

Wer das großbürgerliche Haus besucht, meint jederzeit das Lachen der Familie Bergenthal zu hören. So lebendig sind die Wohn-, Ess- und Arbeitszimmer mit originalen Gegenständen des täglichen Lebens aus der Jahrhundertwende eingerichtet. Man fühlt sich mitten in das Leben der “sauerländischen Buddenbrooks” versetzt … (Quelle: Zeitreise zu den sauerländischen Buddenbrooks)

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Miele lässt nach

Von Ralf Keuper

Bei Umfragen, was die Vertrauenswürdigkeit und Beliebtheit von Marken betrifft, belegt Miele regelmäßig die vorderen Plätze – meistens sogar Platz 1.

Trotzdem deuten einige Anzeichen darauf hin, dass Miele nachlässt. Auf verschiedenen Seiten im Internet wird schon seit Jahren die Frage diskutiert, ob Miele und seine Produkte tatsächlich noch so gut sind, wie angenommen.

Hierbei halten sich nach meinem Eindruck die Positionen die Waage.

Auf der Seite Trustpilot ist die Lage dagegen deutlich anders. Hier überwiegen die negativen Beurteilungen bei weitem. Darin wird vor allem das Preis-Leistungsverhältnis kritisiert. Immer häufiger stellen sich die Kunden die Frage, ob der Preis  für die Miele-Geräte überhaupt noch gerechtfertigt ist, und ob die deutlich günstigeren Produkte der Mitbewerber inzwischen nicht ein ähnliches Qualitätsniveau erreicht haben. Miele selber nimmt auf der Seite regelmäßig Stellung zu den meisten negativen Bewertungen. Mittlerweile kommt Miele aufgrund der Zahl der Fälle mit der Beantwortung kaum noch nach.

Ein ähnlich schlechtes Bild liefert die Bewertung von Miele auf dem Arbeitgeber-Bewertungsportal kununu. Vor allem die Mitarbeiter des Kundendienstes scheinen unzufrieden mit der derzeitigen Arbeitssituation zu sein.

Sicherlich – das ist kein vollständiges, repräsentatives Bild. Mit Blick auf die Erfahrungen aus meinem Bekannten- und Freundeskreis, wo die Resonanz ähnlich ist, scheinen das nicht mehr nur Einzelmeinungen zu sein. Für eine Marke wie Miele eine Situation, die zu Sorge Anlass geben sollte. Es gibt für Marken, auch für Miele, keine Erfolgs- und Bestandsgarantie.

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Vom Dorfbier zur Weltmarke – die Cramers aus Warstein

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Westfälische Internetknoten

Von Ralf Keuper

Das Internet hat die alten Handelsrouten in vielen Bereichen ersetzt. Eine Schlüsselstellung nehmen dabei die Internetknoten ein.

Internet-Knoten sind die Netzknoten oder Netzwerkelemente des Internets, sie dienen als Austauschpunkte für den Datenverkehr des Internets. An einem Internet-Knoten sind mehrere Internetdienstanbieter (oft mehrere hundert) so zusammengeschlossen, dass sie (zumeist kostenneutral) Datenverkehr zwischen ihren jeweiligen Netzen austauschen können. So können zum Beispiel Kunden eines Kabelnetzbetreibers besonders schnell Inhalte eines Inhalteverteilers abrufen (Wikipedia).

Der weltweit größte, DE CIX, befindet sich übrigens in Frankfurt.

In Westfalen sind zwei Internetknoten angesiedelt:

Die ersten Domains in Deutschland wurden neben Karlsruhe in Dortmund und Paderborn eingetragen (Vgl. dazu: Dortmund, Paderborn, Karlsruhe – das waren die ersten deutschen Domains, die am 5. November 1986 nach der großen Namensreform im “Internet” adressiert werden konnten. Happy Birthday, deutsches Internet.)

Weitere Informationen:

Zum Thema. NDIX

Deutsch-niederländische Breitbandplattform NDIX expandiert über Frankfurt

Wo das deutsche Internet wohnt

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