Schiedsgerichtsbarkeit und die gütliche Beilegung von Konflikten in Westfalen: das Beispiel der Abtei Liesborn

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Erste Startup-Konferenz »Hinterland of Things« in Bielefeld

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“1968 in Westfalen” von Thomas Großbölling

Von Ralf Keuper

Die 68er – Bewegung hat auch in Westfalen Spuren hinterlassen. Sicher – das ist ist nicht wirklich überraschend. Jedoch hat sich in der Öffentlichkeit über einen langen Zeitraum der Eindruck verfestigt, die Aktionen der 68er hätten sich überwiegend in den Metropolen abgespielt; die sog. Provinz wäre im Vergleich dazu nur eine Art Nebenkriegsschauplatz gewesen. Zwar haben die 68er in Westfalen mit keinen spektakulären Aktionen auf sich aufmerksam gemacht, die überregional oder gar international ein Echo ausgelöst haben; trotzdem nahm die Region, u.a. durch Vermittlung der Universitätsstädte Münster, Bochum und Bielefeld die Impulse nicht nur auf, wie Thomas Großbölling in seinem Buch 1968 in Westfalen anmerkt:

Über Westfalen hinaus wurden nur wenige Gegebenheiten bekannt oder aufgegriffen. So war zum Beispiel das Format und der Name des in Bünde 1970 gestarteten und in Vlotho erneut verwendeten “Umsonst & Draußen”-Musikfestivals ein Vorbild für viele Veranstaltungen in anderen Orten, ohne dass es aber deswegen die Musikveranstaltung in Westfalen selbst in irgendeiner Art und Weise mit einer Gründungslegende ausgestattet worden wäre. Der aus Gronau stammende Udo Lindenberg hat zwar im Jahr 1968 bereits musiziert, aber erst seit den 1980er Jahren als Deutschrocker tatsächlich Akzente gesetzt.

Weiterhin:

Prägend aber war nicht der große politische Knall oder die Sensation. Stattdessen machen die vielen kleinen Konflikte und daraus resultierenden Regelverschiebungen die Bedeutung von “1968” aus: Die Institutsbesetzung im November 1968 im damaligen Bochum-Querenburg, das Go-In in die Christmette des Jahre 1968 in Gütersloh oder die “Schlacht um das Fürstenberghaus” im Juni 1969 in Münster – keines dieser oder der vergleichbaren Ereignisse in Westfalen erreichte bundesweit Aufmerksamkeit. Jedes aber konnte für sich verbuchen, dass es im unmittelbaren Umfeld für wichtige Veränderungen der bisherigen Gegebenheiten stand.

In Westfalen brachen sich die Änderungen, welche von 1968 ausgingen, eher gemächlich, dafür aber nicht minder wirkungsvoll Bahn:

Auch wenn es in Westfalen wie in vielen anderen Teilen der Bundesrepublik nie zu einer radikalen und vereinten Protestbewegung “1968” kam, bewirkten die vielen unterschiedlichen Einzelgruppen und -aktivitäten doch einen solchen tiefgreifenden anhaltenden Wandel. Dass dieser in der Auseinandersetzung mit dem “langen 1968” erreichte Zugewinn an Demokratiefähigkeit und Liberalität keine Selbstverständlichkeit ist, zeigt sich gerade in den vergangenen Jahren angesichts eines erstarkenden Rechtspopulismus und anderer Ausgrenzungsbewegungen nur allzu oft.

Würdigung:

Das Buch zeigt, dass die 1968er-Bewegung ohne Berücksichtigung ihrer Auswirkungen in der “Provinz” nicht verstanden werden kann, zumal Deutschland – damals wie heute – überwiegend ländlich geprägt ist. 1968 war eben nicht nur Berlin, Hamburg oder Frankfurt. Nach Ansicht von Hans-Jürgen Krysmanski spielte Münster 1968 sogar in der Oberliga:

 “Münster hat intellektuell in der Oberliga der Studentenbewegung gespielt!” Mehr noch: Neben Berlin und Frankfurt habe die westfälische Stadt als eines der Zentren der 68er-Bewegung gegolten. Dass er Münster einmal so loben würde, hätte sich der junge Krysmanski nicht träumen lassen, als er 1960 aus dem weltoffenen Hamburg ins vermeintlich verschlafene Domstädtchen kam. Der Kontrast war offensichtlich: Statt Kiez stand Kirche hoch im Kurs, statt Beatles zu hören, betete man. “Es war schrecklich! Es war wirklich provinziell!” lästert Krysmanski noch heute (Woodstock in Westfalen. Vor 40 Jahren gingen die Studenten auch in Münster auf die Straße).

Übrigens: Ungefähr zehn Jahre vor 1968 studierte Ulrike Meinhof in Münster. Dort machte sie zum ersten Mal öffentlich auf sich aufmerksam:

Am 20. Mai 1958 sprach Meinhof bei einer Kundgebung von Atomwaffengegnern in Münster erstmals öffentlich. Ab Juni bereitete sie einen Anti-Atom-Kongress in Westberlin mit vor, gründete dazu die Studentenzeitschrift Das Argument und berichtete darin mit Jürgen Seifert laufend über die westdeutschen Anti-Atom-Ausschüsse. Deren Zusammenarbeit mit konkret organisierte ihr Freund Reinhard Opitz. Er war Mitglied der seit 1956 verbotenen KPD. Im Juli trat Meinhof in den SDS Münster ein. Im Hauptausschuss der Anti-Atom-Initiativen setzte sie durch, dass mit konkret kooperierende Initiativen geduldet wurden (Wikipedia).

Kurzum: Ein wichtiges Buch, das ein bislang wenig beachtetes Kapitel der jüngeren westfälischen Geschichte ans Licht holt.

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Münster Above – Der Film

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Westfälische Sparkassen: Trübe Aussichten

Von Ralf Keuper

In den letzten Jahren hat sich das Marktumfeld für die Banken und Sparkassen deutlich gewandelt. Ein Grund dafür ist die fortschreitende Digitalisierung, die dazu führt, dass die Kunden ihre Bankgeschäfte orts- und zeitunabhängig abwickeln können. Das Smartphone ersetzt die Filiale. Die Kunden suchen im Schnitt einmal pro Jahr eine Bankfiliale auf. Folge davon ist wiederum ein Filialsterben; besonders bei den Sparkassen. Bis zum Jahr 2021 soll die Hälfte Sparkassen-Filialen in Westfalen-Lippe verschwinden.

Die Sparkassen sehen sich mit einer für sie neuen Situation konfrontiert; sie müssen sich mit Konkurrenten auseinandersetzen, die einen anderen Aktionsradius besitzen und über enorme finanzielle sowie technologische Ressourcen verfügen. Gemeint sind die großen Internetkonzerne wie Google, facebook, Apple und Amazon. Wenn die Sparkassen ihre Kunden im Netz noch erreichen wollen, kommen sie an der Hardware, Software und den sozialen Netzwerken der Internetkonzerne nicht vorbei. Sie sind von ihnen abhängig geworden. Daneben bieten Google, Apple und Amazon bereits seit einiger Zeit selber Bankdienstleistungen an, wie im Kreditgeschäft und Zahlungsverkehr.

Lange Zeit konnten sich die Sparkassen auf ihre guten Kontakte zur Politik, sei es auf Bundes-, Landes- oder kommunaler Ebene verlassen. Jedoch stösst die klassische Lobbyarbeit immer häufiger an Grenzen. In Zeiten der Digitalisierung ist der Einfluss der Regierungen überschaubar. Apple & Co. lassen sich damit gewiss nicht aufhalten.

Die Sparkassen reagieren auf die neuen Herausforderungen eher trotzig und beweisen dabei häufig eine bemerkenswerte Lernresistenz. Auf Kritik reagieren die Sparkassen für gewöhnlich dünnhäutig. Ein gewisses höfisches Gepräge ist nicht von der Hand zu weisen. Nicht selten wirken die Sparkassen wie aus der Zeit gefallen – nicht nur in Westfalen – Lippe. Um die eigene Ertragssituation zu verbessern, fällt ihnen häufig nichts besseres ein, als die Gebühren zu erhöhen und gleichzeitig die Filialdichte zu verringern. Auch sonst haben die Kunden nicht den Eindruck, dass steigenden Gebühren ein verbesserter Service gegenüber steht. Proteste bleiben daher nicht aus, wie bei der Sparkasse Bielefeld, als diese ankündigte, ihre Kontoführungsgebühren zu erhöhen (Vgl. dazu: Sparkasse Bielefeld erhöht den Monatspreis – Neue Initiative kündigt Widerstand an). 

So unabkömmlich, wie sie zuweilen noch glauben, sind die Sparkassen nicht mehr. Das ist gewiss für viele Sparkassen-Vertreter ein ungewohnter Gedanke, für die Kunden dagegen weniger.

Bei der diesjährigen Jahrespressekonferenz kündigte der Westfälisch-Lippische Sparkassenverband an, das Filialnetz in den nächsten Jahren weiter auszudünnen. Die wirtschaftliche Situation der Sparkassen wurde darin als gut bezeichnet.

Zu den Sparkassen, die mit einem rückläufigen Ergebnis zu kämpfen haben, zählt die Sparkasse Paderborn Detmold (Vgl. dazu: Sparkasse Paderborn-Detmold senkt Personal- und Sachkosten). Zu dem Kosteneinsparungsprogramm der Sparkasse: 

Das geschah vor allem über geringere Personalkosten. Einerseits, weil Mitarbeiter das Angebot nutzten, für fünf Tage unbezahlten Urlaub einen Tag bezahlten Urlaub extra zu bekommen. Zum anderen durch eine Reduzierung der Belegschaft. Das ging aber vor allem auf die geringere Zahl an Auszubildenden zurück, die von 146 auf 92 sank. Fast allen 67 Azubis, die ihre Ausbildung 2017 beendeten, sei aber ein Vertrag angeboten worden. Die Zahl der Mitarbeiter ohne Azubis nahm so nur um 10 auf 1184 ab.

Damit befindet sich die Sparkasse Paderborn Detmold im allgemeinen Trend. Seit 2002 hat die Zahl der Beschäftigen im deutschen Bankgewerbe um 20 Prozent abgenommen (Vgl. dazu: Brauchen Banken mehr Personal?). Die Sparkasse Paderborn Detmold gehört übrigens zu den Initiatoren der Yomo-App der Sparkassen.

Noch schlechter sieht es bei den Ausbildungsplätzen aus, wie u.a. in Die Banking-App braucht keine Lehre zu erfahren ist. Das Bundesinstitut für Berufsausbildung stellt für den Zeitraum 1997 – 2015 einen Rückgang der Ausbildungsverträge in Deutschland von ca. 18.000 auf ca. 11.000 fest.  Die Zahl der Auszubildenden verringerte sich im selben Zeitraum von ca. 48.000 auf 32.000. Die Zeitschrift Unicum setzt den Beruf des Bankkaufmanns an die Spitze der 5 Jobs ohne Zukunft.

Der Sparkassenverband Westfalen-Lippe unter seinem langjährigen Präsidenten Rolf Gerlach agierte nicht selten unglücklich, wie bei dem angedrohten Ausstieg aus dem gemeinsamen Haftungsverbund und dem Verkauf der Provinzial-Versicherung an die Allianz (Vgl. dazu: Provinzial-Betriebsrat mobilisiert Mitarbeiter „Wir lassen uns nicht zerschlagen“).  Als Gerlach seinen Rücktritt ankündigte, wurde das von einigen aus dem Sparkassenverbund mit Erleichterung aufgenommen (Vgl. dazu: Dr. Rolf Gerlach geht: Digitalisierung & Zukunfts­fragen gehören in die Hand einer neuen Generation).

Wenig Fingerspitzengefühl zeigten der Vorstand und Verwaltungsrat der Sparkasse Gütersloh. Dort war man auch nach 15 verlorenen Prozessen gegen einen bestellten und vor Amtsantritt fristlos entlassenen Vorstand nicht bereit, einzulenken (Vgl. dazu: Sparkasse Gütersloh setzt ihre Sammlung verlorener Prozesse unbeirrt fort). Mittlerweile scheiterte die Sparkasse erneut – diesmal vor dem Oberlandesgericht Hamm, worüber in Sparkasse scheitert wieder vor Gericht berichtet wird.

Darin heisst es zum Schluss:

Der Sparkasse wurden nach einem Streitwert von 756 700 Euro auch die Kosten des bisher in zwei Instanzen geführten Rechtsstreits auferlegt. Eine Revision ließ das Gericht nicht zu.

Neben dem finanziellen Schaden wird sich die Sparkasse auch mit einem Reputationsverlust auseinanderzusetzen haben. Wieso der Westfälisch-Lippische-Sparkassenverband und der Deutsche Sparkassenverband hier nicht auf die Sparkasse Gütersloh eingewirkt haben, ist nur schwer verständlich. Vielleicht ist das ja auch erfolgt.

Für die Sparkassen in Westfalen-Lippe wie überhaupt in Deutschland brechen harte Zeiten an. Das Schicksal des Bergbaus und der Stahlindustrie liegt nahe. Das Rationalisierungpotenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft. Einige gehen davon aus, dass bis zu 90 Prozent der Banken und Sparkassen in den nächsten Jahren von der Bildfläche verschwinden werden (Vgl. dazu: Abgesang auf die Banken). So oder so: Die Sparkassen werden als Arbeitgeber in Westfalen drastisch an Bedeutung verlieren. Damit werden sie auch für die Politik uninteressanter.

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Kaiser-Wilhelm-Denkmal: Bauarbeiten an der Porta auf der Zielgeraden

Weitere Informationen:

Caspar von Zumbusch, Bildhauer (Geburtstag 23.11.1830)

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“Banking lebt vom Vertrauen” – Interview mit Carsten Pfläging (Fiducia & GAD IT AG)

Das Wettbewerbsumfeld für die Banken ist in den letzten Jahren deutlich rauer geworden. Wesentlicher Grund dafür ist die Digitalisierung, womit vornehmlich die orts- und zeitunabhängige Kommunikation der Kunden über verschiedene Medienkanäle gemeint ist. Bankgeschäfte werden häufig mobil –  per Smartphone oder Tablet-PC –  abgewickelt. Die klassischen Vertriebskanäle der Banken, wie die Filialen, verlieren dadurch an Bedeutung – die Bank droht in den Hintergrund gedrängt zu werden. Die Kundenschnittstelle wird im Netz von den großen Internetkonzernen (Google, Amazon, Facebook, Apple) dominiert, die überdies selbst in das Bankgeschäft drängen.

Wie können die Regionalbanken dem entgegenwirken, wie können sie verhindern, dass der Kontakt zu den Kunden in der Digitalmoderne verloren geht, welche Rolle könnten dabei neue Technologien wie Digitalwährungen oder die Blockchain-Technologie sowie Sprachassistenten übernehmen?

Carsten Pfläging

Im Interview erläutert Carsten Pfläging, Vorstand und CIO bei der Fiducia & GAD IT AG (Foto), wie der IT-Dienstleister die Volksbanken mit Innovationen, sowohl technischer und organisatorischer Art, bei der erfolgreichen Bewältigung der aktuellen wie künftigen Herausforderungen unterstützt, welche Rolle der Standort Münster dabei übernimmt und warum der Faktor Vertrauen im Banking erfolgsentscheidend ist und bleibt. 

Herr Pfläging, der Bankensektor durchläuft seit Jahren einen tiefgreifenden Wandel. Wie macht sich das in Ihrem Tagesgeschäft als Vorstand der Fiducia & GAD IT AG bemerkbar?

Banken sind heute natürlich noch viel stärker von der Digitalisierung gefordert als vor fünf Jahren. Aber mein Eindruck ist, dass nahezu alle Akteure die Herausforderung angenommen haben und auf einem guten Weg sind, um den zukünftigen Marktanforderungen gerecht zu werden. Wir als IT-Dienstleister für die Volksbanken und Raiffeisenbanken spielen dabei eine zentrale Rolle. Wir liefern bereits viele Lösungen, um die Volksbanken und Raiffeisenbanken hier im Wettbewerb zu unterstützen. Dazu gehören zum Beispiel die Funktionen „Scan2Bank“ oder „Geld senden & anfordern “ in der VR-BankingApp, die das einfache Bezahlen von Rechnungen oder den Transfer von Kleinstbeträgen via Smartphone ermöglichen. Mit dem „VR-Organizer“ steht eine Art „digitales Schließfach“ zur sicheren Ablage von Dokumenten kurz vor dem Breiteneinsatz.

Die zunehmende Digitalisierung ist natürlich auch im Tagesgeschäft deutlich spürbar.

Wie jeder Mitarbeiter im Unternehmen muss sich auch der Vorstand darauf einstellen, dass die Prozesse immer digitaler und somit vernetzter werden. Ein Beispiel von vielen: Absprachen finden vermehrt auf virtueller Ebene statt, die Geschwindigkeit des Austauschs und der Entscheidungsfindung hat sich auch in den vergangenen Jahren noch einmal deutlich erhöht.

Die Stärke der Genossenschaftsbanken ist die Verwurzelung in der jeweiligen Region – wie können die Genossenschaftsbanken diese Beziehung aufrecht erhalten, wenn sich weite Teile des Banking in das Internet, auf das Smartphone verlagern, wo das Regionalprinzip nicht greift?

Regionale Nähe ist in der DNA der Genossenschaftsbanken fest verwurzelt. Neben dieser lokalen Nähe gewinnt die digitale Nähe seit Jahren an Bedeutung. Umso mehr wird die Überführung der regionalen Verankerung und Kundennähe unserer Banken, die ihre Privatkunden und Firmenkunden häufig in persönlicher Beziehung kennen, in die digitale Sphäre zukünftig ein entscheidender Erfolgsfaktor sein. Das persönliche Beratungsgespräch wird auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Aber die Rahmenbedingungen haben sich geändert: Wenn Kunden mit hoher digitaler Kompetenz in die Geschäftsstelle kommen, haben sie sich bereits ausgiebig im Internet informiert. Wichtig aus unserer Sicht: Der Bankkunde hat die Wahl, über welchen Kanal er mit seiner Bank in Verbindung tritt: Ob im Wohnzimmer, unterwegs oder in der Filiale – unsere Lösungen bieten dem Bankkunden den direkten Draht zu seiner Bank.

Die Fintech-Startups gelten gemeinhin als die Innovationstreiber der Branche. Demgegenüber wirken Banken häufig noch altbacken. Täuscht der Eindruck? Können Sie Gegenbeispiele aus Ihrem Haus nennen?

Fintechs mögen in einzelnen Spezialdisziplinen des Bankings durchaus spannende Konzepte haben. Unser Vorteil aber ist, dass wir einen holistischen Ansatz, also das gesamte Banking abbilden, (Bankverfahren, Bankkundenanwendungen etc.) und dementsprechend breite Kenntnisse haben. Unsere VR-BankingApp hat inzwischen eine Vielzahl von Funktionen integriert in einer App, für die ich sonst fünf bräuchte.

Generell sehen wir Fintechs nicht als Konkurrenz, sondern vielmehr als Ansporn und Chance für mehr Innovationen im Banking. Daher suchen wir gezielt die Zusammenarbeit und Kooperation – ein Gewinn für beide Seiten. Ein aktuelles Beispiel für die fruchtbare Zusammenarbeit war der vierte GENOHackathon, der Anfang Januar in unserer Innovationswerkstatt in München stattfand. Mit Fino, Moneymeets und ti&m waren dort drei Fintechs vor Ort, die das Veranstaltungsformat bereichert haben. Daneben fördern wir selbstverständlich auch gezielt unsere internen Innovationsformate, deren jüngste Ergebnisse wir auch auf unserer Messe COM18 im April in Karlsruhe präsentieren werden.

In der Beraterszene wird häufig das “Innovators Dilemma” als Ursache für das Scheitern einstmals erfolgreicher Unternehmen und Branchen erwähnt, die zu lange an ihrem Geschäftsmodell festgehalten haben. Gilt dieser Befund mittlerweile nicht auch für die Banken?

Nein, ich bin überzeugt, dass dem nicht so ist. Banking lebt vom Vertrauen – ich vertraue dem Unternehmen nicht nur ein paar Daten an, sondern mein Geld. Dieses Vertrauen wird auch in Zukunft der ein zentraler Punkt sein. Natürlich bedeutet der Wandel im Banking eine Herausforderung, die wir mit hohem Einsatz und neuen Lösungen angehen werden. Neben unserer langjährigen Erfahrung und dem umfangreichen Know-how wird auch die Offenheit für die Entwicklungen in Zuge der Digitalisierung wichtig sein. Wir werden weiterhin sehr genau auf die Bedürfnisse unserer Kunden hören, den Markt genauestens beobachten und bereit sein, in neue Technologien zu investieren.

Wie gelingt bei der Fiducia & GAD IT AG der Spagat zwischen alter und neuer Welt, d.h. der Wandel von einer auf Hierarchie ausgelegten Organisation hin zu einer Netzwerkorganisation?

Wir wissen, dass Innovationskraft ein entscheidender Faktor für die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens ist. Unser Ziel ist es, Freiräume zu schaffen, in denen Mitarbeiter innovativ denken und gleichzeitig kooperativ arbeiten können. Damit Kreativität und gute Ideen entstehen können, muss man im passenden Umfeld den richtigen Nährboden haben – die räumliche Plattform dafür haben wir 2016 mit der Innovationswerkstatt in München geschaffen. Dort finden unsere Mitarbeiter die ideale Atmosphäre vor, um den Innovationsgeist zu stärken, den Ideenprozess anzukurbeln und neue marktorientierte Lösungen zu entwickeln. Zudem helfen unbürokratische Formate wie der GENOHackathon dabei, ein „neues Innovationsklima“ zu kreieren.

Darüber hinaus haben eine Vielzahl von Initiativen, die den neuen Anforderungen im „modern-working“ Rechnung tragen. Dazu zählen Tools, bei denen eine Kollaboration über Hierachieebenen hinweg gefördert werden oder auch das vernetze Arbeiten in cross-funktionalen Teams. Diesen Ansatz fahren wir nicht nur bei Veranstaltungsformaten wie dem GENOHackathon, sondern zum Beispiel auch bei unseren drei internen Start-ups.

Die großen digitalen Ökosysteme oder Plattformen haben den Vorteil, alles aus einer Hand anbieten zu können und über die nötige Skalierung zu verfügen. Besteht da nicht Gefahr, dass die Banken von den Distributionskanälen, der Hardware und Software von Google, Amazon, Facebook, Apple und Alibaba (GAFAA) abhängig werden?

Das sind Entwicklungen, die wir natürlich sehr genau beobachten. Ich glaube aber auch, dass insbesondere bei einem hochsensiblen Thema wie dem Banking die Menschen sehr genau hinschauen, wem sie ihr Geld anvertrauen. Überspitzt gesagt: Ich denke, viele Menschen sträuben sich davor, gerade in dieser Beziehung wirklich mit ihren Daten zu bezahlen. In diesem Punkt gilt es, das Vertrauen der Kunden zu sichern, denn dadurch haben wir einen entscheidenden Vorteil auf dem Markt.

Die Blockchain-Technologie oder allgemein die Distributed Ledger Technologies wie auch digitale Währungen könnten das Banking in den nächsten Jahren entscheidend prägen – wie bewertet man bei der Fiducia & GAD IT AG diese Entwicklung?

Gerade die Blockchain-Technologie birgt Potenziale für Banken, sich neu zu positionieren. In diesen Netzwerken stehen Kompromisse und Konsens der Mehrheit klar über dem eigenen Einfluss auf Prozesse. Diese Veränderung beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Blockchain, sondern ist in zunehmend digitalisierten und vernetzen Ökosystemen ein genereller Faktor. Um die Veränderung voranzutreiben, müssen Banken offen für neue Denkansätze sein und dadurch neue Geschäftsmodelle und Produkte entwickeln. Also: Weg von der internen Sicht auf Problemlösungen hin zu einem Modell, dessen zentrale Fragestellung ist, wie ein Finanzinstitut seine Kunden mit der Technologie bei deren Bedürfnissen sinnvoll unterstützen und somit relevant bleiben kann. 

Bei den Krypto-Währungen dagegen sollte man abwarten, wohin die Reise geht. Natürlich gibt es momentan einen regelrechten Hype, aber ob sie nachhaltige Auswirkungen auf das Banking haben werden respektive in welcher Form, kann momentan noch nicht mit Sicherheit festgehalten werden. Hier gilt es, die weiteren Entwicklungen genauestens zu beobachten und zu analysieren.

Welche Rolle hat der Standort Münster nach der Fusion in dem neuen Unternehmen übernommen – welchen Anteil hat Münster bei der Entwicklung innovativer Lösungen?

Standorte sind für uns nicht der entscheidende Faktor, sondern, welche Arbeit wir für unsere Kunden leisten und welchen Mehrwert wir ihnen damit bieten können. Unsere Teams arbeiten ohnehin stark über Standorte vernetzt. Ob nun Münster, München oder Karlsruhe – an den Entwicklungen innovativer Lösungen arbeiten alle Mitarbeiter der Fiducia & GAD mit.

Herr Pfläging, wie glauben Sie wird das Banking in fünf Jahren aussehen und welche Rolle wird die Fiducia & GAD IT AG darin spielen?

Natürlich sind langfristige Prognosen schwierig, da sich das Bankwesen in einem extremen Wandel befindet. Ich denke aber, dass die digitale Transformation ein deutliches Stück weiter vorangeschritten sein wird. Die neuen PSD2-Richtlinien kann man durchaus als historischen Meilenstein sehen, der das Banking in vielerlei Hinsicht deutlich verändern wird. Auf diese Veränderung müssen wir uns einlassen und damit nicht genug: Die Fiducia & GAD hat den Anspruch nicht nur Mitläufer in der digitalen Transformation zu sein, sondern Vorreiter und Innovationstreiber. Ich sehe uns für die kommenden Herausforderungen bestens aufgestellt. Künstliche Intelligenz, Sprachsteuerung und Krypto-Währungen, aber auch die Blockchain-Technologie – diese und weitere Themen, werden für uns sowie für die gesamte Branche primäre Bedeutung haben. Letztendlich wird der Markt entscheiden, welche Technologien und Lösungen sich auf lange Zeit durchsetzen.

Herr Pfläging, vielen Dank für das Gespräch!

Crosspost von Bankstil

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TechnologieZentrumDortmund – Start up in a think city!

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Flug mit der Drone über den WILO Campus in Dortmund

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Untergegangene Unternehmen aus Westfalen: Die Textilgruppe van Delden

Von Ralf Keuper

In ihren besten Zeiten war die van Delden-Gruppe aus Gronau das größte Textilunternehmen Deutschlands. Als das Unternehmen im Jahr 1975 sein 100jähriges Bestehen feierte, erzielten 7.000 Mitarbeiter einen Umsatz von 670 Millionen DM. Nur wenige Jahre später war die Unternehmensgruppe insolvent.

Im Jahr 1875 gründete Gerrit van Delden die Baumwollspinnerei Gerrit van Delden & Compagnie. Sein Sohn Hendrik wurde 1938 Präsident des Weltbaumwollspinnerverbandes. 

Bereits im Jahr 1978, vier Jahre vor dem endgültigen Zusammenbruch der Unternehmensgruppe, berichtete der SPIEGEL in War nie super von ernsten finanziellen Problemen.

Noch im Jahr 1971 schloss sich die ZEIT in Die unersättlichen Herren von Gronau. Der Aufstieg der Textilfirma Gerrit van Delden im wesentlichen der Auffassung von Hendrik van Delden an, dass die Textilbranche in Deutschland, auch angesichts wachsender Konkurrenz aus den Billiglohnländern im damaligen Ostblock sowie aus Asien, noch lange nicht an ihr Ende gelangt sei.

In dem Beitrag Geschichte des Unternehmens van Delden. Ruinöser Wettbewerb bedeutete das Aus aus dem Jahr 2015 lässt Günter Vaartjes die Geschichte des Hauses van Delden mit ihren Höhen und Tiefen noch einmal Revue passieren. 

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