1648 – Wie der Dreißigjährige Krieg beendet wurde | Doku | ARTE

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Miele: McKinsey kommt

Von Ralf Keuper

Dass der Gütersloher Haushaltsgerätehersteller Miele den Rat von Strategieberatern sucht, stellt ein Novum in der Unternehmensgeschichte dar. Wie in verschiedenen Medien berichtet wurde, wird McKinsey Miele dabei beraten, wie das Unternehmen in den nächsten Jahren 100 Mio. Euro einsparen kann. Weiterhin soll McKinsey Miele dabei unterstützen, das eigene Geschäftsmodell für die Zukunft wetterfest zu machen (Vgl. dazu: Miele verschärft Sparkurs: Kosten sollen massiv sinken, Stellen fallen weg). Vor allem der Absatz von Waschmaschinen bleibt hinter den Erwartungen zurück. Schon kommt die Frage auf, ob die Produktion der Waschmaschinen wie geplant, auf die Standorte Gütersloh und Polen aufgeteilt werden soll (Vgl. dazu: Miele-Betriebsrat fürchtet noch höheren Stellenabbau).

Wenngleich man das Engagement von McKinsey nicht überbewerten sollte, so zeigt sich daran doch, dass die Führung bei Miele, anders als in der Vergangenheit, zu der Überzeugung gekommen ist, auf externen Rat angewiesen zu sein. Es stellt sich die Frage, ob Miele seinen Status als Premium-Hersteller auch in Zukunft behaupten kann. Zu schaffen macht Miele die Konkurrenz aus Asien, wie Haier und Samsung (Vgl. dazu: Chinas weißer Riese drängt in die deutschen KüchenSamsung jagt Miele mit der Socken-Klappe). Die fortschreitende Digitalisierung macht auch vor der Haushaltsgerätebranche nicht halt. Auch hier ist Haier besonders aktiv (Vgl. dazu: Waschen, googeln, twittern – das vernetzte Haus).

Bei Miele hat man die Auswirkungen der Digitalisierung auf das eigene Geschäftsmodell erkannt (Vgl. dazu: Miele lebt die Digitalisierung in allen Facetten). Allem Anschein nach sind noch einige Fragen offen.

Ob McKinsey eine gute Wahl ist? Das Ansehen der amerikanischen Strategieberatung hat in den letzten Jahren stark gelitten (Vgl. dazu: McKinsey auf Abwegen?). Die Arbeit und die Erfolgsbilanz der Unternehmensberater, wie McKinsey, wurde in der Vergangenheit in verschiedenen Buchveröffentlichungen kritisch hinterfragt (Vgl. dazu: “beraten und verkauft. McKinsey & Co. – der große Bluff der Unternehmensberater” von Thomas Leif). Der berühmte Dramatiker Rolf Hochhuth verfasste das Bühnenstück McKinsey kommt.

Hochhuth thematisiert in McKinsey kommt Massenentlassungen im Zuge von Fusionen, die in einer eigentlich florierenden Wirtschaftslage zum Zweck der Gewinnsteigerung durchgeführt werden. Das Thema wird aus verschiedenen Blickwinkeln bis zu einer abschließenden Verhandlung vor dem Bundesverfassungsgericht über die Forderung nach einem Recht auf Arbeit beleuchtet. Die titelgebende Unternehmensberatung McKinsey tritt im Stück nicht in Erscheinung, die bloße Ankündigung McKinsey kommt dient als Synonym für geplante Entlassungen (Wikipedia).

Auffallend ist, dass die erfolgreichsten Unternehmen der letzten Jahre, Amazon, Google, Facebook und Apple, ebenso wie ALDI, auch ohne den Rat von McKinsey gut gefahren sind. Viele der Mitbewerber von Google & Co., die nicht selten von McKinsey beraten wurden, wie Bertelsmann, suchen bis heute nach einem tragfähigen digitalen Geschäftsmodell. Die Strategieberatungen sind in Sachen Innovation in den letzten Jahrzehnten, wie Walter Kiechel in The Lords of Strategy feststellt, ohnehin nicht übermäßig positiv aufgefallen.

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Das letzte Geheimnis im Hermannsdenkmal | Dokumentation

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Untergegangene Unternehmen in Westfalen: Hoesch AG

Von Ralf Keuper

Die Dortmunder Hoesch AG zählte bis weit in die 1980er Jahre zu den größten Stahlkonzernen Europas. 1871 von Leopold Hoesch gegründet, gelang es dem Unternehmen in den folgenden Jahrzehnten, sich neben Krupp, dem Bochumer Verein, Thyssen und anderen Stahl- und Montankonzernen zu behaupten. Im Jahr 1965 beschäftige die Hoesch AG fast 50.000 Mitarbeiter. Zu jener Zeit waren ein Fünftel der arbeitenden Dortmunder Bevölkerung bei Hoesch beschäftigt. Herz des Unternehmens war die Westfalenhütte in Dortmund.

Das Unternehmen während der ersten Nachkriegsjahrzehnte wesentlich geprägt hat Willy Ochel. Die ZEIT feierte ihn als “Sanften Rebellen”. Ochel stand in dem Ruf, ein exzellenter Stratege zu sein. Früher als seine Kollegen und führende Landespolitiker erkannte er, dass die goldenen Zeiten des Bergbaus sich dem Ende entgegen neigten und daher ein radikaler Kurswechsel nötig war. Die ZEIT schrieb:

Daß der langjährige Präsident der Dortmunder Industrie- und Handelskammer hierbei sicherlich auch die Strukturprobleme des Industriereviers an Rhein und Ruhr im Auge hat, entspricht seiner auch übergeordneten Gesichtspunkten verpflichteten Auffassung von unternehmerischer Verantwortung. Gerade diese Einstellung, die in der Industrie noch keine Selbstverständlichkeit ist, legitimiert ihn denn auch, seinem Ärger über die nach acht Jahren noch immer ungelöste Kohlenkrise Luft zu machen. Der sonst eher freundlich-gelassene Mann gerät geradezu in Harnisch, wenn dieses Thema angeschlagen wird. „In all den Jahren ist das Kernproblem immer nur taktisch, nie strategisch gelöst worden.“ Und jetzt seien die Möglichkeiten für einen geordneten Rückzug ganz erheblich zusammengeschrumpft.

Als Ochel 1968 in den Ruhestand ging und in den Aufsichtsrat als dessen Vorsitzender wechselte, begann der Stern von Hoesch zu sinken. Es setzte ein Personalkarussel auf der Führungsebene ein. Zu dem Zeitpunkt beschäftigte Hoesch 52.000 Mitarbeiter, die einen Umsatz von 3,2 Mrd. DM erwirtschafteten. Nach Thyssen war Hoesch der zweitgrößte Stahlkonzern Deutschlands.

Einen Aufschwung erlebte Hoesch unter Detlev-Karsten Rohwedder. Im Dezember 1983 titelte das Manager Magazin: Stahlindustrie. Und es geht doch mit Rohwedder.

Noch im Jahr 1978 sah es um die Zukunft des Unternehmens düster aus:

Als er vor fünf Jahren in den Vorstand einzog, galt Hoesch als erster Pleitekandidat der deutschen Stahlindustrie. Unwirtschaftliche Produktionen an drei Standorten, unzureichende Modernisierungsinvestitionen und ein ebenso sorgloses wie inkompetentes Management hatte dafür gesorgt, dass Hoesch härter von der 1975 einsetzenden Stahlkrise betroffen war als die Konkurrenz.

Hauptursache für die Probleme war die Fusion mit dem holländischen Hoogovens-Konzern, die bereits von Ochel in seiner Zeit als Vorstandschef ins Auge gefasst wurde. Für Hoesch war die Fusion ein großes Verlustgeschäft. Die Holländer wollten “alle Folgen der Stahlkrise auf Dortmund abwälzen”, so der Vorstandschef. Rohwedder befreite Hoesch aus der Abhängigkeit von Hoogovens, wobei er durchaus rustikal vorging.

Nachdem bereits gut 1,5 Mrd. DM bei Hoesch verloren und aus Holland überwiesen worden waren, drohte er damit, die deutsch-holländische Holding Estel in die Pleite zu treiben, falls die Holländer ihn nicht zu akzeptablen Scheidungsbedingungen ziehen lassen würden.

In Zukunft, so Rohwedder in einem Interview mit dem mm, müsse Hoesch sein Geschäftsmodell deutlich wandeln:

Hoesch ist in den letzten 100 Jahren Stahlhersteller gewesen, ein Stahlhersteller mit Weiterverarbeitungsfransen. Das ist falsch, das geht nicht mehr. Die Zeiten ändern sich, und wir müssen ein Unternehmen der Metalle- oder -verarbeitung sein mit einer dafür angemessenen kleinen Stahlbasis.

Eine wesentliche Rolle sollte dabei das Tochterunternehmen Orenstein & Koppel (O&K) übernehmen. Zum Konzern zählte damals das erste Softwarehaus Europas, die Mathematische Beratung- und Programmierdienst GmbH. In den 1980er Jahren war es überdies das zweitgrößte Softwarehaus in Deutschland.

Auf die Frage:

Wollen Sie sich mit Ihrem Unternehmen, das immerhin über eine angesehene Software-Tochter verfügt, auf intelligente Art in der Elektronikbranche engagieren?

antwortete Rohwedder:

In dieser intelligenten Branche ist es im Moment schwer, aber auch notwendig, besonders intelligent zu sein. Vielleicht ist es an der Zeit, sich unter den Schönen des Landes umzusehen. Aber in die Hardware wollen wir nicht.

Der letze Akt war die feindliche Übernahme von Hoesch durch Krupp – die erste ihrer Art in Deutschland im Jahr 1991 (Vgl. dazu: Deutschlands erste feindliche Übernahme). Nachdem Rohwedder an die Spitze der Treuhandanstalt gewechselt war, entstand bei Hoesch ein Führungsvakuum, das Gerhard Cromme, der damalige Vorstandschef von Krupp, ausnutzte, indem er still und leise die Aktienmehrheit an Hoesch erwarb. Hoesch war Geschichte.

Die Erinnerung an das Unternehmen wird im Hoesch-Museum wach gehalten.

Seitdem hat sich die Wirtschafts- und Beschäftigungsstruktur in Dortmund deutlich gewandelt (Vgl. dazu: Einstellige Arbeitslosenquote – Dortmunder “Jobwunder”). Auf dem Gelände des alten Hochofenwerks Phoenix West errichtet derzeit der weltgrößte Pumpenhersteller Wilo seine Smart Factory.

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Stahlkrieg an der Ruhr: Jacob Mayer (Bochumer Verein) gegen Alfred Krupp (Krupp Stahl)

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Als Gustav Schickedanz (Quelle) und Reinhard Mohn (Bertelsmann) sich ins Gehege kamen

Von Ralf Keuper

Im Jahr 1966 kam der Quelle-Versand auf die Idee, eine Bibel in Edelausstattung und zu einem vergleichsweise günstigen Preis auf den Markt zu bringen. Das rief Bertelsmann, seinerzeit Europas größter Buchversender, auf den Plan. Dort hatte man bereits eine Bibel im Angebot, die jedoch 50 DM teurer war, als das Werk aus dem Hause Quelle. Auf einmal kamen sich der größte Versandhändler Europas, Quelle, und Europas größter Buchversand, Bertelsmann, ins Gehege. Bertelsmann-Chef Reinhard Mohn war nicht amüsiert; Bertelsmann drohte daraufhin dem Südwest-Verlag, der die Bibel im Auftrag von Quelle drucken sollte, mit juristischen Schritten. Die Kontrahenten kamen nach einiger Zeit zu der Überzeugung, dass es besser sei, den Streit beizulegen. Ein Vergleich wurde geschlossen. Die Quelle-Bibel wurde in einer weniger aufwendigen Ausstattung gedruckt, der Preisunterschied zwischen der Quelle- und der Bertelsmann-Bibel fiel nicht mehr ins Gewicht. Über diesen Vorfall berichtet Gregor Schoellgen in seinem Buch Gustav Schickedanz. Biografie eines Revolutionärs. Darin zitiert er den Quelle-Justitiar Gebauer, der in einem Brief an Bertelsmann schrieb:

Es sollte auch nicht gerade die Heilige Schrift sein, durch die zwei freundschaftlich verbundene Unternehmer (Gustav Schickedanz und Reinhard Mohn) in Streit geraten.

Diese Rücksichten brauchte Jahrzehnte später Jeff Bezos nicht zu nehmen, als er mit seinem Buchversand Amazon startete.

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Bronzene Urne aus dem Sauerland reist zu Berliner Archäologie-Ausstellung

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So also ist der Westfale. Westfalen-Versteher von 1474 bis heute

Bild: Elsinor Verlag

.. kann man “den” Westfalen pauschal charakterisieren? Gibt es Wesensmerkmale, die dem “Menschenschlag” eines bestimmten Herkunftsgebietes generell eigen sind? Und gibt es dabei möglicherweise innerhalb eines großen Gebietes wie Westfalen regionaltypische “Wesensunterschiede”? Viele “Experten”, heute würde man sagen “Westfalen-Versteher”, sind hiervon im Laufe der Zeit wie selbstverständlich ausgegangen und haben solche Fragen bejaht. Ihre Darstellungen werden in dieser Textsammlung – teilweise in Auszügen – wiedergegeben. Oft muten sie aus heutiger Sicht skurril oder sogar fast abenteuerlich an. Das meiste ist zeitbedingt, manches wird beim heutigen Leser ein amüsiertes Kopfschütteln oder Lachen hervorrufen. Und man kann sich nur wundern, wie erstaunlich lange die Klischees über das “Wesen der Westfalen” sich halten und auch heute noch kursieren. In der Gegenwart werden die – früher allesamt sehr ernst gemeinten – Aussagen und Gedanken teilweise aber auch in ironischer Weise aufgegriffen, man “spielt” dann gerne mit den überkommenen Pauschalurteilen und macht sich darüber lustig. Diese Textsammlung will all das zu erschließen helfen.

Quelle / Link: So also ist der Westfale. Westfalen-Versteher von 1474 bis heute

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Universität Bielefeld verliert Exzellenzcluster – herber Rückschlag mit Ansage

Von Ralf Keuper

Eine Meldung, die im Grunde nicht überraschend kam: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) wird den Exzellenzcluster CITEC an der Universität Bielefeld nicht weiter fördern (Vgl. dazu: Rektor Sagerer: „Intelligente Systeme bleiben Forschungsschwerpunkt“). Das ist ein herber Rückschlag für die Universität Bielefeld – daran gibt es nichts zu deuteln, wenngleich Uni-Rektor Sagerer den Forschungsschwerpunkt Intelligente Technische Systeme weiter fördern will. Alles in allem kein Ruhmesblatt für die Universität Bielefeld und insbesondere die Leitung des CITEC. Dort tut man sich ohnehin schwer mit der Wissenschaftskommunikation – das Thema Künstliche Intelligenz hat es mittlerweile in die öffentliche Aufmerksamkeit geschafft – sowohl Politik wie Wirtschaft betonen ihre wachsende Bedeutung für den Wohlstand. Aus Bielefeld kamen und kommen erstaunlich wenige Wortmeldungen und Debattenbeiträge. Das war und das ist zu wenig.

Während in Paderborn mittlerweile immerhin ein Fraunhofer-Institut angesiedelt ist und selbst Lemgo sich als Fraunhofer-Standort bezeichnen darf, hat Bielefeld dergleichen nicht im Angebot. Das sollte zu denken geben. Gerade jetzt.

 

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Westfälische Entsorger sortieren sich neu

Von Ralf Keuper

Die Entsorgungsbranche ist momentan dabei sich neu zu sortieren. Davon betroffen sind auch westfälische Entsorgungsunternehmen, allen voran der Marktführer Rethmann aus Selm und die mittelständische Unternehmensgruppe Tönsmeier aus Porta Westfalica.

Der zur Rethmann-Gruppe gehörende Remondis-Konzern, der größte Müllentsorger Deutschlands, übernahm vor wenigen Tagen den “Grünen Punkt” (Vgl. dazu: Remondis kauft Duales System Deutschland). Die Kartellbehörden müssen den Kauf aber noch absegnen. Kein anderes Unternehmen hat in den letzten Jahren übrigens so viele Zusammenschlüsse beim Bundeskartellamt angemeldet wie die Rethmann-Gruppe (Vgl. dazu: Rethmann bei Übernahmen deutschlandweit an der Spitze). Vor einigen Monaten übernahm der Lidl-Konzern die Tönsmeier-Gruppe, die Nummer 5 der Branche hierzulande (Vgl. dazu: Lidl-Mutterkonzern steigt in das Geschäft mit dem Müll ein).

Mit Müll lässt sich anscheinend ordentlich Geld verdienen. Das hält Rethmann jedoch nicht davon ab, in neue Geschäftsfelder vorzustossen, wie in den öffentlichen Personennahverkehr (Vgl. dazu: Übernahme des Veolia-Anteils an Transdev durch Rethmann bestätigt).

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