Mit Compressed Sensing die Datenflut beherrschen – Smarte Informationen statt “Big Data” (Forschungsprojekt an der Uni Siegen)

Von Ralf Keuper

Eigentlich gilt die Regel, dass Unternehmen und Plattformen, die über den größten Datenbestand für Analysezwecke verfügen (Big Data), einen großen Wettbewerbsvorteil und Informationsvorsprung besitzen. Je mehr Daten, umso besser. Redundanz wird dabei zwangsläufig in Kauf genommen.

Es geht aber auch anders, wie das Beispiel des Compressed Sensing zeigt. Dabei handelt es sich um ein

Verfahren zur Erfassung und Rekonstruierung dünnbesetzter (englisch sparse) Signale oder Informationsquellen. Diese lassen sich aufgrund ihrer Redundanz ohne wesentlichen Informationsverlust komprimieren. Dies wird bei der Abtastung der Signale zur deutlichen Verringerung der Abtastrate im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren effizient genutzt (Quelle: Wikipedia).

An der Universität Siegen wird am ZESS, einem interdisziplinären Forschungsinstitut zum Thema “Mulitmodale Sensorik / Bildgebende Systeme”, zu den Einsatzmöglichkeiten des Compressed Sensing geforscht. Erst kürzlich erhielt das Institut den Zuschlag für die Teilnahme an dem Forschungsprojekt Menelaos_NT, das vom EU-Programm Horizon 2020 gefördert wird.

Mithilfe neuartiger Technologien Signale und Bilder gezielt so zu erfassen, dass nur die interessanten Informationen herausgefiltert werden – darum geht es den WissenschaftlerInnen. „Ein vielversprechender Ansatz aus der Mathematik ist in diesem Zusammenhang das ‚Compressed Sensing‘. Danach ist es möglich, Signale oder andere Informationsquellen komprimiert zu erfassen – das bedeutet, dass von Anfang an nur wenige Sensordaten mit hohem Informationsgehalt aufgenommen werden“, erklärt Dr. Miguel Heredia Conde; Projektmanager bei MENELAOS und Gruppenleiter am ZESS (in: Smarte Informationen statt „Big Data“)

Gerade für das Internet der Dinge birgt das Compressed Sensing großes Potenzial. Ansonsten gehen die Unternehmen unter der Flut an Daten, die über die Sensoren übertragen werden, unter. Ein Punkt, der in dem Paper Compressive Sensing-Based IoT Applications: A Review näher beleuchtet wird:

.. compressive sensing (CS) is a very attractive paradigm to be incorporated in the design of IoT platforms. CS is a novel signal acquisition and compression theory that exploits the sparsity behavior of most natural signals and IoT architectures to achieve power-efficient, real-time platforms that can grant efficient IoT applications. This paper assesses the extant literature that has aimed to incorporate CS in IoT applications. Moreover, the paper highlights emerging trends and identifies several avenues for future CS-based IoT research.

Zuerst erschienen auf Identity Economy

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Sollten sich die Finanzplätze in Nordrhein-Westfalen vereinigen?

Von Ralf Keuper

Mit Düsseldorf, Köln, Dortmund und Münster besitzt Nordrhein-Westfalen mehrere Finanzzentren, wobei Düsseldorf alle anderen an Bedeutung übertrifft. Um als Finanzplatz attraktiv für potenzielle Mitarbeiter zu bleiben, plädiert Tobias Rafael Finke in Finanzplätze, vereinigt euch! dafür, dass Rheinländer und Westfalen ihre Kräfte auf Düsseldorf/Rheinland und Dortmund/Münster/Westfalen konzentrieren. Parallel dazu sollten die beiden Zentren kooperieren. Ob die Kölner bereit sind, sich Düsseldorf unterzuordnen, und Dortmunder und Münsteraner die Nähe suchen, sei dahin gestellt.

In den letzten Jahren hat der Finanzplatz NRW, wie im Rest der Republik auch, deutlich Federn gelassen (Vgl. dazu: Bankenstandort Nordrhein-Westfalen besticht durch Stärke und Vielfalt – tatsächlich?). Wie in der Studie Die FinTech Startup-Ökosysteme in Deutschland dargestellt, ist der Raum Köln/Düsseldorf als Standort für Fintech-Startups in NRW einsam an der Spitze. Hier haben Dortmund und Münster nicht allzu viel zu bieten. Dortmunds Stärke liegt im E-Commerce und in der Logistik. Münster ist ebenfalls im E-Commerce stark. Die Stadt könnte ein wichtiger Standort für die Handelsfinanzierung werden. Exemplarisch dafür ist tr8fin. Übrigens: Der Gründer der solarisBank und von Finleap, Jan Beckers, kommt aus Münster.

Neben den genannten Städten ist Bielefeld als Zentrum der Industrieregion Ostwestfalen-Lippe ein geeigneter Standort für das Industrial Banking, d.h. für die Verbindung des Industriellen Internets der Dinge mit Banking/Financing. Die ostwestfälischen Hersteller der elektrischen Verbindungs- und Automatisierungstechnik, wie Phoenix Contact, Wago, Beckhoff, Harting und Weidmüller, haben zusammen ein Weltmarktanteil von 75%. Bielefeld käme auch als Testlabor für die Verbindung der Blockchain mit dem Industriellen Internet der Dinge in Frage.

Neben Ostwestfalen ist Südwestfalen eine weitere wichtige Industrieregion – Deutschlands drittstärkste. Auch dort wird ein Industrial Banking Hub benötigt. Für das Ruhrgebiet könnte Dortmund die Rolle eines Logistik/supply chain financing Hub übernehmen.

Düsseldorf und Köln sind neben ihrer Rolle als Zentren für Fintech-Startups für das Corporate Banking, Kapitalmarkt- und das internationale Geschäft besonders gut geeignet. Als Börsenplatz und Sitz der Landeszentralbank übernimmt Düsseldorf ohnehin die führende Rolle unter den Finanzplätzen in NRW. Jeder Finanzplatz konzentriert sich auf seine Stärken und sucht die Kooperation eben dort, wo das eigene Know How oder Netzwerk nicht ausreicht.

Zuerst erschienen auf Bankstil

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Werner Rolevinck-Gedenken in Westfalen – eine kleine Übersicht

Von Werner Thiel 

Vergleich des Rolevinck-Gedenkens in westfälischen Städten

Es gibt jeweils 4 Rolevinck-Straßen und einen Rolevinckweg.

Nur in Laer ist die Straße konkret mit  „Werner Rolevinck“ benannt, In den anderen Städten heißt es nur „Rolevinck“.

Alle Gedenkmaßnahmen an den Mönch und Buchautor durch die Benennung von öffentlichem Verkehrsraum nach „Rolevinck“ stammen aus einer Zeit nach dem 2. Weltkrieg.

Die früheste Benennung scheint, mit Blick auf die Bebauung, in der „Rolevinckstraße“ in Lippstadt erfolgt zu sein, denn die Bebauung dürfte aus den 1960er Jahren stammen.

Es folgen – nach ungenauer Einschätzung der Erbauungszeit der Häuser – Laer, Dortmund, Münster, Arnsberg. In Arnsberg sind die Häuser keine 10 Jahre alt, einzelne sind sogar noch im Bau.

Einzig in Lippstadt findet sich eine Erklärung unter dem Straßenschild mit dem ganzen Namen und Lebensdaten, angebracht wurde diese auf Initiative von Anwohnern.

4 Rolevinck-Straßen sind Sackgassen, nur in Laer gibt es eine durchgängige Wegeführung.

Die kürzeste Rolevinckstraße findet sich in Arnsberg mit ca. 80 Metern, dafür ist sie auch die schönste, denn man hat vor ihr einen Blick auf das Ruhrtal und die Altstadt von Arnsberg. (siehe Foto)

Eindeutig die mondänste Erinnerung befindet sich in der Grünstadt im Osten von Dortmund. Die Rolevinckstraße ist hier umgeben von Villen, Alleen und viel Grün, ein sehr gutes Wohngebiet und bestimmt recht teuer

In Dortmund wie in Lippstadt befinden sich in direkter Umgebung weitere Straßen benannt nach BuchautorInnen wie Goethe, Droste-Hülshoff oder den Mann-Brüdern.

Somit ist in Dortmund und Lippstadt Rolevinck in „bester Gesellschaft“.

Die anderen Straßen liegen in üblichen Wohngebieten, ohne eine besondere Namensbündelung.

Nur in Laer befindet sich mit der Werner-Rolevinck-Schule ein öffentliches Gebäude an der Straße.

Eine besondere Spreizung der Bewohner nach sozialem Stand ergibt sich für den Rolevinckweg in Münster, an dem von villenartigen Einfamilienhäusern bis zu einem Wohnheim für Flüchtlinge verschiedenste Gebäude stehen.

In den anderen Straßen gibt es nur private Wohnmöglichkeiten vom villenartigen EFH wie in Lippstadt über EFH, Reihenhäuser bis zu Mietwohnungsbauten.

Besondere Ausnahme macht Dortmund, da hier ein geschlossener Gebäudekomplex aus den 1970er Jahren die gesamte Straße nutzt.

Das schönste Hausschild in einer Rolevinckstraße findet sich in Münster, ein Foto ist in der Anlage.

In Köln gibt es kein öffentliches Erinnern an Werner Rolevinck.

Dies verwundert, da Rolevinck ca. 60 Jahre in der Stadt lebte, dort arbeitete und seine Bücher heraus gab. Das ist wenig verständlich, denn bei der großen Zahl von Straßen und Plätzen in der Domstadt ließe sich bestimmt etwas finden, das nach Werner Rolevinck benannt werden könnte.

Weitere Informationen:

Rolevink-Film im Internet: „NRwision.de” +„Rolevinck

 

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Konzeption der mathematischen Fakultät an der Universität Bielefeld

Weitere Informationen:

Blick in die Historie: Gründung der Fakultät für Mathematik

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Westfalen-Initiative im Selbstzerlegungsmodus?

Von Ralf Keuper

Die Westfalen-Initiative taucht in der öffentlichen Berichterstattung eher selten auf – auch in Westfalen. Über die Jahre haben sich zahlreiche Vorstandsvorsitzende bei der Stiftung Westfalen-Initiative, die von dem Unternehmer Martin Leicht ins Leben gerufen wurde, die Klinke in die Hand gegeben, so dass hier schon mal die Übersicht verloren gehen kann. Von Hans Wielens, Klaus Anderbrügge , Wolfgang Hölker bis Peter Paziorek. Dazwischen war auch schon mal ein Sparkassendirektor Chef der Stiftung. Westfälische Kontinuität sieht irgendwie anders aus.

Neben der Stiftung Westfalen-Initiative existiert noch der Verein Westfalen-Initiative. Wie nun in Ärger in der Westfalen-Initiative berichtet wird, will der neue Chef der Stiftung Westfalen-Initiative, Dr. Hans Moormann, den Verein Westfalen-Initiative auflösen, was bei den Vereinsmitgliedern nur auf wenig Gegenliebe stösst. Seit Anfang des Jahres hat die Westfalen-Initiative einen neuen Geschäftsführer, der die Verschmelzung der Stiftung Westfalen-Initiative mit dem Verein Westfalen-Initiative sowie die “Profilschärfung” voran bringen soll (Vgl. dazu: Westfalen-Initiative präsentiert neuen Geschäftsführer).

Über mehre Jahre ernannte die Westfalen-Initiative verschiedene Personen zu Ehrenwestfalen. Im Jahr 2013 ging die Ehrung an den Fussballer Christoph Metzelder.

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Luigi Colani in Westfalen

Von Ralf Keuper

Vor wenigen Tagen starb der berühmte Designer Luigi Colani im Alter von 91 Jahren in Karlsruhe.

Der gebürtiger Berliner wurde durch einen Zufall in Westfalen heimisch. Gut fünfzehn Jahre sollte sein Aufenthalt in Westfalen dauern.  Erste Station war Rheda-Wiedenbrück. Eine Autopanne zwang ihn im Jahr 1964 zu einem Stop in Wiedenbrück. Der damalige Inhaber des Motels in Wiedenbrück, wo Colani absteigen musste, stellte den Kontakt zu COR und Lübke her. Für die beiden Möbelunternehmen entwarf Colani Stühle und einen Pulthocker. Flötotto verdankt ihm seinen meistverkauften Schreibtisch (Vgl. dazu: Der Designer Luigi Colani war mal Rheda-Wiedenbrücker).

Später zog Colani nach Rheda, wo er ein Atelier unterhielt. Von Rheda führte ihn sein Weg nach Füchtorf auf Schloss Harkotten. Dort wohnte er bis 1981. Westfalen ist ohnehin ein Colani-Land. Nirgendwo sonst finden sich so viele Sammler und Verehrer (Vgl. dazu: Im Colani-Land).

Nach seinem Kunststudium an der Sorbonne in Paris fand Colani im Sauerland bei Kusch + Co in Hallenberg eine Beschäftigung. Dort blieb er ein Jahr. In dieser Zeit entwarf er die legendäre Liege TV-relax.

Im Jahr 1992 wurde im Dortmunder Westfalenpark die bislang größte Colani-Schau ausgerichtet, die von 500.000 Menschen besucht wurde. In Lünen hat sich Colani mit dem Colani-Ei verewigt.

Colanis letzter Besuch in Westfalen war 2013, als er völlig unerwartet an seiner alten Wirkungsstätte Sassenberg auftauchte (Vgl. dazu: Plötzlich steht Colani vor der Tür).

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Westfalen und die Welt. Anmerkungen zu Werner Rolevinck

… Im folgenden soll einem Teilaspekt des Westfalenlobes besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Wie hinlänglich bekannt ist, hat Werner Rolevinck in seiner Schrift auch eine geographische Beschreibung, eine “Definition”, seines Untersuchungsgegenstandes vorgenommen. Dies geschieht bei ihm sogar auf mehrerlei Weise: einerseits durch eine Umschreibung der Grenzen Westfalens, wobei nicht nur naturräumliche Gegebenheiten Erwähnung finden, sondern ebenso Nachbarprovinzen und -territorien genannt werden, ferner durch eine Aufzählung der dort vorhandenen Territorien. Bevor hierauf näher eingegangen werden soll, ergeben sich bereits daraus eine ganze Reihe von Fragen, die das “Weltbild” und die geographischen Kenntnisse des Autors betreffen. Es ist zu überlegen, ob sich anhand des Westfalenlobes, das sich ja, explizit und räumlich klar definiert, mit der Geschichte einer bestimmten Region und deren Bewohnern beschäftigt, solche Fragen beantworten lassen, obwohl sich keinerlei Abbildungen, Karten oder sonstige graphische Hilfsmittel in der Schrift finden.

Mehrere Problemkreise lassen sich hier ansprechen: 1) Verfügt der Autor über geographische Kenntnisse? 2) Woher bezieht er diese? 3) Auf welche Gebiete oder Großräume beziehen sich diese Kenntnisse, und wie differenziert sind sie jeweils? 4) Welche geographischen oder kartographischen Hilfsmittel standen ihm überhaupt zur Verfügung? 5) Füllt er seinen selbst definierten Raum Westfalen auch inhaltlich, d. h., wie groß waren seine Kenntnisse von einzelnen Orten und Landschaften seines Untersuchungsgebietes? 6) Gibt es bei ihm räumliche Schwerpunkte und/oder Disparitäten? 7) Wie steht es mit der Entwicklung der Kartographie in diesem Raum? 8) Hat der Autor ein kartographisches Weltbild, d. h., wie ist seine räumliche Vorstellung von der Welt?

Quelle / Link: Westfalen und die Welt. Anmerkungen zu Werner Rolevinck 

Dorfmarketing-Mitarbeiter Werner Thiel hat einen Film über Werner Rolevinck gedreht

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Studien zu landschaftlichen Gärten und Parks in Westfalen-Lippe unter besonderer Berücksichtigung der Anlagen privater Auftraggeber

Quelle / Link: Studien zu landschaftlichen Gärten und Parks in Westfalen-Lippe unter besonderer Berücksichtigung der Anlagen privater Auftraggeber

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Untergegangene Unternehmen aus Westfalen: Orga Card

Von Ralf Keuper

Sie wurde schon mal Kronjuwel der Bundesdruckerei aus Paderborn genannt: Die Orga Kartensysteme GmbH, über Jahre einer der führenden Hersteller von Smart Cards in Deutschland, ja Europa. Auf seinem Höhepunkt beschäftigte das Unternehmen ca. 1.400 Mitarbeiter. Hauptstandorte waren Paderborn (Zentrale) und Flintbeck bei Kiel. So rasant, wie das Unternehmen aufstieg, so ging es auch bergab, wie u.a. in Chipkarten von der Pader nachzulesen ist.

Orga leistete echte Pionierarbeit:

1985 stellte ORGA eine Chipkarte mit einem EEPROM vor: Dieser Speicher wird mit Strom gelöscht und danach neu beschrieben. Die Karte war die erste, die man frei programmieren konnte; so ließen sich viele Applikationen erproben. Sie trug einen Acht-Bit-Prozessor und fasste ein Kilobyte. Inzwischen hatte sich ein zweiter Paderborner Uni-Absolvent dem ORGA-Team angeschlossen: Bernd Deutschmann schuf das Betriebssystem des Prozessors. Den ersten Auftrag erteilte die Gesellschaft für Zahlungssysteme in Frankfurt am Main.

Das Unternehmen hatte mehrere Eigentümer, darunter die bereits erwähnte Bundesdruckerei. Seit 2002 kam das Unternehmen nicht mehr aus dem Krisenmodus. Auch die Mitarbeit an der Elektronischen Gesundheitskarte vermochte die Lage nicht zu bessern. Die neuen Eigentümer wurden mit Orga nicht mehr glücklich. Das Unternehmen lebte noch einige Zeit als Sagem Orga, Orga Systems und Morpho Card weiter, bis auch hier Schluss war.

Der IT-Standort Paderborn hat nicht nur den Verlust der Nixdorf Computer AG, sondern eben auch den von Orga Card zu beklagen. Für einige Jahre war man in Paderborn im Bereich Computer und Smartcard, den damals vielversprechendsten Märkten im ITK-Sektor, führend. Davon ist nicht mehr allzu viel übrig geblieben. Der Standort befindet sich in einer Übergangsphase oder besser gesagt: Am Scheideweg.

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Geschichte von Ostwestfalen-Lippe

Vor bald 2000 Jahren tritt das Weserland zum ersten Mal in das Licht der Geschichte. In der Varusschlacht, 9 n. Chr., überfällt Arminius der Cherusker drei Legionen des römischen Feldherrn und vernichtet sie. Der Bericht des Tacitus über diese für den Fortgang nicht nur unserer Geschichte entscheidenden Schlacht ist durch die Mönche von Corvey überliefert worden. Wenn auch der genaue Ort der Schlacht und manche Umstände bis heute streitig sind, so bleibt ihr unstreitiges Ereignis der endgültige Verzicht Roms auf die Elbgrenze. Durch Heinrich von Kleist und den in Detmold beheimateten Dichter Christian Dietrich Grabbe ist dieses Ereignis in die deutsche Literatur eingegangen. Ein im Stil des 19. Jahrhunderts errichtetes Monument “Der Hermann” mit seinem mächtigen gen Westen drohenden Schwert erinnert seit 1875 an die Schlacht im Teutoburger Wald und hat nach wie vor eine nur schwer zu erklärende Anziehungskraft auf die Menschen unserer Zeit. ..

In den folgenden Jahrhunderten bis zur Karolingerzeit bleibt der Raum geschichtlich im Halbdunkel. Von Norden kommend breiten sich zunächst die Sachsen aus und bilden einen weiträumigen Stammesbereich, der sich in Westfalen, Engern und Ostfalen gliedert. Engern, in der Mitte gelegen, deckt sich in etwa mit dem heutigen Ostwestfalen-Lippe.

Mit den 772 beginnenden Eroberungszügen Karls des Großen wird ein neues, entscheidendes Kapital der Geschichte geschrieben: Die große und erbitterte Auseinandersetzung der von Westen und Süden eindringenden christlichen Franken mit den heidnischen Sachsen unter Herzog Wittekind, die mit dem Schwert missioniert werden sollten. Sie endete im Wesentlichen 785 mit der Unterwerfung und Taufe Wittekinds. Die Erinnerung an diese Vorgänge wird im Bewusstsein der Bevölkerung wachgehalten durch das angebliche Wittekindsgrab in der 947 gegründeten Stiftskirche von Enger. Die erste Königspfalz, die er 776 errichtete und in der im darauffolgenden Jahr die erste fränkische Reichsversammlung stattfand, wurde 778 von den Sachsen zerstört, später aber wieder aufgebaut.

Quelle: Regierungsbezirk Detmold. Ostwestfalen-Lippe. Ein Verwaltungs- und Wirtschaftsraum

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