Das Pferd in Westfalen – Warendorfer Hengstparaden

Das Pferd besitzt in Westfalen viel Anhänger. Man hat friedliche Koppeln mit federnden Böden, und auf abgelegenen Wegen bietet sich Gelegenheit zum Reiten genug. Vor allem, man ist seit alters her dem Pferde verbunden, liebt die Kreatur ohnehin. Daher drängte sich eine unzählbare Menge von Zuschauern unter der Oktobersonne um den Sandplatz, als die Musik aufklang. Was jetzt in dem großen Rechteck anhob, war ein einziges Schauspiel von überschäumender Lebenskraft. Es begann mit dem Unerlässlichen, dem Fahren vom Bock und dem Fahren vom Sattel, dem Reiten und dem Voltigieren, dem Quadrillefahren mit Wagen, dem Ziehen der schweren Schlitten und dem vielspännigen Fahren. Die Sonne brannte, es stob der Sand und von den prallen Leibern der Tiere spritzten die Flocken. Voll Feuer und Wucht stürmten sie durch das große Viereck. Dazu klangen alte Reitermärsche auf, drängten sich die Leute um Würstchenbuden, Bierzelte und Getränkestände. Es war ein Tag voll festlicher Hochstimmung, zu dem die mächtigen Pferdebeine den Rhythmus stampften. Das Schönste aber kam, als die Paradenummern vorüber waren – das Wechseln durch die Bahn, das Galoppieren und Aufmarschieren, das Auffahren und Schwenken der Linie -; das Schönste kam im berauschenden Oktoberlicht, als die schweren Kaltblüterhengste antraten. Mit urzeitlicher Wucht stürmten die massigen Tiere Nase an Nase in ganzen Fronten durch die Bahn wie ein sich drehender Windmühlenflügel, gebildet aus vier Achsen von stampfenden Peferdeleibern, Keuchender Atem durchbebte die Luft, Schau-, Schweißflocken folgen, Sandfontänen spritzten hoch hinaus.

Stunden voll Glanz, Feuer und Begeisterung! Über alle kam der Rausch kreatürlicher Kraft. Das Spiel schlanker Körper auf wirbelnden Beinen, die dröhnende Wucht massiger Leiber über stampfenden Hufen riß alles mit – den Kätner aus dem Paderbörnischen, den Schultenbauern aus der Davert bei Münster, den blassen Stadtmenschen der Hauptstadt und auch den Holländer, der aus dem Gelderland herüber gekommen war.

Quelle: Helmut Domke. Westfalen und Land an der Ruhr

 

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