Ortswüstungen in Westfalen

Von Ralf Keuper

Als Wüstungen werden Orte, Siedlungen oder Wirtschaftsflächen bezeichnet, die aufgegeben wurden, und an die häufig nur noch Urkunden, Flurnamen, Ruinen oder mündliche Überlieferungen erinnern[1]Wikipedia.

Die Ursachen von Wüstungen sind vielfältig.

  • Fehlsiedlung: Rücknahme von Siedlungen, die im Rahmen des Landesausbaus an ungünstigen Standorten gegründet wurden
  • Agrarkrise, Wirtschaftskrise, Missernten
  • Bodendegradation durch Rodung und Übernutzung (unter Einwirkung von Extremwetterereignissen)
  • Bevölkerungsrückgang infolge der Pest
  • Bauernlegen, das heißt Einziehung des Landes durch den Gutsherren
  • Zunehmende Konzentration in Großdörfern
  • Andauerndes Wachstum der Städte
  • Folgen der spätmittelalterlichen „kleinen Eiszeit“ (Mitte 15. Jahrhundert)
  • Kriegsfolgen: Zerstörungen, nicht nur im Dreißigjährigen Krieg

Der wohl größte Verursacher von Wüstungen in Westfalen war die Pest, die vor allem im Paderborner Land dafür sorgte, dass zahlreiche Siedlungen und Dörfer aufgegeben werden mussten. Exemplarisch dafür ist das Sintfeld bei Paderborn[2]Als die Pest das Herz Westfalens entvölkerte.

Der Raum zwischen der Stadt Büren und dem Eggegebirge wurde im 14. Jahrhundert fast vollständig entvölkert. Mitten im Herzen Westfalens war auf mehreren Hundert Quadratkilometern nichts mehr (Rudolf Bergmann)

Laut Rudolf Bergmann, Oberkonservator des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL), gibt es nirgendwo sonst in Mitteleuropa eine vergleichbar hohe Anzahl aufgegebener Siedlungen und Dörfer wie in Westfalen-Lippe. Eine hohe Anzahl weiterer Wüstungen wird in den Kreisen Siegen-Wittgenstein, Olpe und Minden vermutet.

Im Münsterland kam es in der Gegend um Dülmen zu Hofwüstungen im größeren Stil [3]Hofwüstungen im Münsterland.

Der Schwerpunkt der Ortswüstungen in Westfalen liegt in Teilgebieten Ostwestfalens (Kreise Paderborn und Höxter) und Südwestfalens (Kreise Hochsauerland, Olpe, Siegen-Wittgenstein). Im mittleren und westlichen Westfalen kam es dagegen kaum zu Ortswüstungen. Ein Viertel aller bislang lokalisierten Ortswüstungen entfällt auf den Hochsauerlandkreis[4]Ortswüstungen in Westfalen.

Abb.: Verbreitung von Ortswüstungen in Westfalen (Entwurf: R. Bergmann, LWL-Archäologie für Westfalen; Quellen: Bergmann 1989 u. 1993, Dahm/Lobbedey/Weisgerber 1998, Gerking 1995, Henkel 1973, Stephan 1978/79, Wöhlke 1957 u. a.)

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