Ein Kampf um Wiedenbrück

Im Jahre 1543 hatte der Osnabrücker Fürstbischof Franz von Waldeck mit der “Kirchenordnung” des Lübecker Superintendenten Hermann Bonnus in seinem gesamten Sprengel die Reformation eingeführt. Auch die Wiedenbrücker Aegidienkirche mußte sich fügen, obwohl das angeschlossene Kollegiatstift unter Führung des rechtskundigen und geschäftsgewandten Dechanten Heinrich Volmari widersprach und mittels eines beantragten kaiserlichen Schutzbriefes auszuweichen versuchte. Das Stift beharrte zwar weiterhin bei der mittelalterlichen Überlieferung. Aber die bei den von Bonnus eingesetzten Pfarrgeistlichen Johannes Dotte und Franz Hase hielten fortan am Pfarraltar nur mehr lutherischen Gottesdienst, spendeten die Kommunion mit Brot und Wein, versahen die Pfarrgeschäfte in Taufe, Trauung und Beerdigung entsprechend der Kirchenordnung und pflegten in Predigt und Kirchenlied das Luthertum. Wiedenbrück wurde so seit Sommer 1543 mehr und mehr eine lutherische Stadt, die ausgedehntere Aegidienpfarrei ein protestantisches Kirchspiel. Doch hat diese Entwicklung, in solcher Breite wenigstens, nur fünf Jahre gewährt. Nach Annahme des Interims (1548) mußten Dotte und Hase weichen, kehrte die Wiedenbrücker Kirche in Gottesdienst, Lehre und kirchlicher Übung zum Herkömmlichen zurück.

Quelle: Ein Kampf um Wiedenbrück 

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