Industrielle Kulturlandschaft im Ruhrgebiet. Die Geschichte einer schwierigen Annäherung

Das Ruhrgebiet ist bekanntlich weder eine naturräumlich noch historisch einheitlich vorgeprägte Landschaft wie beispielsweise das Münsterland oder das Sauerland. Es ist eine in mehrfacher Hinsicht ungewöhnliche Region, und als eine solche fremdartige, neue, ja exotische und bedrohliche Region wurde sie von den zeitgenössischen Beobachtern vielfach wahrgenommen.

Das Ruhrgebiet entstand bekanntlich auf der Grundlage der Kohlenlagerstätte des Karbons als Industrie- und Siedlungsagglomeration. Seine mit „amerikanischem Tempo“ ablaufende Entwicklung setzte mit dem Übergang der Steinkohlenförderung zu den die Mergeldecke durchstoßenden Tiefbauzechen, mit der Errichtung von Eisenhütten und dem Eisenbahnbau um die Mitte des 19. Jahrhunderts ein. Innerhalb weniger Jahrzehnte wurde aus der beschaulichen bäuerlichen Landschaft eine bis dahin in Deutschland noch nicht gesehene und erlebte Industrielandschaft (HEESE 1941, REIF 1993). …

Die Deutung des Ruhrgebiets durch die zumeist bürgerlich-konservativen Autoren ist in den ersten Jahrzehnten von einer ausgeprägten Distanzierung und Entfremdung gekennzeichnet: Sie empfinden das Ruhrgebiet nicht nur als etwas Neues und unerhört Fremdartiges, sondern auch als etwas Schreckliches, ja sogar Gefährliches und Bedrohliches: Nicht nur die Natur, sondern auch die Kulturlandschaft sei durch die Industrie weitgehend zerstört worden. Entwurzelte, großenteils „vaterlandslose“ und „heimats- fremde“ Arbeitermassen bevölkerten die Landschaft. Hemmungsloses Profitdenken, Materialismus und „Industrialismus“ hätten sich breitgemacht und – horribile dictu – „amerikanische Verhältnisse“ geschaffen. Damit wird das Ruhrgebiet zu einem Gegenbild der „deutschen Kulturlandschaft“, und das meint: der wohlgeordneten und harmonischen vorindustriellen, im Wesentlichen bäuerlichen Kulturlandschaft. …

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