Westfälisches Bier- und Brauwesen

Von Ralf Keuper

Für den Evolutionsbiologen Josef H. Reichholf ist das Bier der Grund, weshalb aus Jägern und Sammlern Ackerbauen wurden. Kein Wunder daher, dass das Bier bei den bodenständigen Westfalen schnell und dauerhaft Wurzeln schlug. Den Anfang machte das Keutbier, das im Mittelalter im westlichen Westfalen, vor allem in Hamm, weit verbreitet war.
Schon damals weckte der wachsende Konsum des Gebräus beim Fiskus Begehrlichkeiten, wie die Grutamstrechnungen der Stadt Münster von 1480 und 1533 belegen.

Die älteste Brauerei Westfalens ist das Brauhaus Stiefel-Jürgens in Beckum, das seit 1680 im Geschäft ist.

Auf eine lange und glorreiche Vergangenheit kann Dortmund, ehemals Europas Bierstadt Nr. 1, zurückblicken. Namen wie Dortmunder Union, Thier, Dortmunder Kronen und Binkhoff´s Nr. 1 sprechen für sich. Wie sehr die Stadt noch immer mit dem Bier verbunden ist, zeigt u.a. das Dortmunder U – Zentrum für Kunst und Kreativität, das im ehemaligen Gär- und Lagerhaus der Dortmunder Union Brauerei beheimatet ist . Bis zum Jahr 2004 residierte in Dortmund der 1972 entstandene größte deutsche Getränkekonzern, die Brau und Brunnen AG . Das Unternehmen ging in den Besitz der Radeberger-Grupppe über, Deutschlands größte Privat-Brauereigruppe, die wiederum zur Oetker-Gruppe aus Bielefeld gehört. In Dortmund existiert auch das Brauereimuseum, das einen Einblick in die Dortmunder Braugeschichte gibt.

Eine der größten Privatbrauereien Deutschlands ist Krombacher aus Kreuztal im Siegerland. “Die Sorte Krombacher Pils ist mit 4,4 Mio. hl die meistgekaufte Marke Pilsner Bier Deutschlands; das alkoholfreie Bier ist Marktführer in dieser Sparte”. Ebenfalls nicht von Pappe sind Warsteiner und Veltins .
Damit kommen drei der größten Privatbrauereien Deutschlands aus Südwestfalen.

Neben den überregional ausgerichteten Großbrauereien existieren in Westfalen noch einige inhabergeführte Brauereien mit regionalem Schwerpunkt. Beispiele dafür sind die Potts Brauerei aus Oelde , Ernst Barre aus Lübbecke, Westheim aus dem gleichnamigen Ort im Sauerland, Hohenfelder aus Langenberg (Kreis Gütersloh) und Strate aus Detmold; letztere nach eigener Aussage eine der schönsten Brauereien Deutschlands. Mit Preisen bereits mehrfach ausgezeichnet für sein Landbier wurde Warburger Bier. In Rhede, einem Stadtteil von Brakel, braut die Schlossbrauerei Rheder seit mehr als 325 Jahren ihr Pils.

In den letzten Jahren sind auch in Westfalen Brauhäuser wie Pilze aus dem Boden geschossen, wie in Havixbeck bei Klutes, die kürzlich mit dem Westfalenbier den großen Brauereien den Kampf angesagt haben.
Als einer der ersten überhaupt diesen “Trend” erkannt, eigentlich begründet, hat Pinkus Müller aus Münster, älteste Bio-Brauerie der Welt und letzte Altbierbrauerei der Stadt.

Die bereits erwähnte lange und glorreiche Tradition des Brauwesens im Ruhrgebiet vertreten heute Bergmann Bier in Dortmund, die Schlegel-Scharpenseel-Brauerei aus Bochum und Moritz Fiege , ebenfalls aus Bochum.

Wo das Bier so fest in der Kultur verankert ist, da darf die literarische Beschäftigung mit diesem “Grundnahrungsmittel” nicht fehlen, wie es Jobst Schlennstedt mit dem Krimi Westfalenbräu und Volker Jakob mit Westfälisches Bier getan haben.

Weitere Informationen:

Zur Geschichte der westfälischen Brauwirtschaft im 19. und 20. Jahrhundert

Die Entwicklung des Brauereiwesens in Westfalen

Biermarkt und Bierkonsum im 19. und 20. Jahrhundert

Brauereien im Münsterland: Regionale Biersorten liegen im Trend

Sonderschau im Brauereimuseum: „Vom Korn zum Bier. Der erstaunliche Aufstieg Westfalens zur Brauregion Nr. 1“

Dortmund: Die einzig wahre Bierstadt

500 Jahre Braukunst: große Schau in Dortmund

In Münster hat Bier eine lange Geschichte: Der Bierkrieg von 1895

Bier gibt’s in Bottrop seit 1000 Jahren

„Münsteraner Bierfest“ Handgemachte Hopfenkunst

Heimatmuseum zeigt Exponate zum Brauwesen in Wittgenstein

Mescheder Mönche lassen Bier brauen

Friedenreiter Bräu: Ein echtes Bio Craft Beer

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