Elisabeth von der Pfalz – Fürstäbtissin des Reichsstifts Herford und Förderin der Wissenschaft

Von Ralf Keuper

Elisabeth von der Pfalz zählt zu den ungewöhnlichsten Frauen des 17. Jahrhunderts. Das nicht nur wegen ihrer adeligen, königlichen Herkunft, sondern vor allem auch aufgrund ihrer ausgedehnten Korrespondenz mit den führenden Geistern ihrer Zeit, darunter René Descartes und Gottfried Wilhelm Leibniz.

Elisabeth von der Pfalz stand in ihren letzten Lebensjahren mit zwei der bedeutendsten Philosophen dieser Zeit in Verbindung. Mit dem Franzosen Malebranche und dem Deutschen Leibniz pflegte sie einen Briefwechsel. Philosophie und Theologie des Malebranche, der seine Lehre in dem Satz zusammenfaßte “Wir sehen alle Dinge in Gott”, wiesen auf die Mystik, zu der sich Elisabeth hingezogen fühlte. Sie war es, die Leibniz auf die “Christlichen Unterhaltungen” hinwies. Leibniz schrieb daraufhin an Malebranche, er habe sein Buch durch die Gunst der Prinzessin Elisabeth erhalten, einer Prinzessin, die ebenso berühmt sei durch ihre Wissenschaft wie durch ihre Geburt. Sie urteile sehr günstig darüber, wie ja in der Tat sehr viel Geistreiches und Gediegenes darin enthalten sei (Quelle: Internet-Portal “Westfälische Geschichte” Elisabeth von der Pfalz)

Nach einigen Stationen gelangte Prinzessin Elisabeth von der Pfalz schließlich auf eigenen Wunsch nach Herford, wo sie als Fürstäbtissin des Reichsstiftes Herford eingeführt wurde. Ein Amt, das sie bis zu ihrem Tode ausübte.

Auch in Herford hatte Elisabeth von der Pfalz an wissenschaftlichen Forschungen großes Interesse:

Das wissenschaftliche Interesse der Äbtissin war also auch in ihrem neuen Amte in Herford durchaus nicht erloschen. 1677 weilte bei der toleranten Fürstäbtissin als Gast der katholische Fürstbischof von Paderborn, Ferdinand von Fürstenberg. Aus seiner Feder stammen die “Monumenta Paderbornensia”. In Begleitung des Bischofs befand sich der Wissenschaftler Nikolaus Schaten, der mit anderen Gelehrten der Gesellschaft Jesu die Annales Paderbornenses bearbeitete. Bereitwillig erhielten die Besucher für ihre gelehrten Forschungen Zutritt zum Stiftsarchiv. Nach Besichtigung des Reichsstiftes und des Stiftes auf dem Berge erhielt der Fürstbischof aus dem Münsterschatz zwei Armreliquien der Kaiserin Kunigunde und des Märtyrers Ambrosius als Abschiedsgeschenk (ebd.).

Herford profitierte von dem Bildungs- und Forschungseifer der Prinzessin und Äbtissin besonders:

Während der Regierungszeit der Äbtissin. Elisabeth wurde die Bibliothek der alten Abtei Herford um manche Kostbarkeit vermehrt. Die Beziehungen der gelehrten Prinzessin zu Wissenschaftlern und Theologen vieler Länder kamen ihr bei diesen Bestrebungen entgegen. Leider ist die bedeutende Bibliothek bei der Säkularisation der Fürstabtei Herford am Anfang des 19. Jahrhunderts völlig zugrunde gegangen (ebd.).

Vor einigen Jahren wurde der Briefwechsel zwischen René Descartes und Elisabeth von der Pfalz als Buch veröffentlicht.

In der Beschreibung heisst es:

Der Briefwechsel zwischen René Descartes (1596–1650) und Elisabeth von der Pfalz (1618–1680) gehört zu den eindrücklichsten philosophischen Dokumenten der Frühen Neuzeit. Die rund 60 erhaltenen Briefe, welche die junge Prinzessin und der berühmte französische Philosoph von Mai 1643 bis Dezember 1649 austauschen, zeigen auf engstem Raum die wissenschaftlichen Auseinandersetzungen und gedanklichen Umbrüche im Europa des 17. Jahrhunderts.

Trotz ihrer fruchtbaren Zeit in Herford hat sich bisher die Forschung noch nicht mit den Auswirkungen ihrer Arbeit auf das Stift Herford beschäftigt, wie Ute Küppers-Braun in ihrer Rezension des Buches Elisabeth von der Pfalz, Äbtissin von Herford, 1618-1680 festhält:

Vielleicht ist im Verlust dieser Quellen einer der Gründe zu sehen, dass ein wesentlicher Aspekt der Biographie fehlt: Elisabeth und das Stift Herford. Man vermisst in dem vorliegenden Band sowohl einen Beitrag zu Elisabeths Tätigkeit als Regentin ihres kleinen Fürstentums bzw. als Vorsteherin ihres Kapitels als auch zur Einordnung der Gesamtinstitution in den Verfassungsorganismus des Alten Reiches. Wer eine solche Verortung von dem ersten Beitrag “Die Reichsabteien im Verfassungssystem des Alten Reiches” erwartet, wird enttäuscht. Wolgast referiert im Wesentlichen seine bekannten Ergebnisse im Hinblick auf die mittelalterliche und reformationszeitliche Reichskirche mit dem Schwerpunkt auf den von Männern besetzten Reichsklöstern, -abteien und Domkapiteln. Herford und die gerade in der Frühen Neuzeit zum Vergleich heranzuziehenden höchst interessanten anderen hochadeligen freiweltlichen Damenstifte (Essen, Gandersheim, Quedlinburg) bleiben bei Wolgast marginal, zumal er hier – wenn überhaupt Bezug genommen wird – nur Überblickswerke zugrunde legt; Thorn/NL, Vreden, Buchau, St. Ursula in Köln und Elten, das zeitweise vor Elisabeths Amtszeit in Personalunion mit Herford regiert wurde, werden gar nicht erwähnt.

Weitere Informationen:

Der Philosoph und die Prinzessin: Religionsfreiheit und emotionale Intelligenz

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