“Staat und Wirtschaft im Fürstentum Paderborn im 18. Jahrhundert” von Alfred Hegen

Von Ralf Keuper

Bis in unsere Tage hinein hält sich, insbesondere im ehemals Minden-Ravensbergischen Raum (Gütersloh, Minden, Bielefeld), das Gerücht, das Hochstift Paderborn sei wegen seiner “religiösen” Eigenheiten wirtschaftlich rückständig.
Dieser Eindruck mag auf den ersten Blick auch heute noch entstehen, gelten die Kreise Gütersloh und Minden-Lübbecke als die mit Abstand wirtschaftsstärksten der Region Ostwestfalen-Lippe. Übersehen wird dabei der enorme Aufholprozess und Strutkurwandel der Region, der nirgends so sichtbar ist wie in der Stadt Paderborn. Aber auch die ländlichen Regionen, mit Städten wie Delbrück, Hövelhof, Salzkotten und Büren sind wirtschaftlich alles andere als zurückgeblieben. Etwas anders verhält es sich mit dem Landkreis Höxter.

Im Jahr 1977 ging Alfred Hegen in seinem Buch “Staat und Wirtschaft im Fürstentum Paderborn im 18. Jahrhundert” der Frage nach, woher dieses Vorurteil stammt und welchen Wahrheitsgehalt es besitzt. Ergebnis ist ein differenzierteres Bild – nicht nur was das Hochstift Paderborn, sondern ganz generell die These betrifft, die einen engen Zusammenhang zwischen religiöser Zugehörigkeit und wirtschaftlichem Wohlstand herstellt, wie sie vor allem durch die inzwischen legendären Untersuchungen Max Webers zur protestantischen Ethik berühmt geworden sind.

Die eigentliche Ursache für die wirtschaftliche Rückständigkeit des Hochstifts Paderborn im Vergleich zu anderen, längst nicht allen, Landstrichen Preußens, liegt für Hegen in einer verfehlten Wirtschaftspolitik, die fast ausschließlich die Erhöhung der staatlichen Einnahmen im Auge hat, ohne zu versuchen, die Einkommenssituation der Bewohner durch gezielte staatliche Investitionen zu verbessern, was wiederum eine Erhöhung der staatlichen Einnahmen zur Folge gehabt hätte. Diese Sicht war – mit Ausnahme Antons von der Asseburg – den Paderborner Regenten schlicht versperrt.

Die eingeschränkte Sicht der Paderborner Landesfürsten ist dabei weniger eine regionale Besonderheit, als vielmehr quasi natürlich Ausdruck einer Wirtschaftslehre, die sich noch an einer göttlichen Ordnung orientierte, in die weder Staat noch Individuum eingreifen dürfen.

Erst mit Wilhelm Anton von der Asseburg zieht ein neuer Geist in die Verwaltung ein. Anders als seine Vorgänger und Nachfolger erkennt er die Bedeutung staatlicher Gewerbeförderung für die “allgemeine Landeswohlfahrt”. So werden in die Verwaltungen moderne Methoden, wie Statistiken, eingeführt, die erst eine gezielte, heute würde man sagen: nachhaltige Wirtschaftspolitik ermöglichen.

Zum Schluss kommt Alfred Hegen auf seine Ausgangsthese zurück, die er zwar nicht zurücknimmt, wohl aber relativiert und dabei mit hartnäckigen Vorurteilen aufräumt.

Weitere Informationen:

Vom Einfluss der Religion auf die Wirtschaft

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