“Die Hanse und Westfalen. Ein Aufbruch nach Europa” von Bernhard Gurk

Von Ralf Keuper

Westfalen und die Hanse sind eng miteinander verbunden. Zahlreiche Kaufleute der Hanse stammten aus Westfalen. Der Aufstieg Lübecks zum eigentlichen Haupt der Hanse geht zu weiten Teilen auf Westfalen zurück, die als Kaufleute und Bürgermeister das Geschick der Stadt mit gestaltet haben. Vor diesem Hintergrund ist es nur folgerichtig, dass ein Buch wie Die Hanse und Westfalen sich dieser Beziehung annimmt.
Das Buch berichtet von den Gotlandfahrern, vom Stalhof in London und den verschiedenen Kontoren der Hanse im Baltikum.
Gewürdigt werden selbstverständlich auch die bedeutendsten westfälischen Hansestädte Soest, Dortmund, Münster, Osnabrück und Herford.
Die Anfänge der westfälischen Handelsverbindungen reichen jedoch bis weit in die Zeit vor der Hanse:

Belegt ist, dass die Westfalen schon in vorhansischer Zeit über Bremen mit den skandinavischen Ländern und über Gotland in Russland Handel getrieben haben. Zur gleichen Zeit standen sie in einem regen Warenaustausch mit dem Rhein und den Niederlanden. Über den Hellweg strebten sie in Sachsen nach Braunschweig und Magdeburg. All diese Beziehungen, insbesondere zu den Niederlanden und nach Flandern hin, wurden in der Hansezeit noch ausgebaut. … Es ist überliefert, dass schon in früher Zeit Kaufleute aus ganz kleinen Städten weit über Westfalen hinaus Handel getrieben haben und dabei in den Kontoren .. den Fernhändlern der übrigen Hansestädte gleichgestellt waren. …

Westfalen hatte aufgrund seiner geografischen Lage und des ausgeprägten Erwerbssinns seiner Bewohner eine Schlüsselstellung in der Hanse:

So wie die Hanse in Europa in mehrfacher Hinsicht eine Mittlerrolle einnahm, war auch Westfalen im innerhansischen Bereich eine wichtige Brückenlandschaft: Brücke zwischen den Rheinlanden und dem Ostseeraum, über den Hellweg nach Sachsen, aber ebenso Brücke zu den Nordseeküstenländern, den Niederlanden und Ostfriesland. … Als Binnenland aber war Westfalen auch eine wichtige Produktionsbasis für Handelswaren, dabei waren Woll- und Leinwanderzeugnisse zunächst bis zum 15. Jahrhundert die bei weitem wichtigsten Produkte der Westfalen. Das Saatgut für Leinen und Flachs brachten die Kaufleute aus Ostpreußen. Die Ordensritter wiederum ließen sich – ganz besonders von den Ostwestfalen – mit Tuchen, Leinwand und Leingarn beliefern.

Das und noch vieles mehr macht die Lektüre – nicht nur für Westfalen, sondern für alle an der Wirtschaftsgeschichte Europas interessierte Personen – lohnend.

Weitere Informationen:

Die westfälischen Kaufleute der Hanse

Die Rolle Westfalens zur Zeit der Hanse

Die Hanse und Westfalen

Die ostwestfälische Hanse

Dieser Beitrag wurde unter Geschichte abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.