Robert Spaemann zum 90.

Von Ralf Keuper

Vor wenigen Tagen wurde der Philosoph Robert Spaemann 90 Jahre alt. Spaemann wuchs in Dorsten auf.

In der FAZ würdigt Jürgen Kaube den Philosophen in dem Beitrag Das Beste haben wir nicht selbst gemacht. Kennzeichnend für Spaemanns Denken ist (nicht nur) für Kaube:

Der Mensch hat weder die Gesellschaft gemacht (sie war immer schon da) noch die Sprache (in welcher hätte man sich auf sie einigen können?) noch überhaupt etwas im strikten Sinne geschaffen. Für Robert Spaemann folgte daraus, dass alles Notwendige immer schon da war und das Wirklichste zugleich auch dasjenige ist, was sich nicht ersetzen lässt. Sogar einen eigenen Gottesbeweis hat er aus dieser Überzeugung abgeleitet. Wir können, so das Argument, nicht anders, als ein Bewusstsein anzunehmen, dem alles, was einst wirklich war, auch dann noch präsent ist, wenn alles vergangen sein wird. Zu jeder Vergangenheit gehört eine Gegenwart, für die sie Vergangenheit ist. Und also müsse es, wenn alles das Zeitliche gesegnet hat, noch jemanden geben, der das feststellt.

Der gläubige Katholik Spaemann meldet sich immer wieder zu Wort, wie in dem Interview Der Weg in die Frustration. Darin sagt er zum Ende:

Es muß Schluß sein mit Orientierungen, die am Ende nur neue Frustrationen produzieren. Die Zukunft des Glaubens hängt davon ab, daß der Glaube als eine Quelle der Freude sichtbar wird. Der Mensch kann nichts Gutes und Richtiges tun ohne Freude. Und die Freude, die etwas ganz anderes ist als ein keep smiling, ist unzertrennlich geknüpft an die Eindeutigkeit des Zeugnisses. Zu lange schon spielen sich Theologen als „Herren unseres Glaubens“ auf, statt „Diener unserer Freude“ (Paulus) zu bleiben. Nur wenn die falschen Erwartungen offensiv als illusionär und unbegründet aufgewiesen werden, wird der Glaube wieder als Quelle der Freude sichtbar. Die Neuevangelisierung hängt davon ab. Denn am Ende wendet sich jeder dorthin, wo er die tiefste Freude erwartet.

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Westfälische Philosophen

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