Sollten sich die Finanzplätze in Nordrhein-Westfalen vereinigen?

Von Ralf Keuper

Mit Düsseldorf, Köln, Dortmund und Münster besitzt Nordrhein-Westfalen mehrere Finanzzentren, wobei Düsseldorf alle anderen an Bedeutung übertrifft. Um als Finanzplatz attraktiv für potenzielle Mitarbeiter zu bleiben, plädiert Tobias Rafael Finke in Finanzplätze, vereinigt euch! dafür, dass Rheinländer und Westfalen ihre Kräfte auf Düsseldorf/Rheinland und Dortmund/Münster/Westfalen konzentrieren. Parallel dazu sollten die beiden Zentren kooperieren. Ob die Kölner bereit sind, sich Düsseldorf unterzuordnen, und Dortmunder und Münsteraner die Nähe suchen, sei dahin gestellt.

In den letzten Jahren hat der Finanzplatz NRW, wie im Rest der Republik auch, deutlich Federn gelassen (Vgl. dazu: Bankenstandort Nordrhein-Westfalen besticht durch Stärke und Vielfalt – tatsächlich?). Wie in der Studie Die FinTech Startup-Ökosysteme in Deutschland dargestellt, ist der Raum Köln/Düsseldorf als Standort für Fintech-Startups in NRW einsam an der Spitze. Hier haben Dortmund und Münster nicht allzu viel zu bieten. Dortmunds Stärke liegt im E-Commerce und in der Logistik. Münster ist ebenfalls im E-Commerce stark. Die Stadt könnte ein wichtiger Standort für die Handelsfinanzierung werden. Exemplarisch dafür ist tr8fin. Übrigens: Der Gründer der solarisBank und von Finleap, Jan Beckers, kommt aus Münster.

Neben den genannten Städten ist Bielefeld als Zentrum der Industrieregion Ostwestfalen-Lippe ein geeigneter Standort für das Industrial Banking, d.h. für die Verbindung des Industriellen Internets der Dinge mit Banking/Financing. Die ostwestfälischen Hersteller der elektrischen Verbindungs- und Automatisierungstechnik, wie Phoenix Contact, Wago, Beckhoff, Harting und Weidmüller, haben zusammen ein Weltmarktanteil von 75%. Bielefeld käme auch als Testlabor für die Verbindung der Blockchain mit dem Industriellen Internet der Dinge in Frage.

Neben Ostwestfalen ist Südwestfalen eine weitere wichtige Industrieregion – Deutschlands drittstärkste. Auch dort wird ein Industrial Banking Hub benötigt. Für das Ruhrgebiet könnte Dortmund die Rolle eines Logistik/supply chain financing Hub übernehmen.

Düsseldorf und Köln sind neben ihrer Rolle als Zentren für Fintech-Startups für das Corporate Banking, Kapitalmarkt- und das internationale Geschäft besonders gut geeignet. Als Börsenplatz und Sitz der Landeszentralbank übernimmt Düsseldorf ohnehin die führende Rolle unter den Finanzplätzen in NRW. Jeder Finanzplatz konzentriert sich auf seine Stärken und sucht die Kooperation eben dort, wo das eigene Know How oder Netzwerk nicht ausreicht.

Zuerst erschienen auf Bankstil

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