Untergegangene Unternehmen aus Westfalen: Orga Card

Von Ralf Keuper

Sie wurde schon mal Kronjuwel der Bundesdruckerei aus Paderborn genannt: Die Orga Kartensysteme GmbH, über Jahre einer der führenden Hersteller von Smart Cards in Deutschland, ja Europa. Auf seinem Höhepunkt beschäftigte das Unternehmen ca. 1.400 Mitarbeiter. Hauptstandorte waren Paderborn (Zentrale) und Flintbeck bei Kiel. So rasant, wie das Unternehmen aufstieg, so ging es auch bergab, wie u.a. in Chipkarten von der Pader nachzulesen ist.

Orga leistete echte Pionierarbeit:

1985 stellte ORGA eine Chipkarte mit einem EEPROM vor: Dieser Speicher wird mit Strom gelöscht und danach neu beschrieben. Die Karte war die erste, die man frei programmieren konnte; so ließen sich viele Applikationen erproben. Sie trug einen Acht-Bit-Prozessor und fasste ein Kilobyte. Inzwischen hatte sich ein zweiter Paderborner Uni-Absolvent dem ORGA-Team angeschlossen: Bernd Deutschmann schuf das Betriebssystem des Prozessors. Den ersten Auftrag erteilte die Gesellschaft für Zahlungssysteme in Frankfurt am Main.

Das Unternehmen hatte mehrere Eigentümer, darunter die bereits erwähnte Bundesdruckerei. Seit 2002 kam das Unternehmen nicht mehr aus dem Krisenmodus. Auch die Mitarbeit an der Elektronischen Gesundheitskarte vermochte die Lage nicht zu bessern. Die neuen Eigentümer wurden mit Orga nicht mehr glücklich. Das Unternehmen lebte noch einige Zeit als Sagem Orga, Orga Systems und Morpho Card weiter, bis auch hier Schluss war.

Der IT-Standort Paderborn hat nicht nur den Verlust der Nixdorf Computer AG, sondern eben auch den von Orga Card zu beklagen. Für einige Jahre war man in Paderborn im Bereich Computer und Smartcard, den damals vielversprechendsten Märkten im ITK-Sektor, führend. Davon ist nicht mehr allzu viel übrig geblieben. Der Standort befindet sich in einer Übergangsphase oder besser gesagt: Am Scheideweg.

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