Blockchain für Westfalen

Von Ralf Keuper 

Dass die Blockchain-Technologie großes Potenzial hat, war auf diesem Blog erst kürzlich in Zu Besuch beim #OWL Meetup Blockchain im Denkwerk (Herford) ein Thema. Jedoch eignet sich die Blockchain nicht für jeden Anwendungsfall (Vgl. dazu: Blockchain vs. relational database: Which is right for your application?).

Wo könnte die Blockchain in Westfalen sinnvoll eingesetzt werden?

Energie: WestfalenStrom 

Hier lohnt sich der Blick in das Rheinland. Dort ging bereits das Pilotprojekt RheinlandStrom an den Start (Vgl. dazu: Blockchain im Energiesektor – Pilotprojekt RheinlandStrom).

Zur Zielsetzung:

RheinlandStrom ist eine Plattform zur regionalen Vermarktung von Grünstrom

Mit dem Projekt soll der politische Wille nach einer Stärkung der Region Rheinland unterstützt werden.

Teilnehmer, Akteure sind:

  • Anlagenbetreiber, die einen Zusatzverdienst realisieren können.
  • Verbraucher, die ihren Stromverbrauch regionalisieren

In dem Vortrag Blockchain im Energiesektor Wegbereiter für eine echte dezentrale Energiewelt wird als weiteres Beispiel u.a. das Brooklyn Microgrid Projekt vorgestellt bzw. erwähnt.

Insofern wäre es eine Überlegung wert, für Westfalen das Pilotprojekt WestfalenStrom in Angriff zu nehmen. Die Windenergie könnte hier ein Vorreiterrolle übernehmen.

Eines sollte man allerdings beim Einsatz der Blockchain im Energiesektor beachten: Die Blockchain ist ein Energiefresser. Wir haben es hier also mit einer leicht paradoxen Situation zu tun.

Industrie 

Westfalen ist eine der am meisten industrialisierten Regionen Deutschlands. Südwestfalen gilt als drittgrößte Industrieregion Deutschland, Ostwestfalen-Lippe ist nach Stuttgart Hochburg des Maschinenbaus und auch sonst, man denke an die Elektrische Verbindungstechnik und den Spitzencluster it’s owl, führend im Bereich Industrie 4.0. Auch das Münsterland verfügt über einen hohen Anteil produzierenden Gewerbes.

In Darum sollten sich Industrieunternehmen mit Blockchain beschäftigen benennen Wolfgang Pilz und Thomas Rose vom Fraunhofer FIT möglich Einsatzszenarien der Blockchain in der Industrie.

Die Blockchain-Technologie bietet der Industrie eine Plattform, in der man Daten, Werte oder Eigenschaften von Dingen irreversibel in einem Netzwerk abspeichern kann. Registriert werden können zum Beispiel Produktionsdaten oder wichtige Messwerte, aber auch Verträge oder Abkommen, auf die man sich geeinigt hat. So schafft man innerhalb eines Produktions- oder Supply-Chain-Netzwerks eine für alle Teilnehmer vertrauenswürdige Plattform. Mit der Blockchain lässt sich somit Vertrauen schaffen zwischen Partnern, die sich noch nicht aus bestehenden Prozessen kennen.

Diese Idee aufgenommen hat, so weit ich das beurteilen kann, das Projekt Smart Objects und Smart Finance Ansätze (SOFiA), das unter der wissenschaftlichen Leitung des Fraunhofer Instituts für Materialfluss und Logistik in Dortmund und unter Beteiligung von Claas und Diebold Nixdorf betrieben wird.

Verwaltung und Kommunen

Wie aus dem Vortrag Blockchain – Ausblick auf Bedeutung und weitere Anwendungsmöglichkeiten hervorgeht, könnten die Kommunen auf Basis einer Private Blockchain die Elektronische Beglaubigung durchführen. Vorstellbar wäre auch, dass die Kommunen zu einem Treuhänder der Digitalen Identitäten der Bürger avancieren; quasi eine Westfalen-ID, analog zur e-Residency in Estland. Ohnehin bestehen ja enge historische Verbindungen zwischen dem Baltikum und Westfalen.

Smart City 

Von großer Bedeutung ist die Verwendung der Blockchain-Technologie im Zusammenhang mit der Smart City. Dabei stellt sich die Frage nach dem Eigentum an den Daten, die von öffentlichen Betrieben und den Verwaltungen erzeugt werden. Wie macht man die Daten handelbar, wie lassen sich die Daten so aufbereiten, dass sich von anderen für ihre Zweck und nach Möglichkeit zum Wohle aller verwendet werden können? Wie kann eine Kommune, wie kann ein Nutzer ihre bzw. seine Datensouveränität behaupten; inwieweit kann eine Kommune oder ein öffentlicher Dienstleister dabei unterstützend wirken? Vorstellbar wäre ein Verbraucherzentriertes Datenportal, wie es der Sachverständigenrat für Verbraucherfragen empfiehlt.

Darüber hinaus gibt es sicherlich noch weitere Einsatzszenarien.

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