Mit ihrer zweibändigen Dissertation hat Petra Meuwsen der westfälischen Landesgeschichte ein neues Fundament gelegt. Ihre Untersuchung der ministerialen Ritter an der mittleren Ruhr zwischen 1250 und 1350 ist weit mehr als eine quellengestützte Detailstudie – sie ist eine präzise Rekonstruktion jener sozialen Zwischenwelt zwischen freiem Adel und unfreien Dienstleuten, die das Mittelalter im Ruhrgebiet prägte, so Vera Dinslage in ihrer Rezension auf H Soz Kult.
Der erste Band entfaltet Meuwsens methodisches Konzept und die Ergebnisse aus zwölf klar formulierten Forschungsfragen. Im Mittelpunkt stehen zehn eng verflochtene Familien, deren Besitz, Gefolgschaften und Loyalitäten sie mit bewundernswerter Akribie aufarbeitet. Der zweite Band liefert das dazugehörige Regestenwerk aus über 800 Urkunden – eine Datenbank in Buchform, die Besitzverhältnisse, Siegel, Stammbäume und Quellensignaturen zusammenführt.
Auffällig ist Meuwsens digitale Arbeitsweise, die sie trotz der Beschränkungen des Druckformats sichtbar macht: farblich kodierte Stammbäume, klare typografische Strukturen, nachvollziehbare Genealogien. Ihre Entscheidung, Namen und Ortsbezeichnungen nicht zu normalisieren, bewahrt den Quellencharakter und verhindert nachträgliche Glättungen – ein methodischer Fortschritt, der prosopographische Forschung künftiger Generationen prägen dürfte, so Dinslage.
Inhaltlich räumt Meuwsen mit alten Mythen auf: Ministeriale erscheinen hier nicht länger als bloße Gefolgsleute der Grafen, sondern als eigene Akteure mit kleinen Gefolgschaften, Besitz und regionaler Machtbasis. Ihre Studie zeigt eindrücklich, dass Mobilität, Netzwerke und wechselnde Bindungen das Rückgrat der spätmittelalterlichen Gesellschaft bildeten.
Mit dieser Dissertation schließt Meuwsen laut Dinslage eine empfindliche Forschungslücke zur adligen Sozialstruktur im westfälischen Spätmittelalter und bietet zugleich ein praktisches Nachschlagewerk für alle, die mit Urkunden, Siegeln und Familien der Region arbeiten. Wer künftig die Geschichte des Ruhrgebiets im Mittelalter erzählen will, wird an diesem Werk kaum vorbeikommen.
Quelle:
Vera Dinslage, Rezension zu: Meuwsen, Petra: Ministeriale und Ritter an der mittleren Ruhr bis zum Jahr 1350. Fallstudie anhand der Familien Altendorf, Eickenscheidt, Duker, Holtey, Horst, Leithen, Leythen, Lüttelnau, Schalke und Vittinghoff. Teil 1: Untersuchung. Hamburg 2023 , ISBN 978-3-339-13300-7 / Meuwsen, Petra: Ministeriale und Ritter an der mittleren Ruhr bis zum Jahr 1350. Fallstudie anhand der Familien Altendorf, Eickenscheidt, Duker, Holtey, Horst, Leithen, Leythen, Lüttelnau, Schalke und Vittinghoff. Teil 2: Regestenbuch Mittlere Ruhr. Hamburg 2023 , ISBN 978-3-339-13302-1, in: H-Soz-Kult, 03.12.2025, https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-156334.
