Die existenzbedrohende Krise von Claas zu Beginn der 1970er Jahre

Von Ralf Keuper

Im Jahr 1972 war die Lage beim Harsewinkeler Landmaschinenhersteller Claas so bedrohlich, dass die damalige NRW-Landesregierung das Unternehmen mit einer Bürgschaft in Höhe von 40 Mio. DM stützen musste. Ohne die Bürgschaft wäre Claas in die Insolvenz geschlittert. Das manager magazin berichtete im September 1972 in Gebr. Claas. Familienstreit bis zur Krise über die ernste Lage, in welche die Familienstämme das Unternehmen gebracht hatten. Während der 1960er Jahre hatten die zwölf Familiengesellschafter 200 Mio. DM aus der Firma gezogen, statt das Geld oder einen Teil davon zu investieren. Besonders die Tatsache, dass die Erst- und Zweitgeborenen der Gründer das Unternehmen quasi als Geburtsrecht leiteten, sorgte nach Ansicht der Kommentatoren zu einem Missmanagement, welches das Unternehmen fast die Existenz gekostet hätte. Walter Claas, einer der Erstgeborenen und damals in der Geschäftsführung zuständig für den Absatz, attestierte seinem Vetter Helmut recht unverblümt:

Ich bin nicht in der Lage, das Unternehmen zu leiten. Du, Helmut, bist es auch nicht. Du weisst es nur noch nicht.

Auf Druck der Landesregierung legten alle Familienmitglieder ihre Führungsämter nieder. Mit der Sanierung beauftragt wurde Hermann Hermes. Bereits im Jahr 1973 konnte Hermes, begünstigt durch die gute Landmaschinenkonjunktur, einen Bilanzgewinn ausweisen, bis 1976 sogar den Verlustvortrag von 90 Mio. DM tilgen, so das manager magazin in seiner Ausgabe vom Juni 1983 (Das Comeback des Clans).

Er baute die teuren kurzfristigen Kredite ab, tilgte die landesverbürgten Darlehen vorzeitig und steigerte den Anteil des Eigenkapitals an der Bilanzsumme bis 1977 wieder auf gesunde 42 Prozent.

Nachdem sich Firmenpatriarch August Claas endgültig auf sein Altenteil zurückgezogen hatte, übernahm dessen Sohn Helmut Claas im September 1975 das Technik Ressort. Drei Jahre später verdrängte Helmut Claas den erfolgreichen Sanierer Hermes aus dem Unternehmen und übernahm fortan selbst den Chefsessel. Gehen musste auch der Controller Norbert Lorentz, den die Banken und Aufsichtsräte installiert hatten.

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