Hans Wollschläger: Ein Ostwestfale in der Weltliteratur

Von Ralf Keuper

In diesem Jahr wird an mehreren Orten des 10. Todesjahres von Hans Wollschläger gedacht. Wollschläger, in Minden geboren und in Herford aufgewachsen, ist wohl nur in Fachkreisen bekannt. Vor allem als Übersetzer, z.B. des sperrigen Werkes Ulysses von James Joyce, erlangte Wollschläger hohes Ansehen in der Literaturszene. Aber auch sonst war Wollschläger künstlerisch vielseitig begabt, worauf im vergangenen Jahr die Ausstellung Hans Wollschläger. Licht ist meine Lieblingsfarbe. Ein Ostwestfale in der Weltliteratur aufmerksam machte.

Die meiste Zeit seines Lebens verbrachte Wollschläger in seiner Wahlheimat Bamberg. Das Verhältnis zu Bamberg wird in Wollschläger: Gegenteil eines Schwätzers als ambivalent beschrieben. Bereits 1976 griff der Spiegel die Beziehung Wollschlägers zu Bamberg in Odysseus in Bamberg auf.  Laut des Literaturprofessors Wulf Segebrecht wird Wollschläger als Schriftsteller kaum in die Literaturgeschichte eingehen. Als Übersetzer dürfte er dagegen noch lange im Gedächtnis bleiben:

Und dann bleibt Hans Wollschläger als wortmächtiger Übersetzer des „Ulysses“ von James Joyce erhalten. Ebenso bleiben seine frühe Karl-May-Biografie (1965), sein stetes Werben um den angeblich unterschätzten, als Jugendautor abgestempelten Epiker. Die (wenn auch zuletzt getrübte) Freundschaft und Zusammenarbeit mit Arno Schmidt. Die große Friedrich-Rückert-Edition, der Wollschlägers Einsatz bis in die letzten Lebensjahre galt. Sein schriftlicher Nachlass, der in der Staatsbibliothek Bamberg aufbewahrt und gesichtet wird.

Eine Einschätzung die Paul Ingendaay in Zum Tode Hans Wollschlägers: Der größte aller Diener teilt(e).

Im Bamberg stand Wollschläger in regem Kontakt mit dem Professor für Neuere deutsche Literatur, Heinz Gockel, der in der Gegend um Paderborn aufwuchs, wie in Feurige Liebe zum Wort zu erfahren ist. In Bamberg richtete die dortige VHS kürzlich die Hommage Wollschläger lesen! aus.

Erst kürzlich veröffentlichte der bereits erwähnte Wulf Segebrecht einen verspäteten Brief unter dem Titel Hans Wollschläger als Rezensent.

Segebrecht schreibt zum Schluss:

Sie sind eben durch und durch – pardon! – ein Universalgenie. Bewohner von Himmel und Hölle zugleich. Kein Wunder, dass mir niemand zuverlässig sagen konnte, wohin ich diesen Brief adressieren soll. Ich werde ihn sicherheitshalber ans Universum richten. Denn dort sind Sie unverkennbar zuhause. Ihre gnädige oder vernichtende Antwort erwarte ich geduldig. Lassen Sie sich nur Zeit!

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