Interview mit Prof. Dr. Wolfgang Haber (“Vater der Landschaftsökologie”)

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Wolfgang Haber

Mit Leidenschaft kommt man heute nicht weit. Wolfgang Haber im Gespräch mit Udo Weilacher, Januar 2013

Daraus:

… Seit 1962 war ich als Kustos am Landesmuseum für Naturkunde in Münster tätig. Mit dem Gartendirektor in Münster war Schreiber[1]Carl Ludwig Schreiber war 1966 der einzige Ordinarius im Studiengang Garten- und Landschaftsgestaltung an der TU München gut befreundet; er hatte dort den großen Waldfriedhof Lauheide gestaltet. Ohne weitere Erklärung lud er mich im Sommer 1965 zu einem Treffen in das Haus des Gartendirektors ein. Wir sprachen dort über ökologische Gestaltung und Dendrologie, denn ich kannte als Mitglied der Dendrologischen Gesellschaft bereits viele Parkanlagen. Ein halbes Jahr später erhielt ich die Einladung zu einem Probevortrag in Weihenstephan. .. Ich war am Museum in Münster auch für die wissenschaftlichen Grundlagen des Naturschutzes in Westfalen zuständig, berichtete daher im Rahmen meines Vortrages über Managementverfahren im Naturschutz, und das kam offenbar sehr gut an. Einige Monate später erhielt ich überraschend den Ruf an die TU und sollte sofort den Lehrstuhl kommissarisch übernehmen. …

Mit Leidenschaft und dergleichen kommt man heute nicht weit. Ich schreibe zur Zeit einen Artikel über Naturschutzpolitik und „The Economics of Ecosystems and Biodiversity“, kurz TEEB genannt. Alles soll heute ökonomisch bewertet werden, auch das Glücksempfinden beim Anblick einer schönen Landschaft. Dabei wird immer nur nach Funktionalitäten gefragt, und zum Beispiel der Wald in einer Landschaft danach beurteilt, ob er zur Verbesserung der Grundwasserqualität oder zur CO2-Speicherung beiträgt. Aber das Walderlebnis, etwa der Genuss von Vogelgesang und von Waldschatten an einem heißen Sommertag werden dabei vollkommen missachtet.

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1 Carl Ludwig Schreiber war 1966 der einzige Ordinarius im Studiengang Garten- und Landschaftsgestaltung an der TU München
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