Zu Besuch auf der IT-und Bankfachmesse der Fiducia/GAD in Münster

Von Ralf Keuper

Bis heute findet in Münster die IT-und Bankfachmesse der Fiducia/GAD COM17 statt. Zum ersten Mal ist Münster Ausrichtungsort der Hausmesse der Fiducia/GAD. Neben Karlsruhe und München ist Münster Standort des Unternehmens, das aus der Fusion der Fiducia mit der GAD hervorging. Die Messe richtet sich vorwiegend an 4.000 Entscheider und Vorstände in den Volks-und Raiffeisenbanken in Deutschland. Das Motto der diesjährigen Veranstaltung lautet u.a. Künstliche Intelligenz erobert das Banking.

Auf die aktuelle Entwicklung, die auch im Banking verstärkt in Richtung Künstliche Intelligenz verläuft, reagiert die Fiducia/GAD u.a. mit der Entwicklung des Vertrauensassistenten Sarabi. In der Pressemitteilung heisst es dazu:

Ein Dialog-System, mit dem der Bankkunde per Text- und Spracheingabe kommunizieren kann. Als persönlicher Assistent übernimmt Sarabi zum einen klassische Banking-Aufgaben wie Geld überweisen und Kontosalden anzeigen. Das System navigiert den Anwender zum nächsten Geldautomaten und zeigt Kundenkarten von Einzelhändlern an. Auch informiert es aktiv über Kontobewegungen wie etwa den Eingang des Gehalts. Aber Sarabi kann noch mehr als Banking. Zum Beispiel: Brötchen beim teilnehmenden Bäcker vor Ort bestellen und direkt online bezahlen. So wird das heute übliche Chatten für neue Szenarien genutzt – und das auf dem Sicherheitsniveau von Bankgeschäften. Sarabi wird damit gewissermaßen zum Vertrauensassistenten mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten.

Bei der Fiducia/GAD ist man davon überzeugt, dass Modell der Regionalbank in die Plattformökonomie übertragen zu können. Ausdruck dessen ist die Idee der Digitalen Regionalbank. 

Das hat was. Wenn, dann so. In der Pressmitteilung erfahren wir weiter:

Anwender können dort Waren tauschen, verleihen, kaufen oder sich gegenseitig finanziell unterstützen – zum Beispiel per Crowdfunding. Digitale Ökosysteme transportieren damit die Idee der Genossenschaften und passen ideal zum Geschäftsmodell der Volksbanken und Raiffeisenbanken (Pressmitteilung).

Ziel ist es, eine Art Marktplatz für die Kunden aus der Region zu schaffen, die dadurch neue Einnahmen generieren können. Der weitere Reiz besteht darin, dass die Bank ihrerseits durch die Bereitstellung von Services neue Einnahmequellen erschließen kann. Die digitale Regionalbank orientiert sich u.a. an George, geht aber noch darüber hinaus, wie ich bei der Präsentation erfahren konnte.

Seit langem lesen und hören wir, dass die Banken versäumen, ihren Datenschatz zu heben. Kaum eine andere Institution verfügt über so viele Daten (Einkommen, monatliche Belastungen, Ausgabeverhalten, Anschaffungen etc.) wie die Bank. So könnte man die Daten dazu verwenden, den Geschäftskunden mittels Peer-Group-Vergleichen, u.a. auf Basis der Bilanz- und Unternehmenskennzahlen, Verbesserungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

Es ist für mich immer eine besondere Freude, Leser und Follower meines Blogs persönlich kennen zu lernen, wie Josef Dantscher, der bei der Fiducia/GAD die Themen Innovation und Transformation betreut. Ich hatte Gelegenheit, seinem Vortrag beizuwohnen, in dem es um die vielfältigen Herausforderungen ging, welchen nicht nur die Banken ausgesetzt sind. Stichworte: Internet of Things, Künstliche Intelligenz und Augmented Reality. Ein ausgesprochen inspirierender Vortrag.

Mein Eindruck: 

Mit ihren Lösungen und Ideen bewegt sich die Fiducia/GAD m.E. in die richtige Richtung. Ob der gewünschte Erfolg eintritt, muss sich erst noch zeigen. Das Spielfeld, auf dem sich die Volks-und Raiffeisenbanken bewegen, ist in den letzten Jahren, u.a. durch die Aufkommen der Plattformökonomie und seiner häufig auch als GAFA (Google, Amazon, Facebook, Apple) bezeichneten Player, dynamischer geworden. Die Banken sind gezwungen, die Lösungen ihrer potenziellen Mitbewerber einzusetzen, wie Sprachassistenten, Soziale Netzwerke und Smartphones, wenn sie ihre Kunden noch erreichen wollen. Die Filiale wird dazu nicht mehr reichen.

Fraglich ist zum jetzigen Zeitpunkt auch, ob es gelingt, die Regionalbank als digitales Ökosystem bzw. digitale Plattform zu positionieren – das Internet kennt kein Regionalprinzip, jedenfalls nicht in der Weise, wie Sparkassen und Volksbanken es interpretieren oder gewohnt sind. Hier gelten andere Regeln, denen sich auch die Regionalbanken nicht entziehen können. Der Takt, auch was die technologische Entwicklung betrifft, wird von anderen vorgegeben. Deren Tempo ist ein anderes, als das der meisten Banken und Rechenzentren. Aktuelles Beispiel dafür ist Amazon Business, das gerade in Deutschland anläuft. Die Herausforderung der Banken liegt kaum in den zahlreichen Fintech-Startups, die für ihr Geschäft ohnehin auf die Infrastruktur der Banken angewiesen sind, oder, wenn sie selber zur Bank werden, denselben Restriktionen (Regulierung) unterliegen.

Mit Blick auf die Initiativen und Ankündigungen der Fiducia/GAD überrascht zunächst die Meldung, wonach die Tochter der DZ Bank, die ReiseBank, für ihre Smartphone-Bank auf die Dienste von Wirecard zurückgreift.

Es wäre vorschnell, die Banken wie auch die Rechenzentren als Verlierer der Digitalisierung und des Medienwandels abzustempeln. Indes sind die Herausforderungen so groß wie schon lange nicht mehr – in dieser Form dürften sie in der Bankgeschichte einmalig sein. Ein “Weiter so” oder “Weil wir es sind” wird nicht reichen.

Die Ansätze, die ich sehen konnte, weisen, wie schon erwähnt, in die richtige Richtung. Die Fiducia/GAD hat die Zeichen der Zeit nach meinem Eindruck erkannt. Wir werden sehen, wohin die Reise führt.

Aus westfälischer Sicht ist es zunächst einmal erfreulich, dass die Fiducia/GAD erstmalig Münster als Ort für die Hausmesse gewählt hat. Alles andere würde auch dem Regional- und Gleichheitsprinzip widersprechen, wofür die Genossenschaftsorganisation wie keine andere Unternehmensform in Deutschland steht.

Aufgefallen ist mir allerdings, dass die meisten Vortragenden aus Süddeutschland stammten. Dieser Eindruck mag subjektiv sein. Wir wollen mal davon ausgehen, dass es dafür plausible Gründe gibt und vielleicht auch nur meine Wahrnehmung ist und kein Anzeichen dafür, dass Münster bei der Entwicklung innovativer Produkte und Lösungen unterrepräsentiert ist.

Mein persönlicher Dank geht an Frau Regine Liebl-Schibinger für die Einladung wie auch für Zeit, die sich sich für den Rundgang genommen hat.

Weitere Informationen:

Geschichte der Datenverarbeitung und Informatik in Westfalen – ein kurzer Überblick

Die Softwareindustrie in Westfalen

Westfälische Informatiker

Dieser Beitrag wurde unter Technologie, Wirtschaft abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.