Absetzbare Wirtschafter: Die Schulten im alten Westfalen

Schulte gehört neben Meier, Richter, Müller, Schmidt, Fischer, Weber, Schneider, Schröder zu den häufigsten Familiennamen in Westfalen. Sie alle kennzeichnen entweder den Beruf oder die Funktion der Person, die als jeweils erste einer Familie den Namen führte bzw. von den Nachbarn so benannt wurde. Funktionsnamen sind die ersten drei, Schulte, Meier und Richter. Von ihnen bezeichnet Richter – wie die Berufsnamen – eine Tätigkeit. Im Unterschied zu den Trägern der Berufsnamen zielt seine Tätigkeit jedoch nicht auf die Herstellung von materiellen, physisch greifbaren Gegenständen. Er produziert Urteile’, Sentenzen, sprachliche Sätze, solche Sätze allerdings, deren Inhalt tief greifende Auswirkungen auf Entstehungsweise, Gestalt und Funktion von materiellen Gegenständen und von vielem anderen haben können. Nicht so der Meier. Das Wort Meier bezeichnet keine Tätigkeit: Er “meiert” nicht, er ist Meier, hat den Charakter, die Funktion eines Meiers.

Wohin gehört in diesem Zusammenhang der Schulte? Er ist dem Meier eng verwandt. Beide, Schulte und Meier, können, wenn sie Familiennamen sind, mit Zusätzen versehen sein, meist Namen von Siedlungen unterschiedlichen Ranges, darunter solche, die sich im Laufe der Geschichte als Kirchdörfer, ja, als Städte darstellen. Das weist auf eine besondere Bedeutung der Schulten- oder Meierhöfe hin und zwingt zu der Frage, ob die Höfe den Namen nach dem Dorf oder aber das Dorf den Namen des Hofes trägt. Wir finden z. B. den Namen Schulze- Rhynern, verkürzt und verhochdeutscht aus Schulte to Rineren in einem Kirchdorf bei Hamm, oder den Namen Meier zu Sieker in einem Kirchdorf bei Bielefeld, aber auch Meier zu Siederdissen ohne Kirche. ….

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