Westfalenstudie hinterlässt zahlreiche Fragezeichen

Von Ralf Keuper

Die Westfalen-Initiative und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe, beide bekannt für ihre Schwäche für demografische Entwicklungen und deren Interpretation (Vgl. dazu: Westfalen heute und der blinde Glaube an die Statistik), haben das Berlin-Institut mit der Durchführung einer Studie, der sog. Westfalenstudie, beauftragt. Die Ergebnisse wurden heute in Berlin vorgestellt. Danach sollen im Sauerland in den nächsten 20 Jahren ein Viertel der Arbeitnehmer in andere Regionen und Städte abwandern.

Ebenfalls heute veröffentlichte die Bertelsmann-Stiftung die Ergebnisse einer Studie, die im Gegensatz dazu ein wachsende Beliebtheit der Klein- und Mittelstädte in Deutschland feststellt – mit einer Einschränkung:

Sehr ländliche geprägte Regionen, ohne Nähe zu Städten, haben es laut der Analyse weiterhin schwer – sie schrumpfen und verlieren Einwohner vor allem an kleine und mittelgroße Städte in Deutschland.

Gilt diese Aussage auch für das Sauerland, und, wie die Studie des Berlin-Instituts suggeriert, ebenfalls für Ostwestfalen? Wohl kaum. Bielefeld mit mehr Einwohnern als Münster und mit einer steigenden Einwohnerzahl über die Jahre, ebenso in Paderborn und Gütersloh – alles Städte mit 100.000 Einwohnern und mehr – und darüber hinaus mit zahlreichen Hochschulen. Das Sauerland ist zwar eine eher ländliche Region – aber in Sichtweite zum Ruhrgebiet und mit Städten wie Iserlohn und Fachhochschulen und diversen Clustern keine Region, die von der Entwicklung abgekoppelt ist und als klassisch ländlich im Sinne der genannte Studie bezeichnet werden kann.

Die erstgenannte Studie legt den Universitäten des Ruhrgebiets nahe, Absolventen ins Sauerland und Ostwestfalen zu vermitteln. Das ist gleich in mehrerlei Hinsicht unplausibel: Erstens haben die Städte des Ruhrgebiets ebenfalls damit zu kämpfen, die Absolventen in der Region zu halten, zweitens hat das Ruhrgebiet über Jahre massiv Einwohner verloren –  seit 2015 steigen die Einwohnerzahlen als Folge der Zuwanderung wieder. Noch im Jahr 2015 prognostizierte die erwähnte Bertelsmann-Stiftung stark schrumpfende Einwohnerzahlen im Ruhrgebiet. Ein Jahr später schon war auch diese Prognose Makulatur.

Im Sauerland hat man ohnehin eine etwas andere Sicht auf das Ruhrgebiet als die Westfalenstudie. Wie die Vertreter der Wirtschaft:

Sie waren sich einig, dass die Region die Umbrüche und Krisen in der Vergangenheit durch die regionale Mentalität und vor allem durch die vielen familiengeführten mittelständischen Betriebe besser gemeistert hat als etwa das Ruhrgebiet. Man werde auch die Herausforderungen der Zukunft meistern, war sich die Runde einig (in: Südwestfalen für die Zukunft gut gerüstet).

Weitere Beiträge, die den Eindruck widerlegen, das Sauerland hätte die Zeichen der Zeit nicht erkannt und keine Gegenmaßnahmen eingeleitet:

Insofern eine weitere Studie im Auftrag von Westfalen-Initiative und LWL, die viele offene Fragen hinterlässt.

Weitere Informationen:

“Warum sollen wir in Panik verfallen?”

Zum Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung und zu Kaufmann in der SZ

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Summer School Oxford 1948: Die Konferenz der geläuterten Generation

Oxford im Jahr 1948. Eine einzige Deutsche wird zu einem Kurs über die Zukunft Europas eingeladen. Jetzt blickt sie zurück auf den Sommer ihres Lebens und eine andere, weltberühmte Teilnehmerin. …

Quelle / Link: Summer School Oxford 1948: Die Konferenz der geläuterten Generation

Weitere Informationen:

Eva-Maria Dahlkötter. Meine Erinnerungen an Alt-Lippstadt

Lippstadt vorm und hinterm großen Teich

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LWL-Münzkabinett

Das Münzkabinett am LWL-Museum hat seine Wurzeln im 19. Jahrhundert. Aus dem sich im Bürgertum allgemein verbreitenden Interesse für Geschichte gründete sich 1825 der Verein für vaterländische Geschichte und Altertumskunde Westfalens. Die Anlage einer eigenen Sammlung von Altertümern gehörte von Anfang an zu den Aktivitäten des Vereins und es waren vor allem Münzen, die als Geschenk den Weg in diese junge Sammlung fanden.

Quelle / Link: Sammlung Münzkabinett

Weitere Informationen:

Westfälische Numismatiker und Münzsammlungen

Das Marsberger Münzwesen in der Neuzeit (1605-1650)

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Dyckburg-Kirche bei Münster – Kleinod des westfälischen Barock

Von Ralf Keuper

Eher durch Zufall lernte ich die Dyckburg-Kirche im Münsteraner Stadtteil Handorf kennen. Dabei handelt es sich um ein Gebäudeensemble, dessen Zentrum die zu Beginn des 18. Jahrhunderts von dem Baumeister des westfälischen Barocks, Johann Conrad Schlaun, errichtete Loreto-Kapelle ist, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts von dem Architekten Wilhelm Rincklake um einen neo-barocken Rundbau ergänzt wurde.

Blick auf das Portal (Wikipedia)

Vorderer Bereich: Loreto Kapelle (Wikipedia)

 

 

 

 

 

 

 

Die der Kapelle seitlich vorgelagerten Wirtschaftsgebäude, die ebenfalls von Schlaun errichtet wurden, fügen sich harmonisch in das Gesamtbild ein. Abgerundet wird das Ganze von dem 1914 errichteten Pfarrhaus – Romantik trifft Barock.

Ein Besuch lohnt sich in jedem Fall, zumal dort, neben Trauungen, auch Konzertveranstaltungen stattfinden.

Weitere Informationen:

Ausflugstipp: Die Dyckburg-Kirche bei Münster

Die Fenster der Dyckburg-Kirche

 

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Obo Bettermann gründet Digitaleinheit

Von Ralf Keuper

Wie die FAZ am 19.06.18 in Wie ein Mittelständler digitaler wird berichtete, hat die in der Elektro- und Gebäudeinstallationstechnik tätige Obo Bettermann GmbH und Co. KG aus Menden, in Köln eine Digitaleinheit gegründet.

Die ein Dutzend Mitarbeiter der neuen Einheit namens Obo Bettermann – Digitale Bereiche betreuen für die vierzig Tochtergesellschaften zählende Gruppe alle Internetseiten sowie die Auftritte auf den sozialen Kanälen wie Facebook, Instagram und twitter. Vor allem aber bauen sie die digitalen Planungswerkzeuge aus, mit denen Elektroinstallateure den Einsatz der Produkte vorbereiten und das erforderliche Material berechnen können. … Wenn die dringendsten Aufgaben erledigt sind, soll das neue Kölner Team das Stammgeschäft mit neuen Geschäftsideen befruchten. Von der Arbeitsweise will sich Bettermann jedenfalls einiges abschauen, etwa für die Produktentwicklung. Die Kölner arbeiten nach Scrum, einer agilen Methode zur Softwareentwickklung.

Unternehmenschef Andreas Bettermann sieht laut des Beitrags große Chancen für sein Unternehmen, von der Digitalisierung zu profitieren:

Potential wittert er vor allem in der digitalen Gebäudetechnik, bei der alle Daten zu den verwendeten Produkten sowie Hinweise für den Gebäudebetrieb digital hinterlegt werden. Priorität hat denn derzeit auch die Digitalisierung sämtlicher Produktdaten und deren Weiterleitung über Schnittstellen an die Planer, den Großhändler und das Handwerk.

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Starke Industrie für Nord-Westfalen

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“Ich mag die Zuverlässigkeit und Aufgeschlossenheit des Menschenschlags” – Interview mit Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer

Prof. Dr. August Wilhelm Scheer

Westfalen sind für ihre Bodenständigkeit bekannt. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Beschäftigung mit theoretischen Fragen und Überlegungen keinen Raum hat; insbesondere dann, wenn sich die Ergebnisse der Gedankenarbeit mit der Praxis verbinden lassen. Für diese Kombination ist Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer (Foto), Deutschlands Informatik-Pionier, ein Paradebeispiel. Der gebürtige Lübbecker hat mit der IDS Scheer AG das zeitweise drittgrößte Softwareunternehmen Deutschlands aufgebaut. Daneben war er über Jahrzehnte als Universitätsprofessor in seiner Wahlheimat Saarbrücken tätig. Im Gespräch mit Westfalenlob spricht der Unternehmer (Scheer Group), Forscher und Musiker darüber, was ihn heute noch mit Ostwestfalen verbindet, wie er die wirtschaftliche und technologische Entwicklung der Region wahrnimmt und wann es ihn wieder mal nach OWL verschlägt. 

  • Herr Prof. Dr. Scheer, Sie leben seit Jahrzehnten im Saarland – was verbindet Sie noch mit Westfalen bzw. Ostwestfalen?

Ich besitze in meinem früheren Elternhaus in Lübbecke ein kleines Apartment und besuche es drei- bis viermal im Jahr, um mich mit Schulfreunden zu treffen und im Wiehengebirge zu wandern. Über die emotionale Verbindung hinaus verfolge ich mit Interesse die positive wirtschaftliche Entwicklung der Region.

  • In den letzten Jahren ist die Region Ostwestfalen-Lippe, u.a. durch die Smart FactoryOWL in Lemgo und it’s OWL in Paderborn, als Technologiestandort in den Blickpunkt gerückt – wie nehmen Sie die Entwicklung wahr?

Ich war Mitglied des Beirats des Heinz Nixdorf Instituts an der Uni in Paderborn und kenne die Erfolgsstory von OWL aus eigener Anschauung recht gut. Neben der guten Forschung imponieren mir in OWL die zahlreichen Unternehmen als Hidden Champions, mit denen ich auch zum Teil zusammenarbeiten durfte. Hier zeigt sich bei den inhabergeführten Unternehmen eine hohe Bereitschaft, sich mit neuen Technologien zu beschäftigen und die direkten Entscheidungswege zu ihrer Umsetzung zu nutzen. So werden die Vorteile einer mittelständischen Unternehmensstruktur der Region deutlich.

  • Mit einem Weltmarktanteil in der elektrischen Verbindungstechnik von 75 Prozent sind die hiesigen Unternehmen (Phoenix Contact, Wago, Harting, Beckhoff, Weidmüller) eigentlich bestens für die Industrie 4.0 bzw. M2M-Kommunikation aufgestellt. Könnte Ostwestfalen so etwas wie eine Pilotregion für die Unternehmung 4.0, wie Sie es in Ihrem aktuellen Buch beschrieben haben, werden?

Wenn man die Ausstellungsstände auf der HMI in Hannover besucht, weiß man, dass bei dem Erfolg des Themas Industrie  4.0 diese Unternehmen sehr ernst genommen werden müssen. Insbesondere mit dem Unternehmen Harting bin ich seit Jahrzehnten fachlich verbunden. Die Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen mit der Forschung ist hervorragend. Dies zeigen die vielen Verbundprojekte sowie die Auszeichnung durch die vielen Kompetenzzentren.

  • Sie sind auch als Saxophonist gefragt – führt Sie Ihr Weg hin und wieder in die Region – wie schätzen Sie die Musikszene in Ostwestfalen ein?

Ich habe sowohl in Lübbecke, Paderborn, Minden und Münster mehrfach mit meinen und lokalen Bands gespielt. Die Musikszene ist in OWL nach meiner Beobachtung sehr aktiv und wird von ehrenamtlichen Organisatoren beeindruckend unterstützt.

  • Wann sind Sie das nächste Mal wieder in der Region?

Ich war gerade anlässlich der CeBIT in Lübbecke und meine nächsten Vortragstermine sind im Herbst in Bielefeld. Ich komme gerne in diese Region. Sie ist nicht nur meine Heimat, sondern hat eine hohe landschaftliche Lebensqualität, und ich mag die Zuverlässigkeit und Aufgeschlossenheit des Menschenschlags.

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Brass Band Westfalen

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In memoriam: Frank Neumann (@TeraEuro)

Von Ralf Keuper

Vor zwei Wochen verstarb viel zu früh und unerwartet der Fotograf und Tierschützer Frank Neumann aus Bielefeld an einem Herzinfarkt.

Auf twitter war Frank Neumann eine Berühmtheit. Seine twitter – Accounts TeraEuro und HugoCoolPaws – mit zusammen mehr als 30.000 Followern – haben Kult-Status erlangt. Neben seiner Frau galt seine ganze Liebe seinen beiden Katzen Hugo und Minky. Frank war ehrenamtlicher Mitarbeiter beim Tierheim Bielefeld. Im Juni vergangenen Jahres sprach er in einem Interview mit Das Tier und wir über seine besondere Beziehung zum Katzenhaus im Tierheim Bielefeld. Darin bezeichnete er sich als “Katzenflüsterer” und gelegentlichen Katzen-Fotografen bzw. ambitionierten Hobby-Fotografen.

Warum der Begriff “Katzenflüsterer”? Häufig kümmere ich mich um neue, anfangs oft sehr scheue Katzen bei uns. Diese haben oft schon einige schlimme Sachen mitgemacht und sind oft sehr verschüchtert. Oft schaffe ich es relativ schnell, ein Vertrauensverhältnis zu ihnen aufzubauen. Anscheinend merken sie, dass man es gut mit ihnen meint und kommen beim zweiten oder dritten Treffen schon von alleine an, als ob sie einen wieder erkennen.

Aufmerksam verfolgte und kommentierte er auf twitter die Ereignisse in Gesellschaft und Politik. Ein Foto, das vor einigen Jahren auf der re publica in Berlin entstand, trifft die aufgeschlossene und vielseitig interessierte Persönlichkeit von Frank Neumann sehr gut.

Frank Neumann (@TeraEuro) mit Kamera und Zigarette. Im Vordergrund Ulrich Voß (@egghat). Foto: Dirk Elsner (@Blicklog)

Während der letzten Fussball WM lud Frank den Verfasser und einige weitere twitter-Bekannte zu sich nach Bielefeld in seinen Garten ein, um sich gemeinsam das Spiel Frankreich-Deutschland anzusehen.

Ein weiteres Mal wird es nicht mehr geben.

Er wird uns fehlen.

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Sonderausstellung “Das Gehirn – Intelligenz, Bewusstsein, Gefühl” im LWL-Museum für Naturkunde in Münster

Weitere Informationen:

Das Gehirn – Intelligenz, Bewusstsein, Gefühl

 

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