Münster. Der Film

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Münsterländer Kreidebecken: Das größte zusammenhängende Urwasserreservoir Europas

Das Münsterländer Kreidebecken insgesamt ist das größte zusammenhängende Urwasserreservoir Europas. Wie gut zu wissen, dass wir kaum verdursten müssen, sollte uns die Wärme der Sahara näher kommen, wie einige Wissenschaftler es prophezeien

Quelle / Link: Unter der Erde des Münsterlandes. Die verborgenen Schätze unserer Heimat

Das Münsterländer Kreidebecken ist das größte zusammenhängende Sedimentbecken Deutschlands. Die Ablagerungen werden dominiert von den Schichten der Oberkreide. Hierin nehmen die Tonmergel der Emscher-Formation eine besondere Bedeutung ein. Diese dichten den oberen Grundwasserleiter des Campan und des Quartär gegen den unteren Grundwasserleiter des Oberkarbon und Cenoman/Turon ab. Aufgrund ihrer abdichtenden Eigenschaften schirmt die Emscher-Formation die unter der Kreide liegende Steinkohlenlagerstätte im Oberkarbon ab und reduziert die Menge der zu fördernden Grubenwässer und die damit verbundenen Kosten der Wasserhebung.

Quelle / Link: Hydrogeologische und gesteinsphysikalische Eigenschaften der Emscher-Formation im Hinblick auf den Steinkohlenbergbau des Ruhrgebietes

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Konsolidierung im Möbelhandel erfasst westfälische Unternehmen

Von Ralf Keuper

Der Möbelhandel befindet sich seit Jahren in einem schmerzhaften Konsolidierungsprozess. Es deutet sich eine Entwicklung an, wie sie im Lebensmitteleinzelhandel bereits Realität ist: Wenige große Unternehmen beherrschen den Markt und übernehmen die noch verbliebenen kleineren (Vgl. dazu: Zehn Möbelhändler beherrschen die Szene). Unter den zehn größten Möbelhändlern in Deutschland befinden bzw. befanden sich auch zwei aus Westfalen: Porta und Poco. Poco gehört vollständig zu XXL Lutz.

Immer mehr Kunden bestellen ihre Möbel online (Vgl. dazu: Das neue Sofa per Mausklick). Der Online-Handel für Möbel wird von Otto und Home24 SE dominiert. Kleinere Händler, wie finke oder Zurbrüggen, geraten damit zwischen die Fronten: Auf der einen Seite die großen Konzerne wie Ikea, Höffner oder XXL Lutz, auf der anderen Seite die Online-Händler. Die zunehmende Konzentration im Markt und den Onlinehandel machte Wilfried Finke, Eigentümer von finke-Möbel, kürzlich für den Verkauf seines Unternehmens an die Höffner-Gruppe verantwortlich (Vgl. dazu: Höffner übernimmt Möbelhändler Finke). Bereits 2015 übernahm die XXL Lutz – Gruppe 50 Prozent der Anteile an Zurbrüggen aus Unna (Vgl. dazu: Möbelriese XXXL steigt nun auch bei Zurbrüggen ein).

Die Möbelindustrie ist über den Konzentrationsprozess auf Händlerseite nicht sonderlich erbaut (Vgl. dazu: Möbelindustrie besorgt wegen Konzentration).

Der zweitgrößte Möbelhändler Europas, die Steinhoff-Gruppe, wurde von einem Westfalen, Bruno Steinhoff, gegründet (Vgl. dazu: Bruno Steinhoff: Ernstzunehmender Rivale von Ikea).

Eine Frage ist auch, ob Porta seine Eigenständigkeit behaupten kann.

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Grundsteinlegung: Mehr Raum für Forschung und Zukunft in Lemgo. Fraunhofer treibt die Entwicklung am Innovation Campus Lemgo voran

Die Fraunhofer-Gesellschaft, Europas größte Organisation für anwendungsorientierte Forschung, engagiert sich mit dem Institutsteil für industrielle Automation bereits seit einigen Jahren erfolgreich am Standort Lemgo. Am Innovation Campus Lemgo, dem neuen Quartier entlang der Innovationskette Bildung-Forschung-Wirtschaft in der aufstrebenden Technologieregion Ostwestfalen-Lippe, entsteht nun ein neues Institutsgebäude. Am 30. August waren zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft und Forschung am Langenbruch zusammengekommen, um gemeinsam den Grundstein für mehr Raum für Forschung und Zukunft zu legen.
Die Investorengemeinschaft „Lippische Unternehmer GbR SmartFactory“ wird das Gebäude errichten und betreiben. Im Herbst nächsten Jahres, pünktlich zum 10-jährigen Jubiläum, wird Fraunhofer die neuen Räumlichkeiten beziehen.



Fraunhofer wird durch das Institutsgebäude am Innovation Campus Lemgo noch sichtbarer.

„Campus-Allee 1“ – an dieser Adresse wird das moderne Institutsgebäude zukünftig zu finden sein. Eine passende Anschrift, da es den westlichen Eingang zum Innovation Campus Lemgo bilden wird. Gleichzeitig ist die Bedeutung des Namens Fraunhofer für den Standort Lemgo und die Forschung in der Region zentral: Seit fast einem Jahrzehnt entwickelt Fraunhofer in Lemgo Lösungen für die intelligente Automation, Seite an Seite mit Unternehmen und der Hochschule Ostwestfalen-Lippe. Dass diese Forschungsaktivitäten erfolgreich sind und die heimische Wirtschaft international wettbewerbsfähig halten, unterstreicht nun der weitere Ausbau auf dem Innovation Campus Lemgo: Mit Platz für bis zu 100 Wissenschaftler sowie Labor- und Seminarräumen auf drei Ebenen wird das Forschungsgebäude ab Herbst 2019 noch mehr Strahlkraft für den Standort erzeugen. Neben der exponierten Lage wird das Institutsgebäude über einen direkten Zugang zur SmartFactoryOWL, einer Kooperation des Fraunhofer IOSB-INA und der Hochschule OWL, verfügen: eine ideale Infrastruktur mit kurzen Wegen, um die Visionen und Forschungsvorhaben direkt in die Umsetzung zu bringen.

Von der Forschung in die Anwendung: Mit der direkten Verbindung zur SmartFactoryOWL unterstreicht Fraunhofer seine Forschung für die Praxis.

Der Bezug des neuen Institutsgebäudes ist Teil einer Wachstumsstrategie, mit der Fraunhofer in Lemgo ein sichtbares Zeichen seiner Verbundenheit mit dem Standort und der Region OWL schafft. „Fraunhofer ist eine weltweit angesehene Marke und ein sehr attraktiver Arbeitgeber“, erläutert Professor Jürgen Jasperneite, Leiter des Fraunhofer IOSB-INA. „Wir wollen mit Investitionen in Köpfe und Infrastruktur vorangehen, um den Standort Lemgo zu einem führenden Leistungszentrum in der intelligenten Automation weiter zu entwickeln und die Spitzenposition der Region Ostwestfalen-Lippe im globalen Wettbewerb für Intelligente Technische Systeme auszubauen“, so Jasperneite.

Legen den Grundstein: Mehr Raum für Forschung und Zukunft in Lemgo und der Region. (v.l.n.r.) Stv. Landrat des Kreises Lippe Hans-Jörg Düning-Gast, Architekt und Mitinvestor Florian Brandstetter, Prof. Jürgen Jasperneite und Bürgermeister Dr. Reiner Austermann. 

Hans-Jörg Düning-Gast, Vertreter des Landrats des Kreises Lippe und Vorstandsmitglied des Innovation Campus Lemgo e.V., freut sich über diese Aktivität: “Wir freuen uns sehr, dass Fraunhofer sich hier auf dem Innovation Campus Lemgo so stark engagiert. Wir hoffen auf viele Nachahmer aus der Forschung, Bildung und Wirtschaft.”

„Fraunhofer in Lemgo hat sich zu einem echten Zugpferd für Innovationen entwickelt. Durch die SmartFactoryOWL wurde bereits eine international beachtete Forschungsfabrik gemeinsam mit der Hochschule etabliert, mit dem Fraunhofer-Reallabor LemGO Digital entsteht gerade eine Referenz für die Digitalisierung von Mittelstädten. Ein Aushängeschild für die Alte Hansestadt Lemgo und die ganze Region“, ergänzt Dr. Reiner Austermann, Bügermeister der Stadt Lemgo.

Florian Brandstetter, Geschäftsführer Brandstetter Architekten und Mitglied der Lippische Unternehmer GbR SmartFactory, ist gespannt auf das neue Projekt in Lemgo: „Die Erwartungen an unser bisheriges Engagement auf dem Campus sind voll erfüllt worden. Als Professor Jasperneite mit der Idee eines repräsentativen und modernen Büro- und Laborgebäude an uns herangetreten ist, haben wir daher nicht
lange gezögert.”

 

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Bericht von der ersten Blockchain-Konferenz in Bielefeld

Von Ralf Keuper

Die Blockchain-Technologie hat Ostwestfalen endgültig erreicht: Gestern fand in Bielefeld die erste Blockchain-Konferenz statt. Ausrichter und Organisator war die IHK Bielefeld.

Im Ostwestfalensaal hatten sich ca. 160 Teilnehmer zusammengefunden, um sich über diese neue Technologie zu informieren. In den verschiedenen Vorträgen wurde indes deutlich, dass es sich bei der Blockchain nicht nur um eine Technologie, sondern auch um eine soziale Innovation handelt, die Veränderungen an den Organisationsstrukturen und der Unternehmenskultur nach sich zieht.

Den Anfang machte Prof. Dr. Andreas Ittner vom Blockchain Competence Center Mitweida. Ittner führte die Anwesenden in das Thema Blockchain ein. Darin machte Ittner auch deutlich, dass es sich bei der Blockchain derzeit noch um eine überwiegend europäische Technologie handelt, wofür u.a. die Hubs Zug (Crypto Valley) und Berlin stehen. Mit der Blockchain-Technologie besteht die Möglichkeit, ein europäisches Gegenstück zu den großen, zentralisierten digitalen Plattformen aus den USA (facebook, Amazon, Google, Microsoft, Apple) und China (Tencent, Baidu, Alibaba) zu schaffen. Ittner machte die Teilnehmer mit der Idee bzw. dem Begriff einer Technischen Person bekannt. Diese würde sich neben die natürlichen und juristischen Personen gesellen. So könnte z.B. ein Auto ähnlich wie eine natürliche Person mit Rechten und Pflichten ausgestattet werden.

Aus Walldorf war Torsten Zube, Head of Blockchain bei SAP, angereist. Zube gab dem Auditorium einen Überblick über die verschiedenen Aktivitäten des ERP-Konzerns im Bereich Blockchain. Etwas futuristisch war das Beispiel eines Autos, das der Nutzer am Smartphone konfiguriert und bestellt. Nachdem die Bestellung abgeschlossen ist, beginnt das Auto in seiner digitalen Ausprägung (Digitaler Zwilling) damit, die Teile zu bestellen und die entsprechenden administrativen Vorgänge, wie die Zollabfertigung, zu initiieren. Bereits in der Realität angekommen sind die Aktivitäten von SAP im Bereich Product Authenticity Validation/Drug Supply Chain Security in der Pharmaindustrie (Vgl. dazu: Blockchain: A Study Rooted in Reality). Dort nutzen mehrere Pharmakonzerne die Blockchain für die Verifikation sog. Sellable Returns. Grundsätzlich hätte die Abstimmung zwischen den Unternehmen auch mittels einer Central Shared DBMS erfolgen können; jedoch konnten sich die Unternehmen nicht darauf einigen, wer von ihnen die Zentrale Datenbank betreiben sollte. Auch die Möglichkeit, die Aufgabe an SAP zu übertragen, stieß bei den beteiligten Unternehmen auf wenig Gegenliebe. Letztlich gehe es bei der Blockchain um die “Digitale Wahrheit”, die jedoch außerhalb des Unternehmens, eben auf der Blockchain, liege, so Zube. Kurz gesagt: Jeder spricht mit der Blockchain, aber nicht mit den anderen Teilnehmern.

Ein wirtschaftlicher Vorteil der Pharma-Blockchain sei, dass damit eine Root Cost Analysis möglich sei. Die Reaktionen können in Echtzeit erfolgen und Maßnahmen ohne großen Zeitverlust eingeleitet werden. SAP verwendet die Hyperledger-Blockchain.

Dass die Blockchain-Technologie nicht nur dazu geeignet ist, die Kommunikation zwischen Beteiligten, die sich nicht kennen und dennoch irgendwie einander vertrauen müssen, zu verbessern, sondern auch neue Geschäftsmodelle ermöglicht, war Inhalt und Tenor des Vortrags von Sven Laepple von Astratum. Die Blockchain sei eine Antwort auf den zunehmenden Bedarf an dezentralen Applikationen in der Wirtschaft und Gesellschaft, wie an der Verbreitung digitaler Währungen wie Bitcoin deutlich wird. Als Beispiele für neue Geschäftsmodelle nannte Laepple Decentralized Travel Ecosystem, Decentralized Proof of Location und Decentralized Digital Advertising (Beispiel: brave).

Ein Unternehmen, das den Wandel zum Distributed Business schon weit voran getrieben hat, ist der Automobilzulieferer und Hersteller von Elektrobussen Wanxiang (Vgl. dazu: White Paper of Blockchain and Distributed Business). Wanxiang ist damit beschäftigt, sein Geschäftsmodell mit der Blockchain zu “disrupten”. Hierfür investiert das Unternehmen in verschiedene Startups, Unternehmen und Initiativen (Vgl. dazu: Blockchain, Quo Vadis? by Sven Laepple, founder ASTRATUM, Folie 32). 

Didier Goepfert von Streamr gab den Anwesenden einen Einstieg in das weite Feld des Datenhandels. Die meisten Daten werden in Zukunft von Sensoren erzeugt, wie sie im Internet der Dinge verwendet werden. So können Autos ebenso wie Windkraftanlagen über Sensoren Daten übermitteln, die für andere Unternehmen oder Institutionen einen Wert haben. Ebenso ist es möglich, dass durch die Erfassung der Sensordaten in Echtzeit frühzeitig auf Probleme hingewiesen werden, wie z.B. der sich anbahnende Ausfall einer Maschine (Predictive Maintenance).

Den Abschluss machte Prof. Dr. Rainer Lenz von der FH Bielefeld, der zusammen mit Jörg Rodehutskors von der IHK Bielefeld Initiator des Arbeitskreises Blockchain und Smart Contracts ist, der einmal monatlich stattfindet. Lenz wies darauf hin, dass die Verwendung einer Blockchain nicht um ihrer selbst erfolgen sollte. Es gelte zunächst zu klären, ob die Blockchain die Lösung für die betreffende Aufgabenstellung sei, wobei Lenz auf das Paper Do you need a Blockchain? von Karl Wüst hinwies. Es sei daher zu empfehlen, einen entsprechenden Entscheidungsprozess zu durchlaufen:

Quelle: Do yo need a Blockchain?

Lenz sagte, die Blockchain werde die nominale Unternehmenswelt verändern. Haupteinsatzfelder der Blockchain sind das Identifizieren, Registrieren und Attestieren. Die Blockchain kann die “costs of trusts” erheblich reduzieren. Auf der anderen Seite stehe die wachsende Komplexität, die mit der Blockchain in die unternehmensinternen und unternehmensübergreifenden Prozesse Einzug halte. Bei richtiger Anwendung, so Lenz, könne die Blockchain aus Investitions- und Finanzierungssicht für Unternehmen die richtige Wahl sein.

Schlussbetrachtung

Die Blockchain, das ging aus den Vorträgen hervor, ist mehr als nur ein vorübergehendes Phänomen. Sie ist Ausdruck eines Wandels, der sich in Wirtschaft und Gesellschaft an einigen Stellen bereits vollzogen hat und noch im Gange ist. “Die” Blockchain gibt es ohnehin nicht. Es sind zahlreiche Lösungen und Initiativen aktiv, von denen sich auf Dauer nur eine Handvoll wird durchsetzen können. Insofern ist man gut beraten, sich mit der Funktionsweise der Blockchain bzw. der übergeordneten Kategorie der Distributed Ledger Technologies vertraut zu machen, also in gewisser Hinsicht einen agnostischen Ansatz zu verfolgen. Die Blockchain ist nicht nur eine Technologie; sie steht auch für ein neues Organisationsmodell, für eine andere Art, Daten und Informationen untereinander zu tauschen, um davon gemeinsam zu profitieren bzw. um überhaupt noch im Geschäft zu bleiben bzw. das Geschäft nicht an die großen digitalen Plattformen wie Amazon oder Alibaba über kurz oder lang abzugeben. Der dezentrale Ansatz der Blockchain passt eigentlich sehr gut zum kontinental-europäischen Wirtschaftsstil – das gilt in besonderer Weise für die Region Ostwestfalen-Lippe mit ihren zahlreichen Hidden Champions – vor allem im Bereich IoT/Elektrische Verbindungstechnik.

Nicht nur deshalb muss man den Initiatoren der Konferenz, insbesondere Jörg Rodehutskors und Uwe Lück, ein großes Kompliment machen.

 

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Die Holsterburg bei Warburg: Von der Entdeckung bis zum 3-D-Model

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Konrad Gruter aus Werden – Technik im späten Mittelalter

Im Jahr 1400 entschloss sich Konrad Gruter, in den Dienst des Mailänder Herzogs Giangaleazzo Visconti (1378-1402) zu wechseln. Der Herzog verfolgte über lange Jahre eine aggressive Poltik gegenüber dem Stadtstaat Florenz und dem Kirchenstaat (Schlacht bei Casalecchio 1402). Gruter hingegen verschlug es, bedingt durch den Ausbruch der Pest, nach Modena (1400/01), wo er für den dortigen Bischof Petrus de Boiardis eine Wasserleitung zur bischöflichen Residenz (einschließlich eines Wasserrades und Wasserhebewerkes) errichten ließ. Modena gehörte zum Herrschaftsbereich der Markgrafen von Este. In deren Residenzstadt Ferrara begab sich Gruter im Jahr 1401. In Ferrara entwickelte er im Auftrag des dortigen Stadtrats Schutzvorrichtungen (Ketten, Anker) für in Kriegszeiten durch Brand bedrohte Brücken. In Padua hielt sich Gruter zeitweise 1403/04 auf; hier beschäftigte er sich mit Wassertechnik und Pontonbrücken, während sich Padua in kriegerischen Auseinandersetzungen mit Mailand und Venedig befand (1403, 1404/05). Mindestens zwischen 1406 und 1408 finden wir den Ingenieur beim Territorialherren Rudolf III. Varano von Camerino im Gebiet der Marken, bis mindestens 1418 hielt sich Gruter in Lucca bei Paola Guinigi auf, dem dortigen Stadtherrn (1400-1430). Vielleicht schloss sich danach ein Dienstverhältnis im Lucca benachbarten Florenz an, vielleicht arbeitete Gruter zeitweise auch in Ravenna. Gruters Aufenthalte und Dienstverhältnisse erschließen sich aus seinem Maschinenbuch, in dem er, der erfahrene Ingenieur, die von ihm beobachtete Wassertechnik in Mittel- und Oberitalien beschreibt. Dabei kam Gruter mit einer Vielzahl von italienischen Ingenieuren, Technikern und Brunnenmeistern zusammen, etwa mit Leonardus de Bonafedis (1393), Bartolomeus de Novara (1401/05), Dominicus von Florenz (1404), Johannes Livello von Verona (1404), Hermann von Reggio (1404), Antonius von Bologna (1401/06), Benedikt von Camerino (ca.1408) oder Petzinus von Bergamo (1414/23). Im Austausch mit anderen bot sich für Gruter die Möglichkeit, seine Kenntnisse zu vertiefen; und Letztere flossen dann in sein Maschinenbuch ein.

Das Maschinenbuch des Konrad Gruter aus Werden wurde dann im Jahr 1424 in Venedig angefertigt. Das Traktat war eine repräsentative Handschrift, angefertigt – wie gesagt – als Auftragsarbeit für König Erik VII. Dieser herrschte seit 1412 allein über die Länder der Kalmarer Union (1397) und hielt sich im August 1424 in Venedig auf, um von dort eine Pilgerreise ins Heilige Land zu unternehmen. Wir können nun von einem Zusammentreffen zwischen König und Ingenieur, vielleicht im venezianischen Haus der Markgrafen von Este, vielleicht in einer Audienz, ausgehen. Von Erik erhielt Gruter den Auftrag zur Anfertigung des Maschinenbuchs, was so auch im Spätsommer des Jahres 1424 geschah. Doch kehrte der König, der bei der Rückfahrt vom Heiligen Land in Geldschwierigkeiten geriet, nicht wieder nach Venedig zurück, sondern erreichte auf anderem Weg, u.a. über Ragusa, sein nordischen Länder. …

Quelle / Link: Konrad Gruter aus Werden – Technik im späten Mittelalter

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Lego Paderborner Dom

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Alt-Westfalen: Die Bauentwicklung Westfalens seit der Renaissance

Quelle: https://sammlungen.ulb.uni-muenster.de/hd/content/pageview/674858

 

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175 Jahre St. Josephs-Hospital Warendorf

Von Ralf Keuper

Das heutige Gesundheitswesen ist nicht nur eine Errungenschaft des modernen Sozialstaats. Obwohl es Krankenhäuser, je nach Lesart, seit langer Zeit gibt, setzte ihre Verbreitung erst im 19. Jahrhundert ein. So auch in Warendorf. Dort beschloss der wohlhabende Tuchhändler Franz-Joseph Zumloh, seiner Heimatstadt eine Anstalt zu stiften, deren Zweck die Pflege und Heilung von Kranken sein sollte. Hierfür spendete Zumohl im Jahr 1843 die für damalige Verhältnisse beträchtliche Summe von 53.000 Talern, was heute 30 Mio. Euro entspricht.  In Franz Joseph Zumloh, Wohltäter in großer Not schreibt Mechtild Wolf: 

Bei der feierlichen Einweihung des Hospitals am 16. November 1843 übertrug Zumloh die Verwaltung des Hauses dem ersten Kuratorium. Die Schlüssel des Krankenhauses überreichte er zwei Clemensschwestern und übertrug ihnen damit die Sorge für die Kranken. Seinem Stifter zu Ehren wurde das Krankenhaus „Josephs-Hospital“ genannt.
Um ihrem Wohltäter zu danken zogen die Warendorfer Bürger am Abend dieses denkwürdigen Tages in einem prächtigen Fackelzug zu seiner Wohnung an der Oststraße.

Zum damaligen Zeitpunkt war das Krankenhaus das einzige seiner Art zwischen Münster und Bielefeld. Noch heute, so der Vorstandsvorsitzende des St. Joseph-Hospitals, Peter Goerdeler, ist die Region Münster-Osnabrück-Bielefeld das Einzugsgebiet des Krankenhauses. Mit 550 Mitarbeitern ist das Josephs-Hospital der zweitgrößte Arbeitgeber der Stadt. Derzeit wird das Krankenhaus um einen weiteren Trakt ergänzt. Mit den Erweiterungen soll auch dann noch nicht Schluss sein, so Goerdeler:

Wir wollen die Attraktivität des Josephs-Hospitals weiter steigern – für Patienten und Arbeitnehmer. Wir werden künftig weitere medizinische Schwerpunkte bilden und unsere Fachabteilungen noch weiter spezialisieren. Wir planen ein modernes Gesundheitszentrum, das wir mit einem zweiten Ärztehaus zielgerichtet erweitert wollen und das unseren Gesundheits-Campus nachhaltig stärken soll (in: mensch joseph! 2/2018)

 

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