Claas fällt sein Russland-Geschäft langsam aber sich auf die Füße

Von Ralf Keuper

Es war nur eine Frage der Zeit, bis das Russland-Geschäft von Claas im Fernsehen problematisiert würde. Am Freitag war es nun so weit. In der heute show wurde das Engagement einiger deutscher Unternehmen in Russland satirisch aufgearbeitet, darunter auch Claas[1]Putins Regime wird immer totalitärer | heute-show vom 25.03.2022 ab Minute 12:29.

Es dürfte für Claas immer schwieriger werden, das Festhalten am Russland-Geschäft zu rechtfertigen. Fraglich ist auch, ob es eine gute Idee ist, die eigene Position in Publikationen wie den Deutschen Wirtschaftsnachrichten (DWN))[2]Vgl. dazu: Medienkompetenz für Einsteiger: Deutsche Wirtschafts Nachrichten[3]Vgl. dazu: Wie seriös sind die „Deutschen Wirtschafts Nachrichten“?[4]Vgl. dazu: Das postfaktische Virus[5]Allerdings scheint sich die redaktionelle Ausrichtung seit 2019 geändert zu haben. So schreibt Vice als Update zu dem Beitrag “Wie serios sind die Deutschen Wirtschafts Nachrichten?: … Continue reading kundzutun[6]Deutscher Mähdrescher-Hersteller: “In Russland wollen wir die wirtschaftliche Erfolgstory fortschreiben”.

Update (02.04.22): 

Sollte das Szenario eintreten, das der renommierte Politikwissenschaftler Herfried Münkler in einem Interview mit den tagesthemen entwirft, dann wird Claas sein Russland-Geschäft – zumindest in weiten Teilen – abschreiben müssen[7]In seinem Kommentar von 12.04.22 legt Bernd Ziesemer den deutschen Unternehmen, die noch in Russland aktiv sind, nahe, ihr Geschäft abzuschreiben..

Hinzu kommt, dass, wenn Russland den Zugriff auf die ukrainischen Weizenfelder erlangt, seine geopolitische Position gestärkt wird. Wenn also Claas argumentiert, mit seinen Landmaschinen dazu beizutragen, dass die russische Landwirtschaft effizienter wird, dann wird dadurch die Verhandlungsposition Russlands gestärkt[8]Vgl. dazu: Weizen: Instrument der Macht | Mit offenen Karten | ARTE.

Update (24.04.22)

In Deutsche Unternehmen in Russland: Warum sich Henkel und SAP plötzlich doch zurückziehen argumentiert der Autor, dass, sollte Claas sein Werk in Krasnodar schließen, dies ernste Konsequenzen für die weltweite Versorgungslage mit Weizen hätte, wobei er den Wirtschaftswissenschaftler Karsten Kilian von der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt zitiert: „Wenn sich internationale Landmaschinen- und Düngemittelhersteller aus Russland zurückziehen, kann das dazu führen, dass im Herbst die Ernten in Russland geringer ausfallen.“ Dass der Rückzug von Claas aus Russland mit negativen Konsequenzen für die Ernte in Russland verbunden wäre, dürfte unstrittig sein. Im vorliegenden Fall ist diese Feststellung jedoch relativ sinnfrei. Mit mindestens ebenso großer Berechtigung könnte man argumentieren, dass, da große Teile der Weizenernte (auch der russischen) für die Fütterung in der Massentierhaltung verwendet werden, dies einen nicht unbeträchtlichen Beitrag zur Klimakrise leistet, was wiederum zu neuen Flüchtlingsströmen führen kann, sofern man hier einen Zusammenhang erkennen will[9]Rettung vor der Weizenkrise?.

Informativ ist die arte Doku: Getreidepreis auf Rekordniveau – Warum eine globale Hungerkrise droht | ARTE

Richtig ist allerdings, dass ein Rückzug aus dem Russlandgeschäft wohl an die wirtschaftliche Substanz von Claas gehen würde. Zu den Abschreibungen auf die Investitionen in das Werk, das Personal und die Infrastruktur kommen noch die Umsatzverluste in Höhe von ca. 1.000 Maschinen pro Jahr (zuzüglich der Ersatzteile). In der Summe dürften das 1 Mrd. Euro und mehr sein.

Was das betrifft, ist man bei Phoenix Contact schon weiter. Dort hat man den Rückzug aus Russland bereits beschlossen und den Verkauf des Russland-Geschäfts finalisiert. Der Ausdruck der Haltung und Werte des Familienunternehmens überrage in diesem Fall wirtschaftliche Aspekte, so der Chef von Phoenix Contact, Frank Stührenberg, in einem Gespräch mit dem WB. Stührenberg weiter: “Wir gehen von einer vollständigen Abschreibung aller Unternehmens- und Vermögenswerte in Russland aus”, in: Phoenix Contact stellt sich nach Umsatzrekord auf weitere Erlössprünge ein – Russland-Geschäft ist verkauft

Update (26.04.22)

Wie der WDR berichtet, überlegt man bei Claas, sich aus dem Russland-Geschäft zu verabschieden. “Die Entscheidung lasse sich aber jetzt nicht treffen“, wird ein Unternehmenssprecher zitiert[10]Einige große Unternehmen in OWL produzieren weiter in Russland.

Man arbeitet anscheinend an einer Exit-Strategie, welche die Bilanz nicht völlig verhagelt.

Update (27.04.22)

Claas. Kein Bauernopfer

References

References
1 Putins Regime wird immer totalitärer | heute-show vom 25.03.2022 ab Minute 12:29
2 Vgl. dazu: Medienkompetenz für Einsteiger: Deutsche Wirtschafts Nachrichten
3 Vgl. dazu: Wie seriös sind die „Deutschen Wirtschafts Nachrichten“?
4 Vgl. dazu: Das postfaktische Virus
5 Allerdings scheint sich die redaktionelle Ausrichtung seit 2019 geändert zu haben. So schreibt Vice als Update zu dem Beitrag “Wie serios sind die Deutschen Wirtschafts Nachrichten?: “Wir haben die betreffenden Passagen gelöscht, da sich der Ton der DWN seitdem verändert hat. Nach unserer Einschätzung hat sich das Portal merklich von dem damals vorherrschenden Sensationalismus wegentwickelt, hin zu einer sachlicheren und nüchterneren Berichterstattung” Diese Einschätzung scheinen indes nicht alle zu teilen: https://twitter.com/stirz/status/1421014433002819585https://twitter.com/ChrisStoecker/status/1485881037200703488
6 Deutscher Mähdrescher-Hersteller: “In Russland wollen wir die wirtschaftliche Erfolgstory fortschreiben”
7 In seinem Kommentar von 12.04.22 legt Bernd Ziesemer den deutschen Unternehmen, die noch in Russland aktiv sind, nahe, ihr Geschäft abzuschreiben
8 Vgl. dazu: Weizen: Instrument der Macht | Mit offenen Karten | ARTE
9 Rettung vor der Weizenkrise?
10 Einige große Unternehmen in OWL produzieren weiter in Russland
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