Konrad Gruter aus Werden – Technik im späten Mittelalter

Im Jahr 1400 entschloss sich Konrad Gruter, in den Dienst des Mailänder Herzogs Giangaleazzo Visconti (1378-1402) zu wechseln. Der Herzog verfolgte über lange Jahre eine aggressive Poltik gegenüber dem Stadtstaat Florenz und dem Kirchenstaat (Schlacht bei Casalecchio 1402). Gruter hingegen verschlug es, bedingt durch den Ausbruch der Pest, nach Modena (1400/01), wo er für den dortigen Bischof Petrus de Boiardis eine Wasserleitung zur bischöflichen Residenz (einschließlich eines Wasserrades und Wasserhebewerkes) errichten ließ. Modena gehörte zum Herrschaftsbereich der Markgrafen von Este. In deren Residenzstadt Ferrara begab sich Gruter im Jahr 1401. In Ferrara entwickelte er im Auftrag des dortigen Stadtrats Schutzvorrichtungen (Ketten, Anker) für in Kriegszeiten durch Brand bedrohte Brücken. In Padua hielt sich Gruter zeitweise 1403/04 auf; hier beschäftigte er sich mit Wassertechnik und Pontonbrücken, während sich Padua in kriegerischen Auseinandersetzungen mit Mailand und Venedig befand (1403, 1404/05). Mindestens zwischen 1406 und 1408 finden wir den Ingenieur beim Territorialherren Rudolf III. Varano von Camerino im Gebiet der Marken, bis mindestens 1418 hielt sich Gruter in Lucca bei Paola Guinigi auf, dem dortigen Stadtherrn (1400-1430). Vielleicht schloss sich danach ein Dienstverhältnis im Lucca benachbarten Florenz an, vielleicht arbeitete Gruter zeitweise auch in Ravenna. Gruters Aufenthalte und Dienstverhältnisse erschließen sich aus seinem Maschinenbuch, in dem er, der erfahrene Ingenieur, die von ihm beobachtete Wassertechnik in Mittel- und Oberitalien beschreibt. Dabei kam Gruter mit einer Vielzahl von italienischen Ingenieuren, Technikern und Brunnenmeistern zusammen, etwa mit Leonardus de Bonafedis (1393), Bartolomeus de Novara (1401/05), Dominicus von Florenz (1404), Johannes Livello von Verona (1404), Hermann von Reggio (1404), Antonius von Bologna (1401/06), Benedikt von Camerino (ca.1408) oder Petzinus von Bergamo (1414/23). Im Austausch mit anderen bot sich für Gruter die Möglichkeit, seine Kenntnisse zu vertiefen; und Letztere flossen dann in sein Maschinenbuch ein.

Das Maschinenbuch des Konrad Gruter aus Werden wurde dann im Jahr 1424 in Venedig angefertigt. Das Traktat war eine repräsentative Handschrift, angefertigt – wie gesagt – als Auftragsarbeit für König Erik VII. Dieser herrschte seit 1412 allein über die Länder der Kalmarer Union (1397) und hielt sich im August 1424 in Venedig auf, um von dort eine Pilgerreise ins Heilige Land zu unternehmen. Wir können nun von einem Zusammentreffen zwischen König und Ingenieur, vielleicht im venezianischen Haus der Markgrafen von Este, vielleicht in einer Audienz, ausgehen. Von Erik erhielt Gruter den Auftrag zur Anfertigung des Maschinenbuchs, was so auch im Spätsommer des Jahres 1424 geschah. Doch kehrte der König, der bei der Rückfahrt vom Heiligen Land in Geldschwierigkeiten geriet, nicht wieder nach Venedig zurück, sondern erreichte auf anderem Weg, u.a. über Ragusa, sein nordischen Länder. …

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