Musik und nicht-textuelle Objekte im Kontext digitaler Editionen (Zentrum Musik – Edition – Medien)

Von Ralf Keuper
Gestern wurde das Zentrum für Musik – Edition – Medien während eines Festakts in Paderborn in den Räumlichkeiten der Zukunftsmeile Fürstenallee offiziell eröffnet. Dabei handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt ostwestfälischer Hochschulen – der Universität Paderborn, der Hochschule für Musik in Detmold sowie der Hochschule Ostwestfalen-Lippe in Lemgo.
Wie die Redner unisono hervorhoben, betritt das Zentrum für Musik – Edition – Medien im noch relativ jungen Forschungsgebiet der Digital Humanities Neuland. 
Besonders deutlich wurde das in dem Festvortrag „Going digital. Vom Einzug des Computers in die Geistes- und Kulturwissenschaften“ von Jan Christoph Meister von der Universität Hamburg, zugleich Vorsitzender des Verbands Digital Humanities im deutschsprachigen Raum, und , sofern ich es richtig verstanden habe, in vergleichbarer Funktion auf europäischer Ebene. 
Zunächst gab Meister einen Einstieg in das mittlerweile weite Feld der Digital Humanities. Dabei zog er eine Unterscheidung zwischen analoger und digitaler Signalverarbeitung bzw. -darstellung, um den fast schon paradigmatischen Wandel greifbar zu machen, der sich derzeit in den Geisteswissenschaften, ausgelöst durch die Digital Humanities, vollzieht. 
Während die analoge Darstellung Näherungswerte liefert, kann die digitale Repräsentation mit exakten, eindeutigen Ergebnissen aufwarten.  
Die eigentliche Herausforderung besteht nun darin, die analoge, ganzheitliche Erfahrung und die digitale, in Einzelergebnisse zerfallenden Beobachtung anzunähern, also sie füreinander zu übersetzen. Am Ende des Weges winkt die, wissenschaftstheoretisch nicht zu unterschätzende, Auflösung des sog. hermeneutischen Zirkels durch eine gemeinsame Sprache, eine Lingua Franca, der Wissenschaften. Mehr noch: Der Traum bzw. die Vision einer, wissenschaftlicher Methodik folgenden digitalen Synästhesie, eines neuen Stilelements in den Medien, scheint in greifbare Nähe gerückt, ohne sich dabei dem Verdacht, esoterische Glasspielereien zu betreiben, auszusetzen. 
Dadurch, dass die Methoden und bisher gewonnenen Erkenntnisse der Digital Humanities zum ersten Mal auf nicht-textuelle Objekte angewandt werden, betritt die Forschung – nicht nur bezogen auf die digitalen Musikeditionen – eine neue Stufe. Die Möglichkeiten, die sich daraus für die Musik, die Informatik, die Musik- und Medienwissenschaften ergeben, sind noch nicht absehbar. Es könnten uns also demnächst noch einige Meldungen von Durchbrüchen aus Paderborn und Detmold erreichen. 
Erkennbar wurde in den Vorträgen auch, dass das Projekt auf die Erfahrungen voran gegangener und z.T. noch laufender Projekte aufsetzen kann, was mit ein Grund für den positiven Bescheid des Bundesministeriums für Bildung und Forschung war, welche das Projekt in der ersten Phase mit 1,7 Millionen Euro unterstützt. Danach, so Hans Nierlich von Projektträger im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, beginne jedoch die Kür, indem eine nachhaltige Strategie/Finanzierung sichergestellt werden muss, wobei er sich zuversichtlich gab, dass dies den Beteiligten gelingen werde.
Zu den angesprochenen Projekten zählen u.a. das Edirom-Projekt sowie Freischütz Digital
Großen Raum nimmt die Modellierung von Softwarewerkzeugen ein, mit denen die digitale Darstellung nicht-textueller Objekte möglich ist. Dabei kommt u.a. die kontextuelle Informatik, wie sie von Prof. Reinhard Keil am Heinz Nixdorf Institut der Universität Paderborn gelehrt wird, zum Einsatz. 
Insgesamt also ein spannendes Projekt bisher vorwiegend getrennt voneinander arbeitender Wissenschaftsdisziplinen, wie es derzeit wohl in Deutschland einmalig ist. 

Crosspost von Medienstil 

Weitere Informationen:

Google’s Process for Translating Pictures into Words

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