Textilland Westfalen

Von Ralf Keuper

Wie nur wenige andere Wirtschaftszweige hat die Textilbranche Westfalen geprägt. Obwohl die „Goldenen Jahre“ in der Vergangenheit liegen, ist die Anzahl der Unternehmen im Bereich Textilherstellung und -handel noch immer erstaunlich hoch.

Die wohl bekanntesten Vertreter sind die Tödden aus dem nördlichen Münsterland, in deren Nachfolge die heute noch aktiven Brenninkmeyers von C&A und die Familie Peek & Cloppenburg stehen.

Waren die Tödden vorwiegend im Handel aktiv, so bildete sich im 19. Jahrhundert in und um Bielefeld ein Zentrum der Textilherstellung, das eng mit dem Aufstieg der Ravensberger Spinnerei und der Industriellenfamilie Delius verbunden ist. Ein Meilenstein der Industrialisierung in Westfalen.

Weiteres bedeutendes Unternehmen der Textilherstellung war die van Delden-Gruppe aus Gronau, die nach einer rasanten Wachstumsphase während der ersten Nachkriegsjahrzehnte im Jahr 1982 vom Markt verschwand.

Trotz des Niedergangs zahlreicher, namhafter Unternehmen aus der Textilbranche, haben es einige Unternehmen geschafft, sich auf dem hartumkämpften Markt zu behaupten. Bei einem der erfolgreichsten Unternehmen, der Gerry Weber AG, handelt es sich sogar um eine Gründung aus dem Jahr 1972 (damals noch unter anderem Namen und einer anderen Rechtsform), zu einer Zeit, als die Textilbranche eine ihrer größten Krisen überhaupt erlebte.
Weitere Vertreter sind die Seidentsticker-Gruppe aus Bielefeld, Europas größter Hersteller von Oberhemden, die Bugatti/Brinkmann-Gruppe und die Ahlers-Gruppe , beide aus Herford.
Der Hersteller gehobener Bekleidung für Damen und Herren, Windsor aus Bielefeld, befindet sich heute im Besitz der Gebrüder Holy, den ehemaligen Inhabern von Hugo Boss. Vorheriger Eigentümer von Windsor war die Familie Oetker.
JAB Anstoetz, ebenfalls auf Bielefeld, ist nach eigenen Worten einer der größten Textilverlage der Welt.

Das für seine Frottierwaren bekannte Unternehmen Vossen beschäftigte an seinem ehemaligen Stammsitz Gütersloh und weiteren Werken in Spitzenzeiten mehr als 4.000 Mitarbeiter. Inzwischen hat Vossen seinen Firmensitz nach Österreich verlegt.

Mit seinen Strumpfwaren hat sich Falke aus Schmallenberg im Sauerland einen Namen gemacht.

Der Textilhandel hat in Westfalen in den letzten Jahren, wenn man so will, eine neue Blüte erlebt, die sich jedoch fast ausschließlich auf den Bereich Textildiscount beschränkt. „Shooting Stars“ der Branche sind Ernstings Family aus Coesfeld, Kik aus Bönen bei Hamm und Takko aus Telgte. Im Besitz einer einzigen Familie befindet sich nur noch Ernstings Family.

Takko und Kik stehen insbesondere wegen ihrer Arbeitsbedingungen immer wieder in der Kritik. Zuletzt Takko.

Den Vogel schiesst allerdings Kik ab.

Ein Forum der Textilkultur, nicht nur Westfalens, bietet das LWL- Industriemuseum in Bocholt.

Weitere Informationen:

Zur Geschichte der Dülmener Textilindustrie

Die Geschichte der Bielefelder Leinenindustrie

Textilindustrie

Textil in Ostwestfalen: Der Konkurrenz immer eine Elle voraus

Dieser Beitrag wurde unter Wirtschaft veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.