Friedrich Spee, Anton Praetorius, Peter Hagendorf, Hermann Cottmann und der Hexenwahn in Westfalen

Von Ralf Keuper

Heinz Dieter Kittsteiner beschreibt in seinem Buch Die Stabilisierungsmoderne anhand der zahlreichen Hexenprozesse, die während des 16. und 17. Jahrhunderts wie ein Schatten über Deutschland lagen, den langsamen Übergang der mittelalterlichen, feudalen Gesellschaft in das Zeitalter der Moderne.

An die Stelle von Aberglauben und reiner Willkür traten mit der  Zeit Regeln und Interpretationen, die  wissenschaftlichen Kriterien genügen mussten. Den Anfang machte Gallileo Gallilei in der Naturwissenschaft und der u.a. in Paderborn lehrende Jesuit und Gegner der Hexenprozesse, Friedrich von Spee in der Theologie und Philosophie. Mit seiner Schrift Cautio Criminalis sorgte Spee für einen, wenn auch langsamen, Bewusstseinswandel in der Bevölkerung wie auch unter den Theologen und Landesherren.

Einige Zeit vor Spee zog der in Lippstadt geborene und aufgewachsene Anton Praetorius gegen die Hexenprozesse zu Felde. Unter den protestantischen Theologen war Praetorius einer der entschiedensten Gegner der Hexenverfolgung.

Peter Hagendorf, der als Söldner am Dreißigjährigen Krieg teilnahm, berichtet in seinen Tagebüchern von mehreren Hexenverbrennungen in Lippstadt. Kitttsteiner zitiert aus den Tagebüchern:

In Lippstadt gibt es gutes altes Bier und auch böse Leute. Ich habe ihrer 7 verbrennen sehen. Darunter ist sogar ein schönes Mädelein gewesen von 18 Jahren, aber sie ist doch verbrannt worden.

Kittsteiner schreibt weiter, dass allein in dem Zeitraum von Juni bis September 1630 in Lippstadt 29 Menschen verbrannt wurden. Zur selben Zeit verfasste im nur wenige Kilometer entfernten Paderborn Friedrich von Spee seine Cautio Criminalis.

Als “Hexenbürgermeister” seiner Heimatstadt Lemgo gelangte Hermann Cottmann zu zweifelhaftem Ruhm.

Ein weiterer entschiedener Gegner der Hexenverfolgung war Johann Weyer, der in Tecklenburg seine letzte Ruhe fand.

Weitere Informationen:

Hexen in Detmold. Verfolgung in der lippischen Residenzstadt 1599-1669

Hexen-Paten für Ausstellung in Poenigeturm in Menden gesucht

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