Wie die WestLB-Bauten Firmen- und Architekturgeschichte erzählen

Von Ralf Keuper

Ein ausgesprochen lesenswerter Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 21./22. Januar 2012 setzt die Firmengeschichte der WestLB mit der Architektur ihrer Bauten in Beziehung. 
Erzählt wird dabei u.a. die Entstehungsgeschichte des ersten markanten Baus der WestLB am Aasee in Münster. Ludwig Poullain, der nach wie vor streitbare erste Vorstandsvorsitzende der WestLB war es, der den Architekten Harald Deilmann mit dem Entwurf und der Realisierung des Münsteraner Hauptsitzes beauftragte. Da es sich bei der WestLB um ein neu geschaffenes Institut handelte, sollte in der Architektur der Geist des Aufbruchs zum Ausdruck kommen. Es darf im Nachhinein als Glücksfall gelten, dass mit Poullain und Deilmann zwei Persönlichkeiten zur richtigen Zeit am selben Ort zusammentrafen, die sich sehr gut ergänzten. In Münster wollten sie einen Testfall schaffen, der sich dann im Laufe der Jahrzehnte als architektonischer Meilenstein entpuppte. 

Von Beginn galt die Maxime der Unverwechselbarkeit: Schon die Standortwahl galt als Novum. Beanspruchten bislang Bankhäuser namhafte Innenstadtadressen, wählte die Bank das Gelände des Alten Zoos vor der Münsteraner Altstadt. Zwischen altem Stadtwall und neuem Stausee modellierte hier nun Deilmann geschickt das riesige Raumvolumen zu einer terassierten Bürolandschaft und erzeugte in Zusammenarbeit mit dem Landschaftsarchitekten Günther Grzimek fließende Übergänge zwischen Architektur und Natur in einem neuen öffentlichen Landschaftspark.  Auf Basis eines 8×8 Meter großen Konstruktionsrasters schuf er eine expressiv gestufte Anordnung mit einer raumabschließenden Fassade aus Cor-Ten-Stahlprofilen und goldschimmernden Sonnenschutzfenstern. Zum eigentlichen Merkmal sollten allerdings die weißen Sichtbeton-Bänder werden, die Terrassen und Fluchtwegbalkone umfingen.

Seit ich das Gebäude vor nunmehr fast dreißig Jahren sah, zählt es für mich zu den schönsten aus dieser Zeit.

Nach Münster baute Deilmann noch weitere Niederlassungen im identischen Stil, so etwa in Dortmund und Luxemburg. Das Dortmunder Gebäude wirkt, wenn man mit dem Zug durch die Stadt fährt, am besten. Auf seine Art ebenso imposant wie das Münsteraner Pendant. Es ist sehr erfreulich und zeugt von großer Weitsicht, dass die Stadt Dortmund  das Gebäude bereits unter Denkmalschutz gestellt hat. 

Nach dem kläglichen Niedergang der WestLB ist es die Architektur, die der Nachwelt eine Bank in Erinnerung hält, die geschäftlich keine Zierde der Branche war, wohl aber ästhetisch Maßstäbe gesetzt hat. Manch eine Bank, die von der Bildfläche verschwunden ist, wäre froh, auf diese Weise Bestandteil des kollektiven Gedächtnis geworden zu sein: 

Im Rückblick ergeben die WestLB-Neubauten als wichtiger Beleg der Nachkriegsmoderne in ihrer Gesamtheit eine eindrucksvolle Gebäudefamilie. Bei gleichem Erscheinungsbild zeigen sie ein Panorama unterschiedlicher Strategien: Münster – die Landschaft, Dortmund – der Stadtbaustein, Luxemburg – die Villa, Düsseldorf – der Stadtblock.

Dazu hat es immerhin gereicht 😉 

Quelle: Wunsch nach Größe, SZ vom 21./22. Januar 2012, Autor: Stefan Rethfeld. 
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