Als Gustav Schickedanz (Quelle) und Reinhard Mohn (Bertelsmann) sich ins Gehege kamen

Von Ralf Keuper

Im Jahr 1966 kam der Quelle-Versand auf die Idee, eine Bibel in Edelausstattung und zu einem vergleichsweise günstigen Preis auf den Markt zu bringen. Das rief Bertelsmann, seinerzeit Europas größter Buchversender, auf den Plan. Dort hatte man bereits eine Bibel im Angebot, die jedoch 50 DM teurer war, als das Werk aus dem Hause Quelle. Auf einmal kamen sich der größte Versandhändler Europas, Quelle, und Europas größter Buchversand, Bertelsmann, ins Gehege. Bertelsmann-Chef Reinhard Mohn war nicht amüsiert; Bertelsmann drohte daraufhin dem Südwest-Verlag, der die Bibel im Auftrag von Quelle drucken sollte, mit juristischen Schritten. Die Kontrahenten kamen nach einiger Zeit zu der Überzeugung, dass es besser sei, den Streit beizulegen. Ein Vergleich wurde geschlossen. Die Quelle-Bibel wurde in einer weniger aufwendigen Ausstattung gedruckt, der Preisunterschied zwischen der Quelle- und der Bertelsmann-Bibel fiel nicht mehr ins Gewicht. Über diesen Vorfall berichtet Gregor Schoellgen in seinem Buch Gustav Schickedanz. Biografie eines Revolutionärs. Darin zitiert er den Quelle-Justitiar Gebauer, der in einem Brief an Bertelsmann schrieb:

Es sollte auch nicht gerade die Heilige Schrift sein, durch die zwei freundschaftlich verbundene Unternehmer (Gustav Schickedanz und Reinhard Mohn) in Streit geraten.

Diese Rücksichten brauchte Jahrzehnte später Jeff Bezos nicht zu nehmen, als er mit seinem Buchversand Amazon startete.

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