Miele: McKinsey kommt

Von Ralf Keuper

Dass der Gütersloher Haushaltsgerätehersteller Miele den Rat von Strategieberatern sucht, stellt ein Novum in der Unternehmensgeschichte dar. Wie in verschiedenen Medien berichtet wurde, wird McKinsey Miele dabei beraten, wie das Unternehmen in den nächsten Jahren 100 Mio. Euro einsparen kann. Weiterhin soll McKinsey Miele dabei unterstützen, das eigene Geschäftsmodell für die Zukunft wetterfest zu machen (Vgl. dazu: Miele verschärft Sparkurs: Kosten sollen massiv sinken, Stellen fallen weg). Vor allem der Absatz von Waschmaschinen bleibt hinter den Erwartungen zurück. Schon kommt die Frage auf, ob die Produktion der Waschmaschinen wie geplant, auf die Standorte Gütersloh und Polen aufgeteilt werden soll (Vgl. dazu: Miele-Betriebsrat fürchtet noch höheren Stellenabbau).

Wenngleich man das Engagement von McKinsey nicht überbewerten sollte, so zeigt sich daran doch, dass die Führung bei Miele, anders als in der Vergangenheit, zu der Überzeugung gekommen ist, auf externen Rat angewiesen zu sein. Es stellt sich die Frage, ob Miele seinen Status als Premium-Hersteller auch in Zukunft behaupten kann. Zu schaffen macht Miele die Konkurrenz aus Asien, wie Haier und Samsung (Vgl. dazu: Chinas weißer Riese drängt in die deutschen KüchenSamsung jagt Miele mit der Socken-Klappe). Die fortschreitende Digitalisierung macht auch vor der Haushaltsgerätebranche nicht halt. Auch hier ist Haier besonders aktiv (Vgl. dazu: Waschen, googeln, twittern – das vernetzte Haus).

Bei Miele hat man die Auswirkungen der Digitalisierung auf das eigene Geschäftsmodell erkannt (Vgl. dazu: Miele lebt die Digitalisierung in allen Facetten). Allem Anschein nach sind noch einige Fragen offen.

Ob McKinsey eine gute Wahl ist? Das Ansehen der amerikanischen Strategieberatung hat in den letzten Jahren stark gelitten (Vgl. dazu: McKinsey auf Abwegen?). Die Arbeit und die Erfolgsbilanz der Unternehmensberater, wie McKinsey, wurde in der Vergangenheit in verschiedenen Buchveröffentlichungen kritisch hinterfragt (Vgl. dazu: “beraten und verkauft. McKinsey & Co. – der große Bluff der Unternehmensberater” von Thomas Leif). Der berühmte Dramatiker Rolf Hochhuth verfasste das Bühnenstück McKinsey kommt.

Hochhuth thematisiert in McKinsey kommt Massenentlassungen im Zuge von Fusionen, die in einer eigentlich florierenden Wirtschaftslage zum Zweck der Gewinnsteigerung durchgeführt werden. Das Thema wird aus verschiedenen Blickwinkeln bis zu einer abschließenden Verhandlung vor dem Bundesverfassungsgericht über die Forderung nach einem Recht auf Arbeit beleuchtet. Die titelgebende Unternehmensberatung McKinsey tritt im Stück nicht in Erscheinung, die bloße Ankündigung McKinsey kommt dient als Synonym für geplante Entlassungen (Wikipedia).

Auffallend ist, dass die erfolgreichsten Unternehmen der letzten Jahre, Amazon, Google, Facebook und Apple, ebenso wie ALDI, auch ohne den Rat von McKinsey gut gefahren sind. Viele der Mitbewerber von Google & Co., die nicht selten von McKinsey beraten wurden, wie Bertelsmann, suchen bis heute nach einem tragfähigen digitalen Geschäftsmodell. Die Strategieberatungen sind in Sachen Innovation in den letzten Jahrzehnten, wie Walter Kiechel in The Lords of Strategy feststellt, ohnehin nicht übermäßig positiv aufgefallen.

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