Von Osthaus, Flechtheim, Ahlers, Oetker und anderen – (Private) Kunstsammlungen in Westfalen

Von Ralf Keuper

Die Sammlung von Büchern, Kupferstichen, Gemälden und Kunsthandwerk des Geheimen Oberregierungsrates Carl Wilhelm August Krüger in Minden zählte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts unter Kennern zu den bedeutendsten ihrer Art in Deutschland. Im Jahr 1853 beschloss Krüger seine Privatsammlung zu verkaufen. Nachdem das Königliche Museum in Berlin kein Interesse an einem Erwerb gezeigt hatte, verkaufte Krüger die Sammlung an die National Gallery in London, was bei einigen Zeitgenossen große Bestürzung auslöste.

Eine Sonderstellung unter den westfälischen Kunstmäzenen nimmt fraglos Karl-Ernst Osthaus ein, der Gründer des Folkwang-Museums, das heute in Essen beheimatet ist und inoffiziell als das schönste Museum der Welt gilt. Sein ideelles Erbe wird heute von dem Osthaus-Museum in seiner Heimatstadt Hagen fortgeführt. Dank der Sammelleidenschaft und Großzügigkeit von Gustav Lübcke verfügt die Stadt Hamm über ein weit über die Grenzen der Stadt bekanntes Kunstmuseum, das nach seinem Mäzen benannt wurde. Ein bedeutender Kunstsammler und -kenner war Alexander Haindorf, der auch Mitbegründer des Westfälischen Kunstvereins ist.

Eine bedeutende Kunstsammlung trug Rudolf Hammerschmidt zusammen.

Münster ist die Geburtsstadt der schillerndsten Figur des Kunsthandels in Deutschland während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – Alfred Flechtheim.

Schloss Anholt im Münsterland, auch Louvre auf dem Lande genannt, beherbergt eine der wohl unbekanntesten und zugleich bedeutendsten privaten Kunstsammlungen Deutschlands. Mit seiner Sammlung von über siebenhundert Alten Meistern ist es das größte private Kunstmuseum in Nordrhein-Westfalen.

Dank der umfangreichen Sammlung von Picasso-Lithographien, die Gert Huizinga über mehrere Jahrzehnte zusammengetragen hat, verfügt Münster heute über das in der internationalen Kunstszene inzwischen etablierte Picasso Museum.

Der Herforder Modeunternehmer Jan Ahlers gilt mit seiner Sammlung, die aus über 200, vorwiegend expressionistischen, Werken besteht, hierzulande als einer der renommiertesten privaten Mäzene der Malerei des 20. Jahrhunderts. Die Stiftung Ahlers Pro Arte hat sich u.a. die Dokumentation und wissenschaftliche Erschließung des Wirkungsgrades der expressionistischen Kunst im 20. Jahrhundert auf die Fahnen geschrieben.

Durch die Schenkung des Kunstkritikers Albert Schulze, der ein bedeutender Sammler gestisch-abstrakter und konstruktiv-konkreter Kunst war und dank der Stiftung des Zeitschriftenverlegers Dr. Paul Dierichs verfügt die Ruhr-Universität Bochum über eine Kunstsammlung, für die sie von der Kunstwelt beneidet wird.

Als „Retter zahlloser Kunstwerke der von den NS-Behörden zur Vernichtung vorgesehenen „entarteten Kunst“ (Wikipedia) hat sich Bernhard A. Böhmer bleibende Verdienste um die Kunst und die Menschheit erworben.

Thomas Rusche, Textilhändler aus Oelde (Kreis Warendorf), ist über die Grenzen Westfalens als ausgewiesener Kenner der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts bekannt. Neuerdings interessiert er sich auch für die zeitgenössische Künstler, wie Norbert Tadeusz.

Mit ihrem Fundus von Werken der Konrad-Soest-Preisträger gilt die Sammlung der Provinzial-Versicherung als eine feste Größe der Avantgardekunst.

Sehr zur Ehre der Rubens-Stadt Siegen gereicht die Sammlung Lambrecht-Schadeberg, die gleichzeitig den Grundstock des Museums für Gegenwartskunst in Siegen bildet.

Rudolf-August Oetker, dem die Stadt Bielefeld ihre Kunsthalle verdankt, hat über Jahrzehnte eine der wohl bedeutendsten privaten Kunstsammlungen Deutschlands zusammengetragen. Seine Sammlung meisterhafter Goldschmiedearbeiten gilt gar als eine bedeutendsten ihrer Art in der Welt. Das Spektrum ist breit gefächert. Auch für Außenseiter, wie Hermann Stenner, hatte Rudolf-August Oetker ein sicheres Gespür.

Jacob Pins war u.a. als Sammler ostasiatischer Kunst weltweit bekannt. Einen großen Teil seiner Sammlung vermachte er als Zeichen der Versöhnung seiner Geburtsstadt Höxter, die ihm zu Ehren das Forum Jacob Pins ins Leben rief.

Bielefeld beherbergt eines der größten Archive zur Avantgarde-Kunst des 20. Jahrhunderts, das Egidio Marzona zusammengetragen hat.

Weitere:

August Sträter

Detmar Basse

Friedrich Moritz von Brabeck

Walter Westfeld

Heiner Wemhöner

Gerhard Schneider (Kunstsammler)

Mäzenin Barbara Lambrecht-Schadeberg ist im Berliner Bode-Museum mit dem James-Simon-Preis ausgezeichnet worden

Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum

Berliner Kunstsammlung Rusche: Roter Samt und Pausbacken

Kunstsammler und Mäzen Hans Joachim Nachtmann ist gestorben

Ahlers-Stiftung zieht sich aus Hannover zurück

Ehepaar Kaldewei engagiert sich: Stiftung will Interesse an Kunst fördern

Siegener Kunstmäzenin versteigert wertvolle Privatsammlung

Kunstsammler wurden deportiert – Bankiersfamilie Schüler aus Bochum verlor nahezu 200 Gemälde

Hamm würdigt 100 Jahre Sammlung Lübcke

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