Westfälisches Demokratie- und Staatsverständnis, oder: Was macht die Westfälische Identität aus?

Von Ralf Keuper

Die Tatsache, dass in der Geschichte bisher nie ein Staat Westfalen existiert hat, der zumindest dem heutigen Staatsverständnis entspricht, wird gerne als Begründung für die angeblich fehlende oder schwach ausgeprägte Westfälische Identität herangezogen. Anders als in anderen Regionen, so wird eingewandt, habe es in Westfalen nie ein echtes Zentrum gegeben. Das Königreich Westphalen unter Napoleon, da kann man den Kritikern nur Recht geben, kann nicht ernsthaft als Gegenbeispiel durchgehen. Ebensowenig das Herzogtum Westfalen, das sich im Wesentlichen auf das Sauerland und die Soester Börde beschränkte.

Dass der Staatsgedanke den Westfalen nie fremd, im Gegenteil sehr vertraut war, beweist nicht zuletzt die auffallend hohe Anzahl von Staats-und Gesellschaftstheoretikern und Staatsmännern aus oder in Westfalen der letzten Jahrhunderte.

Die von Gustav Engel in seinem Buch Die Westfalen. Volk und Geschichte beschriebene Haltung, den Staat so weit wie möglich auf Distanz zu halten, hat kaum jemand so sehr zu seinem Thema gemacht wie Justus Möser aus Osnabrück, der als der entschiedenste Gegner des Absolutismus gilt. Ohne jetzt diesen Umstand überzeichnen zu wollen, lassen sich erste Ansätze dazu bereits im frühen Mittelalter finden, und zwar in Gestalt des ersten sächsischen Landtags zu Markloh , von dem Historiker Hermann Rothert auch “Das erste Parlament der Ge…

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