Gertrud Korves, eine westfälische Einsiedlerin des 15. Jahrhunderts

Herbert Grundmann hat in einem seiner großen Aufsätze zu den religiösen Bewegungen im Mittelalter als Kernaussage herausgearbeitet, dass „vielen wenn nicht allen das Eremitentum als höchste Form und Stufe des religiösen Lebens“ galt. „Schon deshalb darf es nicht außer acht gelassen werden, wenn man die mittelalterliche Geistesart und Frömmigkeit begreifen will.“ Resignierend muss Grundmann allerdings feststellen: „Einsiedler und Anachoreten in ihrer selbstgewählten Einsamkeit fern der Welt und den Menschen sind schwer aufzufinden – auch von der historischen Forschung.“1 Im gleichen Jahr 1963, als Grundmanns Aufsatz zum ersten Mal erschien, hat Albert K. Hömberg versucht, einen Überblick über die Klausen im spätmittelalterlichen Westfalen zu geben.2 Wer die Ausführungen Hömbergs liest, erfährt viel Neues über die Einsiedeleien, ihre Einbindung in das Verkehrsnetz sowie über die Aufgaben, die Klausner im sozialen Leben von Stadt und Land wahrnehmen konnten. Was fehlt, sind Porträts einzelner Einsiedler und Einsiedlerinnen. Dieses Defizit ist allerdings nicht Hömberg anzulasten, sondern der historischen Quellenüberlieferung geschuldet, denn von in der Einsamkeit lebenden religiösen Heroen ist in spätmittelalterlichen Zeugnissen aus Westfalen nur selten die Rede. Der folgende kurze Beitrag zu der „klusenerschen“ Gertrud Korves ist ein Versuch, trotz dieses Mangels das Bild einer Einsiedlerin zu zeichnen. Einige Texte aus der reichen Quellenüberlieferung des Augustinerchorherrenklosters Böddeken, etwa 15 km südlich von Paderborn gelegen, eines der großen Reformzentren in der westfälischen Klosterlandschaft des 15. Jahrhunderts, bieten die Möglichkeit dazu. …

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